Radschnellweg und E-Bikes Fahrräder sollen auf die Überholspur

Radfahren und E-Bikes liegen klar im Trend. Um die umweltfreundliche Fortbewegung weiter zu fördern, soll noch in diesem Jahr ein Planungswettbewerb für Radschnellwege eröffnet werden - Straßen nur für Fahrradfahrer. Im Ruhrgebiet ist man bereits einen Schritt weiter.


Ein Fahrradfahrer auf einer für Radfahrer gekennzeichneten Strasse
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Berufspendler sollen vom Auto auf das Rad umsteigen

15 Prozent der Deutschen steigen täglich aufs Rad. Sie erledigen so beispielsweise ihre Einkäufe oder fahren zur Arbeit. Radfahren liegt im Trend und die Branche freut sich über steigende Verkaufszahlen. Alleine der E-Bike-Absatz hat sich hierzulande in den vergangenen fünf Jahren nahezu verachtfacht. Rund 400.000 E-Bikes werden in diesem Jahr in Deutschland verkauft, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) anlässlich der Eurobike (29.08.12 – 01.09.12) in Friedrichshafen am Bodensee. Auf der weltgrößten Fahrradmesse zeigen die Hersteller vom Cityflitzer über Lastenräder bis zum E-Bike technische Neuerungen und Trends fürs kommende Jahr.

Fahrrad als Alternative zum Auto

"Gerade auf mittleren Streckenlängen zwischen fünf und zehn Kilometern ist das Fahrrad eine echte Alternative zum Auto geworden. Mit einem E-Bike lässt sich die Strecke sogar noch verdoppeln", sagt der stellvertretende Vorsitzende des ADFC in NRW, Thomas Rommelspacher. Vorausgesetzt die Infrastruktur und die Wege stimmen. Was mit einem richtigen Verkehrskonzept, ausgebauten Radschnellwegen, Verleih- und entsprechenden Servicestationen möglich sei, würden die Niederländer seit Jahren vormachen, so Rommelspacher. Dort liegt der Fahrradanteil in den Städten bei bis zu 30 Prozent. Zahlen, von denen man hierzulande nur träumen kann. Zum Vergleich: 2008 wurden in NRW gerade mal 12,5 Prozent aller Verkehrswege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das soll aber nicht so bleiben.

Abenteuer Stadtverkehr

Spitzenreiter im Land ist Münster. "Das ist die heimliche Fahrradhauptstadt. In Aachen ist es auch noch ganz gut. Ansonsten sieht es eher mau aus", kritisiert Rommelspacher. Das Radfahren in Köln oder im Ruhrgebiet sei für Alltags-Radler dagegen richtig schlecht. Schlaglöcher, parkende Autos, Baustellen, schlechte Ampelschaltungen - viel zu oft werden Radfahrer auf dem Weg durch die Städte einfach ausgebremst.

Mit Tempo über den "Fietssnellweg"


Radfahrer in Kopenhagen
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Kopenhagen: Auf breiten Wegen durch die Stadt

Manch einer schaut da neidvoll über die Grenze zu den niederländischen Nachbarn, wo Pendler aus den Vororten auf breiten zweispurigen Asphaltstreifen bei grüner Welle zur Arbeit in die Stadt rollen. In den Niederlanden wurden bereits in den 1980er Jahren "Fietssnellwege" erprobt und mittlerweile vielerorts umgesetzt. Auch in London und Kopenhagen sind die Radschnellwege im Kommen und gelten als wegweisend für eine mobile Stadt.

Extra breite Fahrradwege auch für NRW

Nach diesem Vorbild will die NRW-Landesregierung in Zukunft mehr Berufspendler zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen. Im Rahmen des im Februar verabschiedeten "Aktionsplan Nahverkehr" soll mit Köln, Düsseldorf, Arnsberg, Detmold und Münster jeder der fünf Regierungsbezirke einen dieser extra breiten Fahrradwege erhalten. Bei einem Treffen in Düsseldorf verständigten sich am Dienstag (28.08.2012) Vertreter des Verkehrsministeriums, der Bezirksregierungen, der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte und der kommunalen Spitzenverbände auf die Festlegung von Standards für Radschnellwege. Unter anderem sollen Radschnellwege in der Regel Vorrang vor kreuzenden Verkehren haben. Noch in diesem Jahr soll ein Planungswettbewerb für Radschnellwege eröffnet werden. Im Ruhrgebiet ist man bereits einen Schritt weiter.

