Feinstaubmessungen 2011 in NRW: Dickere Luft als die EU erlaubt
Unsere Luft soll besser werden. So will es die EU. Doch davon sind wir noch weit entfernt, wie aus den vorläufigen Zahlen des Umweltbundesamts zur Feinstaubbelastung 2011 hervorgeht. Jede dritte Messstation in Nordrhein-Westfalen meldet überhöhte Werte.
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Plaketten-Politik umstritten
(02:14)
WDR aktuell
06.02.2012 -
Plaketten-Politik umstritten
An 65 Standorten in Nordrhein-Westfalen dokumentiert das Umweltbundesamt die Feinstaubkonzentration in der Luft. Mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sollten es am Tag nicht sein. Das legt eine EU-Richtlinie fest. Zumindest sollte dieser Tagesgrenzwert nicht mehr als 35 Mal überschritten werden. In Nordrhein-Westfalen geschah das 2011 aber an knapp einem Drittel der Messstationen häufiger.
Messpunkt Gelsenkirchen Spitzenreiter im Land
Am stärksten ist die Belastung an der Kurt-Schumacher-Straße in Gelsenkirchen. Dort war die Feinstaubkonzentration 2011 an insgesamt 79 Tagen höher als 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft - also an mehr als jedem fünften Tag. Selbst im deutschlandweiten Vergleich ist das der zweithöchste Wert. Häufiger wurde die Grenze mit 89 Mal nur am Neckartor in Stuttgart überschritten. Im Jahresdurchschnitt maß die Station in Gelsenkirchen 41 Mikrogramm je Kubikmeter. Damit überschreitet die Kurt-Schumacher-Straße als einziger Messstandort in Nordrhein-Westfalen auch beim Jahresmittelwert die zulässige Höchstgrenze von 40 Mikrogramm.
Kampf gegen Feinstaub braucht Geduld
![Bildrechte: WDR/ Bing, EuroGeographics, [M] Judith Pulg Feinstaubbelastung 2011](/themen/panorama/feinstaub154_v-ARDAustauschformat.jpg)
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Karte von NRW mit Messwerten 2011
Städtische Standorte mit viel Verkehr sind auch sonst besonders stark mit Feinstaub belastet. Das zeigen die roten Punkte auf der Karte insbesondere im Ruhrgebiet. Umweltzonen und ähnliche Maßnahmen wirken sich in den Messwerten bisher kaum aus. Das ist nicht verwunderlich: Denn die meisten Umweltzonen - auch die in Nordrhein-Westfalen - lassen derzeit noch sehr viele Fahrzeuge durch. Erst wenn die grüne Umweltplakette Pflicht ist, werden sich die Umweltzonen auch deutlicher auf den Feinstaub-Ausstoß auswirken. Für die Umweltzone im Ruhrgebiet ist das ab Juli 2014 geplant.
Untersuchungen in Berlin, wo es diese dritte Stufe der Umweltzone bereits gibt, bestätigen den Emissionsrückgang. Der Studie zufolge konnte der Rußausstoß dort durch die verschärfte Umweltzone etwa um die Hälfte reduziert werden. In den Feinstaubmesswerten werden solche Erfolge aber nicht immer deutlich. Das liegt auch am Einfluss des Wetters, der andere Entwicklungen bisweilen überlagert. Längere Schönwetterphasen wie zu Beginn des vergangenen Jahres oder im November 2011 begünstigen hohe Feinstaubwerte. Denn wenn der Wind fehlt, wird die Luft schlechter durchmischt.
Feinstaub senkt die Lebenserwartung

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Feinstaubmessung in Dortmund
Ein einzelnes Feinstaubteilchen ist deutlich kleiner als ein menschliches Haar dick ist. Gerade deshalb sind diese Teilchen so gefährlich. Weil sie so klein sind, gelangen sie ohne Probleme über die Lunge ins Blut. So begünstigen sie nicht nur Atemwegserkrankungen wie Asthma, sondern verursachen auch Herz-Kreislaufprobleme. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation senkt Feinstaub die Lebenserwartung eines Menschen in Deutschland durchschnittlich um etwa zehn Monate.
