Überstunden kosten NRW-Städte Millionen Der Überstunden-Alarm und die Pleite-Städte

Von Stephanie Hajdamowicz

Es geht um bis zu 60 Millionen Euro und um Millionen nicht bezahlter Überstunden. Viele der hauptamtlichen NRW-Feuerwehrleute fordern ihr Geld für Mehrarbeit aus den vergangenen Jahren. Doch die finanziell gebeutelten Kommunen tun sich schwer damit.


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Feuerwehrleute leisten viele Überstunden

Trotz richterlicher Urteile weigern sich einige Städte bisher, Entschädigungen zu zahlen. Bei dem heutigen Gespräch (26.10.2012) zwischen dem Personalrat der Düsseldorfer Feuerwehr und Vertretern der Stadt wurde vereinbart, dass weitere Gespräche im Düsseldorfer Rathaus geführt werden sollen. U.a. sollen daran dann auch der Oberbürgermeister und der Kämmerer beteiligt werden, um eine Lösung für die Feuerwehrleute zu finden. Inzwischen liegen mehrere Urteile des Bundesverwaltungsgerichts zur Entschädigung von Feuerwehrbeamten aus Hamburg und Berlin wegen Überschreiten der wöchentlichen Höchstarbeitszeit vor.

Demnach müssen Hamburg und Berlin ihre Feuerwehrbeamten für zu viel geleistete Arbeit entschädigen. Beamte, die über die zulässige Höchstarbeitszeit von 48 Wochenstunden hinaus Dienst leisten mussten, haben einen Anspruch auf Freizeitausgleich, hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden. In der Hansestadt haben die Feuerwehr-Beamten zwischen 1999 und 2005 im Schnitt jeweils zwei Stunden pro Woche zu viel gearbeitet, in Berlin waren es je sieben Überstunden pro Woche zwischen 2001 und 2006.

Überstunden waren Übergangsproblem

Diese Überstunden waren ein Übergangsproblem, weil Vorgaben vom Europäischen Gerichtshof nicht rechtzeitig in Landesrecht umgesetzt wurden. Der EuGH hatte eine Höchstarbeitszeit von 48 Stunden festgelegt. Tatsächlich hatten die Feuerwehrleute aber mehr Stunden gearbeitet. 


Eckhard Schwill, Justiziar der Komba-Gewerkschaft

Eckhard Schwill, Justiziar der Komba-Gewerkschaft

Eckhard Schwill, Justiziar der Komba-Gewerkschaft, in der die Hälfte der NRW-Feuerwehrleute organisiert sind, ist der Meinung, dass diese Urteile Präzedenzcharakter haben und damit auch für NRW gültig sind. In manchen Fällen müssten bis zu 30.000 Euro pro Person nachgezahlt werden. Die Stadt Düsseldorf hat bereits signalisiert, dass sie die Überstunden zumindest für das Jahr 2006 ausgleichen wolle. Im Gespräch am Freitag (26.10.2012) mit dem Personaldezernenten geht es darum, einen konkreten Lösungsvorschlag zu erarbeiten. Im Jahr 2006 hatten sich in Düsseldorf knapp 200.000 Überstunden von insgesamt 700 Feuerwehrleuten angesammelt, bestätigte eine Mitarbeiterin der Fachabteilung. 

Auch andere NRW-Städte suchen Lösungen

Die Stadt Duisburg zum Beispiel ist gerade dabei, für jeden einzelnen der über 520 Feuerwehrleute eine Regelung zu finden. Jahrelang war keine Einigung in Sicht gewesen. Dabei hatten sich in der Zeit von 2001 bis 2006 etwa 400.000 Überstunden angesammelt. Jetzt kündigte Feuerwehrdezernent Wolfgang Rabe an, dass die Stadt Duisburg die nicht bezahlten Überstunden nun bezahlen will. Es geht in Duisburg um Summen von bis zu 10.000 Euro pro Person. Auf den Stadthaushalt kommen Kosten in Höhe von bis zu drei Millionen Euro zu, schätzt Rabe. Zudem versprach Rabe, eine kulante Regelung zu prüfen.  Doch dazu bedarf es erst einmal der Zustimmung des Personaldezernenten. Der aber wartet noch auf eine Handlungsempfehlung des Städtetags.

Bocholt zahlt nicht, Münster unter Druck

Die Stadt Bocholt sieht keinen Grund, die offenen Überstunden zu bezahlen. Denn einen Antrag auf Entschädigung für zu viel geleistete Überstunden hatte keiner der Feuerwehrleute in der Vergangenheit gestellt. Und demnach sind sich Bürgermeister und Kämmerer einig, nachträglich nichts zu zahlen. Die Feuerwehrleute kritisieren die Haltung und appellieren an die Moral und Ehre. Feuerwehrleute würden Menschenleben retten und dabei nicht auf die Uhr schauen. Schließlich würde niemand bei der Feuerwehr seine Arbeit einstellen, auch wenn er seit Jahren Mehrarbeit ohne Entlohnung geleistet hätte. 

Auch in Münster wird gestritten, weil sich dort etwa 250.000 Überstunden angesammelt haben. Die Berufsfeuerwehrleute haben jetzt die Stadt unter Druck gesetzt und wollen noch im Herbst eine Einigung erreichen.