Radautobahn durchs Ruhrgebiet


Radschnellweg Ruhr
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Radschnellweg Ruhr

Der Radschnellweg Ruhr soll von Duisburg über Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund und Unna bis nach Hamm führen. Geplant ist ein fünf Meter breiter, gerader, asphaltierter, kreuzungsfreier Radweg mit zwei Fahrtrichtungen, die abends beleuchtet sind. Die geplante Achse soll entlang der A40 führen. Laut einer RVR-Konzeptstudie entspricht diese einem der stärksten Pendlerströme in der Region. "In dem zwei Kilometer breiten Korridor links und rechts der Trasse leben zwei Millionen Einwohner, es gibt 400.000 Arbeitsplätze und 100.000 Studierende", verdeutlicht Martin Tönnes, Bereichsleiter Planung beim Regionalverband Ruhr. Das Potenzial sei riesig. Ein fünf Kilometer langer Teilabschnitt zwischen Essen und Mülheim wurde bereits erschlossen. Allerdings läuft er nicht offiziell unter dem Titel Radschnellweg Ruhr. Bis 2015 plant der RVR das erste Teilstück bis Duisburg fertigzustellen. Dann soll der Radschnellweg weiter in Richtung Dortmund, Bochum und Unna geführt werden. Das Projekt wird vorraussichtlich ca. 100 Millionen Euro kosten.

Dortmund wartet Machbarkeitsstudie ab

Je nach Streckenführung dürfte der Radschnellweg Ruhr insgesamt zwischen 85 und 100 Kilometer lang werden. Weitestgehend realisiert werden soll die Strecke auf stillgelegten Güterbahntrassen der “Rheinischen Bahn”. Doch das ist nicht immer möglich. In Dortmund und Bochum fehlt es an solchen stillgelegten Bahnlinien. Dort muss die Strecke durch die Stadt und Wohngebiete geführt werden. Auf die Stadt kommen nach bisherigen Schätzungen 37 Millionen Euro Kosten zu. Selbst wenn die Stadt alle Fördertöpfe von Land und Bund ausschöpfe, bliebe noch ein riesiger Batzen, sagte ein Sprecher der Stadt Dortmund. Das sei nicht vermittelbar. In Dortmund will man deshalb die Ergebnisse der vom Bundesverkehrsministerium bewilligten Machbarkeitsstudie abwarten. Sie soll die abschließenden Fragen zur Finanzierung und dem endgültigen Streckenverlauf klären und bis Ende 2013 vorliegen.


Stand: 29.08.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (36)

letzter Kommentar: 02.09.2012, 23:31 Uhr

der Eulenspiegel schrieb am 02.09.2012, 23:31 Uhr:
"Mondtarif " Sie haben doch schon eine mögliche Alternative selber genannt. Eine zweite wäre beispielsweise durch einen Umzug die Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsstätte deutlich zu verringern. Das würde langfristig gesehen viel Zeit und Geld sparen. Vielleicht gibt es aber auch noch ganz andere Möglichkeiten.
Mondtarif schrieb am 02.09.2012, 18:44 Uhr:
@ der Eulenspiegel: Bitte genau lesen (42km gerade Strecke AB, Umfahrung auf Radwegen entsprechend länger...) - und wenn die Spritpreise weiter steigen kündigen wir alle unseren Job oder fahren (egal wie weit) auf den neu bescherten Radwegen zur Arbeit... Es ist ein Unding, dass im 21. ach so zivilisierten und fortschrittlichen Jahrhundert ein Auto als Luxus gilt weil Kraftstoffpreise explodieren und Steuern und Gebühren ansteigen; da wäre eine Kooperation mit den öffentlichen Verkehrsbetreibern zur Vernetzung ganzer Gebiete langfristig für ALLE Nutzer sinnvoller als so Spaß-Radwege zu subventionieren - auch wenn es dem Einen und der Anderen sicher viel Wert ist.
der Eulenspiegel schrieb am 01.09.2012, 17:54 Uhr:
Mondtarif " Sie gehen anscheinend davon aus das ihre 42 km Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsstätte Gott gewollt und von ihm festgeschrieben ist. Bei drastisch steigenden Benzinpreisen werden sie sich langfristig sowieso etwas anderes einfallen lassen müssen.
Mondtarif schrieb am 31.08.2012, 09:41 Uhr:
> Aha - Also ICH möchte gerne schnell zur Arbeit und auch schnell wieder nachhause. Wenn das alles nur ein Rechenspiel aus Strecke, Kondition und Geschwindigkeit ist; also bei ständigem `Stillleben` ohne weitere Nutzer schaffe ich durchtrainiert die 42km locker... Als gemeiner Radfahrer umfahre ich natürlich alle Autobahnen und werde noch durchtrainierter weil ich dann trotz Training mind. 2 Std. mit dem Rad unterwegs bin. Ist natürlich machbar. Ich habe ja sonst alles, da kann ich meine 6 Tage Woche getrost auf`s Radfahren und Arbeiten beschränken um die Idee des Radwegnetzes zu huldigen. Und die 12 Hände / 6 Fahrräder sind nicht schlecht ;-P Nur unrealistisch :-)
@Mondtarif schrieb am 30.08.2012, 17:54 Uhr:
> Aha, dann können wir ja die als Radschnellwege benutzen. Übrigens, wer mit dem Rad zur Arbeit will, möchte da SCHNELL hin. Ist schon ein Zeitunterschied, wieviel Durchschnittsgeschwindigkeit ich schaffe, ob 10, 15, 20 oder 25 km/h. Autofahrer haben grüne Wellen. Das wollen Fahrradfahrer (und Fußgänger) auch. @Bürger 6-köpfige Familie heißt 12 Hände die Schleppen können! Oder 6 Räder mit Gepäck.

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