Betrüger manipulieren Geldautomaten: Geld in Tokio abgehoben
In Lindlar im Oberbergischen Kreis haben sich 40 Opfer einer offenbar sehr geschickten Betrugsmasche gemeldet. Ihnen wurden vergangene Wochen Summen zwischen 300 und 3.000 Euro vom Konto abgebucht. Das Geld haben die Täter im japanischen Tokio abgehoben.

-
Bild 1 vergrößern
+
Die Volksbank in Lindlar
Die Polizei konnte rasch klären, dass alle Opfer Wochen zuvor mit ihren Bankkarten an einem bestimmten Automaten der Volksbank in Lindlar Geld geholt hatten. "Die Kriminalpolizei hat sich den Automaten genau angesehen, aber keine der typischen Vorrichtungen entdeckt, mit denen Täter normalerweise die Kartendaten und Geheimzahlen von Bankkunden ausspähen", sagt Jürgen Dzuballe, Sprecher der Polizei im Oberbergischen Kreis. Es hatte auch keiner der Kunden beim Geldabheben bemerkt, dass die Tastatur des Geldautomaten oder der Karteneingabeschlitz manipuliert waren. "Wir gehen davon aus, dass die Täter einen Weg gefunden haben, den Automaten zu öffnen und im Innern des Automaten ihre Geräte zum Ausspähen der Kundendaten installiert haben", berichtet Polizeisprecher Dzuballe.
Die Täter sind offenbar Experten für Geldautomaten
Der Fall im Oberbergischen gibt selbst erfahrenen Kriminalisten Rätsel auf. Denn wie die Täter den Geldautomaten öffnen und manipulieren konnten, ist noch vollkommen unklar. Die Untersuchung des Automaten hat keine Hinweise auf ein gewaltsames Öffnen ergeben. Die Betrüger müssen sich mit solchen Geräten also bestens auskennen. Und sie sind international vernetzt.
Offenbar haben sie die Daten, die sie von den Bankkarten ihrer Opfer kopiert haben, nach Japan weitergeschickt. Dort müssen dann Komplizen gefälschte Karten produziert und diese später an Geldautomaten in Tokio eingesetzt haben. "In Europa können Täter mit kopierten Geldkarten inzwischen nicht mehr so ohne Weiteres Geld abheben, verschiedene Sicherheitsmechanismen verhindern das. In Asien und Lateinamerika ist das aber weiterhin möglich" erklärt Polizeisprecher Dzuballe.
Kein Einzelfall in NRW

-
Bild 2 vergrößern
+
Nicht manipulierter Geldautomat der Volkbank Lindlar
Die Täter waren in Lindlar so vorsichtig, dass es nicht einmal Aufzeichnungen der Überwachungskameras von ihnen gibt. Der Trick: Sie haben nach der Manipulation des Automaten so lange abgewartet, bis der elektronische Speicher der Kameraanlage die Daten des Tattages wieder überschrieben hat. Erst danach wurden die gefälschten Bankkarten in Tokio eingesetzt.
Der Fall ist nicht einzigartig in Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben des Landeskriminalamtes gibt es bisher eine Handvoll ähnlicher Taten im Land. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. "Kunden können sich vor der neuen Betrugsmasche nur schützen, indem sie regelmäßig ihr Konto kontrollieren", rät Polizeisprecher Jürgen Dzuballe. Bei unerklärbaren Abbuchungen im Ausland sollten Bankkunden sofort die Polizei einschalten. Die Volksbank hat den manipulierten Automaten durch einen neuen ersetzt.
Stand: 20.11.2012, 14.50 Uhr
Kommentare zum Thema (9)
letzter Kommentar: 23.11.2012, 14:35 Uhr
- Bürger schrieb am 23.11.2012, 14:35 Uhr:
- Es müssen ja überall nur noch Automaten sein. Früher, als wir unsere Kohle am Schalter abgehoben haben gab es diese Betrügereien nicht. Aber ein Automat wird eben nicht krank oder hat mal Urlaub.....
- Sat(t)ir(r)e schrieb am 22.11.2012, 17:38 Uhr:
- Na ja so neu ist dieser Vorgang auch nicht, aber paar Hausnummern kleiner als das was mit den Sozialkonten der Beitragszahler zu den Sozialkassen für ihre Renten, GKV und Arbeitslosengelder. Die werden zu Hunderten von Milliarden in Eurozone wie z.B. Griechenland abgehoben und in Steuerasen oder Baugold in London und Berlin gesteckt. Keiner will die Nummern und Codes herausgegeben haben, da das System alternativlos ohne Eingriffsmöglichkeiten der kleinen Ansparer, seine Ersparnisse abgreift. Virtuelles und Giralgeld sind eben so eine sache, niemnd sieht es niemand vermisst es also sofort, aber wenn dann ist es viel zu spät.
- Anonym schrieb am 22.11.2012, 10:33 Uhr:
- Sind die Geldinstitute nicht verpflichtet, die von ihnen betriebenen Automaten möglichst oft auf ihre Sicherheit zu überprüfen? Die Täter sind immer viele Schritte voraus. Es wird höchste Zeit, daß jede Bank/Sparkasse entsprechendes Fachpersonal hat, das in der Lage ist, eventuelle Manipulationen an den Geldautomaten festzustellen und dann auch zu korrigieren! Warum wird immer zuerst der Verbraucher in die Pflicht genommen? Es wird höchste Zeit, daß hier andere Regelungen getroffen werden. Zum Schutze der Verbraucher/Ofper und nich "zum Wohle" der Täter!
- Das Leihschwein schrieb am 21.11.2012, 09:05 Uhr:
- Nicht das erste mal das kriminelle Mitarbeiter in der Bank fest angestellt sind. So saßen ihre Bankräuber gut getarnt ganz oben als Vorstand/Aufsichtsrat mit Millionengehälter, Abfindungen und Pensionen. Sie wurden dafür bezahlt, das sie juristisch absolut sauber die Einlagen ihrer Kunden jahrelang veruntreuten. Nun überlegt der normale Bankmitarbeiter wie er sein Gehalt steigern könnte. Da es keine Gewaltspuren an den Geldautomaten können nur Mitarbeiter aus der Bank oder den Automaten Hersteller die Täter sein die genau Wissen wie der Geldautomat funktioniert und wie man ihn manipulieren kann. Mitarbeiter Schweizer Banken machten es doch vor wie man als Insider richtig Kohle machen kann und sich nicht mit ein paar tausend Franken begnügen muss. Auch der normale Bankmitarbeiter hat mit der IT die Möglichkeit seine Bank zu schädigen ohne Spuren zu hinterlassen und sich zu persönlich zu bereichern, nicht nur Vorstand/Aufsichtsrat.
- Neumüscher schrieb am 21.11.2012, 00:41 Uhr:
- Rätselhaft bleibt der Vorgang nur, wenn man davon ausgeht, dass die Daten nur am Geldautomaten abgegriffen werden konnten. Zieht man aber in Betracht, dass das schwarze Schaf im IT-Zentrum der Bank sitzt, erklärt sich sofort alles. Dagegen würde aber auch diie Chip-Technologie nicht schützen. Glücklicherweise übernehmen im Gegensatz zu früheren Zeiten heutzutage i.d.R. die Banken die Schäden der Geplünderten.
Alle Kommentare zu "Betrüger manipulieren Geldautomaten:Geld in Tokio abgehoben" anzeigen
Seite teilen
Über Soziale Medien