8.000-Euro-Angebot pro Mitarbeiter in Mönchengladbach

Anfang Oktober hatte der Mönchengladbacher Oberbürgermeister Norbert Bude den Feuerwehrleuten je 8.000 Euro für die Mehrarbeit angeboten. Das sind 2,5 Millionen Euro außerplanmäßige Ausgaben für den Stadtetat. Am Donnerstag (25.10.2012) hat der Finanzausschuss dem zugestimmt. Im Fall der Mönchengladbacher Feuerwehrleute ist es so, dass nur ein Teil der Beamten einen Antrag auf Überstunden gestellt hatte. Die Stadt will aber für alle die Überstunden nachträglich bezahlen, das bestätigt auch der dortige Personalrat.

Ein Beispiel dafür, dass man sich durchaus einigen kann. Auch die Berufsfeuerwehren in Aachen, Gelsenkirchen, Bielefeld und Köln haben Vergleiche erreicht. Bei den anderen, wo es noch keine Regelungen gibt, ist der Frust unter den Mitarbeitern groß. Viele verstehen nicht, dass sie so lange um ihr Geld kämpfen und bürokratische Hürden nehmen müssen. Zumal sie in Notsituationen niemals darüber nachgedacht haben, ob sie erst einen Überstundenzettel ausfüllen, bevor sie zum Einsatz fahren, argumentieren sie.


Stand: 26.10.2012, 10.03 Uhr


Kommentare zum Thema (14)

letzter Kommentar: 31.10.2012, 08:41 Uhr

Udo schrieb am 31.10.2012, 08:41 Uhr:
Feuerwehrleute sind technische Beamte und kennen sich genausowenig mit verwaltungstechnischem Vorgehen aus, wie ein Verwaltungsbeamter mit den feuerwehrtechnischen Gegebenheiten. Das heist das es ein Unding ist das ein Ausgleich abgelehnt weil kein entsprechender Einspruch beim Arbeitgeber erfolgt ist. Im Gegenteil, der Arbeitgeber müsste darauf hinweisen das man Einspruch einlegen muss, wenn er das nicht macht handelt sich um einen nicht hinnehmbare Unterlassung zu Lasten des Mitarbeiters. !!!!!!!! Soviele zur Sorgfallspflicht !!!!!!!!!!!!!!!
Birgit schrieb am 30.10.2012, 15:42 Uhr:
Mein Mann ist hiervon auch betroffen, trotz hohem Ansehen der Feuerwehrleute in der Bevölkerung werden diese von der Politik im Stich gelassen. Da die Feuerwehrleute ihre Ansprüche nicht gewahrt haben, auf Grund fehlender Informationen von Personalvertretung und einem Fürsorgepflichtigen Dienstherrn (bewusst oder unbewusst), werden diese jetzt mit geringen Vergleichen abgespeist. Sie sollen aber weiter für 7,50 Euro pro Std. die Opt-out Regelung beibehalten. Opt-out seit 6 Jahren ohne Anhebung , nicht Ruhegehaltsfähig sehr unmoralisch aber rechlich ok? So werden Arbeitsplätze vernichtet und gegen Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz verstoßen!
komba mg schrieb am 29.10.2012, 13:18 Uhr:
Der Kommentar von "Schaffi" vom 28.10.2012 geht absolut an der Sache vorbei. In Mönchengladbach wäre es nicht zu einem Angebot des Oberbürgermeisters gekommen, wenn die komba gewerkschaft keinen Offenen Brief geschrieben, keine Protestveranstaltung durchgeführt und durch Medienarbeit das Thema in die Öffentlichkeit gebraucht hätte. Zudem sollte man das lesen und auswerten von Urteilen Juristen überlassen. Sowohl Kollege Eckhard Schwill als auch andere angesehene Gutachter kamen zu einer gleichen Wertung. Abschließend noch dazu, das komba den Dienststellenleitern näher steht als den Beschäftigten. In MG ist es nicht so, denn der OB ist verdi-Mitglied.
Schaffi schrieb am 28.10.2012, 18:43 Uhr:
Der EuGH hat auch festgestellt das kein Antrag für die Überstunden gestellt werden musste. Dies sollten sich die Kollegen aus Bocholt mal anschauen. Die Erwähnung fehlt leider in der Berichterstattung. Auch Herrn Schwill sollte dieses Urteil bekannt sein, allerdings wird von Seiten der KOMBA dieses auch eher unter den Tisch gekehrt da man dort dem Dienstherrn inzwischen näher steht als den zahlenden Kollegen.
Steuerzahler schrieb am 27.10.2012, 05:52 Uhr:
Im öffentlichen Bereich der 24 besetzt bleiben muß hagelt es Überstunden. Ein zeitnaher Freizeitausgleich ist Utopisch. Entsprechend ist die Motivation oder die Krankenstände. Das Auszahlen von Überstunden unterbleibt aus Geldmangel. Eine Überstunde wird netto im mitteleren Dienst mit etwa 8,50 Euro (LSK I) wenn man bedenkt das diese Stunden an Wochenenden oder gesetzlichen Feiertagen aufgebaut werden ein Witz. Gerade bei wichtigen Dingen wie der Feuerwehr sollte hinreichendes Personal zu angemessener Bezahlung vorhanden sein. Ich danke den feuerwehrleuten für ihre verantwortungsvolle Arbeit.

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