Was passiert am Freitag, dem 13.? Die Vermessung des (Un-)Glücks

Freitag der 13.: Manch einer steigt an diesem Tag nicht ins Flugzeug oder verschiebt eine wichtige Entscheidung. Der Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer aber gibt Entwarnung: Alles Humbug, sagt er. Und verrät, wie man todsicher den Lotto-Jackpot knackt.


Professor Walter Krämer an einer Tafel
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Statistikprofessor Walter Krämer

Sogar einen wissenschaftlichen Namen gibt es für das, was heute (13.01.2012) wieder einmal viele Menschen umtreibt: Triskaidekaphobie - die Angst vor der bösen Dreizehn. Von den 13 Menschen, die beim letzten Abendmahl Jesu versammelt gewesen sein sollen, sei der 13. ein Verräter gewesen - so lautet eine Erklärung für den schlechten Ruf dieser Zahl. Die dafür übrigens nicht unbedingt mit einem Freitag verbunden sein muss: In Spanien oder Griechenland beispielsweise gilt Dienstag, der 13., als Unglückstag. Eher zum Vergnügen beschäftigt sich Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der TU Dortmund, mit der Systematik von Glück und Unglück.

WDR.de: Herr Krämer, haben Sie irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen für den heutigen Tag getroffen?

Walter Krämer: Ehrlich gesagt ist mir erst durch Ihren Anruf aufgefallen, dass mal wieder Freitag, der 13., ist. Deshalb bin ich ganz beruhigt. Allerdings habe ich tatsächlich mal recherchiert, ob sich die Börsen an einem Freitag, dem 13., anders verhalten. Das Ergebnis war: Es ist ein Tag wie jeder andere.

WDR.de: Gibt es irgendwelche mathematischen Hinweise darauf, dass sich besondere Ereignisse an diesem Datum häufen - oder ist die Aufregung darum reiner Aberglaube?

Krämer: Ereignisse, die nicht an das Kalenderjahr gebunden sind, sind gleichmäßig über das Jahr verteilt. Durch Zufall können sich natürlich gewisse Daten in bestimmten Zusammenhängen häufen. Wie z.B. am berühmten 9. November: Am 9.11.1918 wurde die Weimarer Republik ausgerufen, am 9.11.1938 ereignete sich die Pogromnacht, am 9.11.1989 der Fall der Mauer. Dann gibt es noch ein paar Kuriosa, die an einem 9. November passierten: So wurde an diesem Datum die erste Fußgängergzone Deutschlands eingeweiht, Jack the Ripper brachte sein letztes Opfer um. Das ist aber alles mit Zufall zu erklären.  

WDR.de: Dennoch gilt in vielen Ländern der Welt die Zahl 13 als Unglückszahl. In manchen Hochhäusern fehlt die 13. Etage, die meisten Fluglinien haben keine 13. Reihe in ihren Maschinen, selbst in einigen ICE-Zügen gibt es keinen Wagen 13. Warum sind die Menschen nicht davon abzubringen?

Krämer: Ich glaube, der Mensch hat das Bedürfnis, in das Chaos des Alltags ein bisschen Ordnung und System hineinzubringen. Das ist wahrscheinlich genetisch bei uns verankert. Deshalb versuchen wir, auch in unsinnige Kontexte Sinn hinein zu geheimnissen. Das ist ein Urbedürfnis des Menschen: Muster zu finden, im Kaffeesatz zu lesen.

WDR.de: Selbst, wenn das bedeutet, sich fürchten zu müssen?

Krämer: Gerade dann. Wenn wir keine Angst hätten, wären wir längst ausgestorben. Es gab sicherlich Vorfahren, die stehenblieben, wenn sich der Säbelzahntiger näherte. Die wurden aufgefressen, ihre Gene wurden nicht weitergegeben. Nur die, die Angst hatten, konnten überleben.

WDR.de: Also hat Aberglaube auch Überlebensfunktion?

Krämer: In der Tat. Dieser Drang, in zunächst unerklärliche Geschehnisse einen Sinn hinein zu projizieren, ist uns angeboren.

WDR.de: Umgekehrt gefragt: Welchen Zufall oder welche Wahrscheinlichkeit kann man denn wirklich berechnen? Lassen sich Wirtschaftsprognosen ernsthaft berechnen? Und wie steht es mit der Liebe?


Glücksklee mit vier Blättern
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Glück lässt sich manchmal berechnen...

Krämer: Bei Vorgängen, die beliebig oft wiederholbar sind, wie beispielsweise einen Würfel werfen, oder täglich den Börsenkurs einer Aktie beobachten, kann man ausrechnen, in wie viel Prozent der Fälle etwas Bestimmtes eintritt: beispielsweise eine Sechs gewürfelt wird oder eine Kursänderung von mehr als zwei Prozent eintritt. Das ist mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung gut in den Griff zu bekommen. Wenn Sie lange würfeln – und der Würfel nicht gezinkt ist – können Sie davon ausgehen, dass Sie in einem Sechstel aller Fälle eine Eins würfeln, eine drei, eine vier usw. Das ist todsicher so. Natürlich kann auch zehnmal hintereinander eine Sechs kommen, aber langfristig sind es ein Sechstel aller Würfe. Ebenso kann ein Standesbeamter ausrechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Paar, das er gerade traut, seine goldene Hochzeit feiern wird – die liegt nämlich bei etwa 30 Prozent.