Relativer Luftsieger Simmerath

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Weniger Staub, weniger Messungen in der Eifel
Wirklich niedrig sind die Feinstaubwerte bisher aber kaum irgendwo in NRW, auch wenn die Karte außerhalb des Ruhrgebiets nur wenige rote Punkte zeigt. Unter den 65 Messstationen findet sich keine, die den Tagesgrenzwert überhaupt nicht überschritten hat. Zwei Überschreitungen waren das beste Ergebnis, gemessen in Simmerath in der Eifel. Der Messpunkt weist mit 13 Mikrogramm auch den geringsten Jahresmittelwert auf. Die meisten anderen liegen deutlich darüber. Allerdings ist das Messnetz außerhalb der Großstädte auch nicht besonders dicht. In vielen Regionen wird die Luftqualität überhaupt nicht gemessen.
Stand: 06.02.2012, 09.00 Uhr
- Service Umwelt: Es gibt wieder Geld für Rußfilter (30.01.2012) [WDR 5 Leonardo]
- Tabelle - Feinstaubbelastung in NRW: Messpunkt Gelsenkirchen: zweithöchster Wert in Deutschland (06.02.2012)
- Luftreinhalteplan Ruhrgebiet tritt in Kraft: Weniger Feinstaub im Revier? (31.12.2011)
- Feinstaub [planet wissen]
- Schwerpunkt: Feinstaub mindern schützt Weltklima und Gesundheit [WDR 5]
- Thema "Luft und Luftreinhaltung" auf den Seiten des Umweltbundesamtes
- Richtlinie der EU über Luftqualität und saubere Luft für Europa
- Feinstaub-Belastung in Deutschland weiterhin zu hoch [tagesschau.de]
Kommentare zum Thema (52)
letzter Kommentar: 08.02.2012, 18:58 Uhr
- NRWRolf schrieb am 08.02.2012, 18:58 Uhr:
- Da anscheinend immer noch die 999 Wenig-Wisser untereinander diskutieren anbei ein bescheidener Auszug aus Wikipedia (ist auch nicht das gelbe vom Ei -aber besser als nichts): Ursache des anthropogenen Anteils am Feinstaub in Deutschland sind laut Bundesumweltministerium Privathaushalte und Kleinverbraucher: 33.000 t/Jahr Holzheizungen Elektrizitäts- und Fernheizwerke: 19.000 t/Jahr Wirtschaft: 74.000 t/Jahr Industrie: 60.000 t/Jahr Industriefeuerungen: 6.000 t/Jahr Schüttgutumschlag: 8.000 t/Jahr Landwirtschaft: 15.000 t/Jahr Tierhaltung: 7.500 t/Jahr (ca. 4.5% der Gesamtmenge, Ergänzung) Sonstige: 7.500 t/Jahr (ca. 4.5% der Gesamtmenge, Ergänzung) Verkehr: 64.000 t/Jahr Straßenverkehr: 42.000 t/Jahr Dieselmotoren (siehe: Dieselruß): 29.000 t/Jahr Reifenabrieb: 6.000 t/Jahr (Ergänzung) Bremsenabrieb: 7.000 t/Jahr (Ergänzung) Straßenoberfläc ...
- Fachmann schrieb am 07.02.2012, 16:01 Uhr:
- Wenn man bei Windstille (Hochdruck) tagelang hohe Werte mißt, sind das doch eigentlich die gleichen Partikel und keine Steigerung !!! Also lange Hochdruck = lange hohe Werte hat aber nix mit einer Steigerung zu tun!! Das zählen von Tagen mit hohen Wertenist demnach völlig sinnlos.
- Kater Carlo schrieb am 07.02.2012, 15:13 Uhr:
- @Grüne Plakette, ich darf aber....schon mal was von H-Kennzeichen gehört? Solche KFZ brauchen keine grüne Plakette. Sie sind ein klassisches Beispiel.
- Grüne Plakette schrieb am 07.02.2012, 15:00 Uhr:
- Mein lieber Kater Carlo, wer hier, um bei ihrem Vokabular zu bleiben, ein Vollpfosten ist bleibt die Frage. Als Vollpfosten würde ich Leute bezeichen die glauben die Weisheit mit einem Löffel gefressen zu haben und sich anmaßen Dinge zu beurteilen die sie selbst intellektuell offensichtlich nicht einmal erfassen können. Vollpfosten sind Leute die demonstrativ zeigen müssen das sie sich nichts sagen lassen und sich an nichts halten. Ich kann mir nur wünschen, dass genau sie reichlich Bußgelder einfahren bei ihrem "durch die Umweltzonen ballern". Für Menschen wie sie kann das Leben nicht teuer genug werden.
- Franz Diesel schrieb am 07.02.2012, 14:47 Uhr:
- Wir brauchen noch bessere Partikelfilter, damit die Teilchen noch feiner werden und dann noch besser in unsere Lunge eindringen können. Ein Hoch auf diese EU!
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