WDR.de: Guten Glauben braucht dagegen wohl, wer regelmäßig beim Lotto auf sein Glück hofft. Oder hilft auch da die Wahrscheinlichkeitsrechnung?

Krämer: Da kann man sogar sehr viel berechnen. Zum einen die sehr geringe Wahrscheinlichkeit, einen Sechser zu landen: Die liegt bei eins zu 13,9 Millionen. Das ist nicht sehr toll, dennoch kann man als Statistiker Tipps geben, wie man langfristig die Chancen erhöht.

WDR.de: Tatsächlich?


Lottoschein wird ausgefüllt
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Seltene Zahlen ankreuzen

Krämer: Ja, denn Lotto ist kein reines Glücksspiel. Es gab schon Auslosungen, wo der Gewinner mit sechs Richtigen nur 50.000 Euro bekommen hat, andere bekamen 6 Millionen - je, nachdem, wieviele Spieler die richtigen Zahlen getippt hatten. Sie haben also die Höhe  des Gewinns, sollten Sie gewinnen, selber in der Hand: Kreuzen Sie die Zahlen eins bis sechs an, tun Sie das zusammen mit durchschnittlich 50.000 anderen Lottospielern. Wenn die alle sechs Richtige haben, ist der Gewinn für den Einzelnen nicht groß. Auch die 19 zum Beispiel ist eine sehr oft getippte Zahl – weil viele Lottospieler immer wieder ihr Geburtsdatum nehmen. Sie müssen also versuchen, Kombinationen anzukreuzen, die außer Ihnen niemand hat. Die gibt es, und die müssen Sie finden. Wenn Sie dann gewinnen, haben Sie alles für sich.

WDR.de: Hübsche Theorie. An diesem Wochenende gibt es im Lotto den ersten Jackpot des Jahres 2012 zu knacken. Haben Sie einen besonderen Tipp?

Krämer: Einen todsicheren sogar! Sie tippen alle 13,8 Millionen mögliche Kombinationen, das kostet Sie zehn Millionen Euro, aber dann haben Sie auf jeden Fall einen Sechser dabei. Für 100 Millionen Euro können Sie auch noch die Zusatzzahl mittippen, und dann haben Sie auf jeden Fall den Jackpot.

Das Interview führte Nina Magoley.


Stand: 13.01.2012, 00.01 Uhr


Kommentare zum Thema (25)

letzter Kommentar: 16.01.2012, 15:49 Uhr

Ralph Peter schrieb am 16.01.2012, 15:49 Uhr:
Ähhhh, genau ???: Es scheint vergebliche Liebesmühe zu sein mit ihnen über gesellschaftliche Realitäten zu reden. Ihre Theorie von " Hätten manche besser aufgepasst in der Schule, ....... " ist eine signifikante Fehlleistung ihrerseits! In der heutigen Zeit ist es für viele Unternehmer völlig ok den Lohn ihrer Mitarbeiter, trotz guter Betriebsergebnisse, immer weiter zu drücken. Leihsklaverei und Lohndumping gehören heute für viele (assoziale) Unternehmer zum guten Ton um die Gewinne zu steigern. Da kann die schulische Leistung noch so gut gewesen sein. Wirtschaft braucht offensichtlich eine robuste Regulierung! Zum Nutzen von Statistiken kann man nur soviel sagen, "Traue keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast!" Es ist ohne Problem möglich mit dem gleichen Datenpool Statistiken mit jeder gewünschten Aussage zu erstellen! Von daher haben Statistiken keinen wirklichen Wert es sei denn man braucht "konstruierte" Argumente für ein X- beliebiges Thema!
C. schrieb am 14.01.2012, 15:04 Uhr:
@Annegret: Das war ein Scherz, oder?
??? schrieb am 14.01.2012, 10:39 Uhr:
Ähhhh, genau Volkmann. Es ist wohl vergebliche Liebesmühe, mit ihnen über den Nutzen von Statistiken, geschweige denn, wie man sie erstellt, zu reden. Und ich bin froh, dass Unternehmer heutzutage alle vorhandenen Mitel nutzen, um die Produktivität zu erhöhen, bzw. zumindest zu halten. Lieber mit ein paar Mitarbeitern weniger, als sehenden Auges mit allen in die Insolvenz. Ein gutes Beispiel ist da Neckermann, der nie Mitarbeiter entlassen wollte und sich auch nicht durch kluge Ratschläge davon abhalten ließ. Seine Devise:"Großer Umsatz, kleiner Gewinn." brach dem Unternehmen schon in den 70-igern das Genick. Man kann diese Gejammer über die angeblich so kaltschnäuzigen Unternehmer wirklich nicht mehr hören. Seit froh, dass es Unternehmer gibt, die ihre Firma erhalten wollen, denn sie sind es, die Arbeitsplätze schaffen. Dass manche eben am unteren Ende der Verdienstskala stehen, ist nicht die Schuld der Unternehmer.Hätten manche in der Schule besser aufgepasst, wäre das nicht pas ...
Annegret schrieb am 14.01.2012, 10:05 Uhr:
Gestern am Freitag am 13. Januar sind wir alle zu Hause geblieben, Kinder sind nicht auf die Schule gegangen und mein Mann hat sich frei genommen. Heute morgen beim Aufwachen war ich sehr froh, das nichts passiert ist.
Die Halbierung des Glückes schrieb am 13.01.2012, 18:30 Uhr:
Bei dem beknackten Euro ist der Jackpott nur halb soviel wert.

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