Rheinfähre als Alternative der A57: Rheinblick statt Bremsleuchten
Nach der Sperrung der A57 suchen viele Autofahrer nach Alternativen, um die großen Staus auf den Ausweichrouten zu umgehen. Auch ein aus der Mode gekommenes Transportmittel kommt dabei zu neuen Ehren: Die Rheinfähren erleben einen ungewohnten Auftrieb.
-
-
Bild 1 vergrößern
+
Ein ungewohntes Fahrgefühl (Fotostrecke 1)
Leicht schaukelnd steuert die "Niederrhein" auf das Ufer in Zons zu. Dort hat sich um kurz nach halb acht Uhr am Freitagmorgen (17.02.2012) eine kleine Autoschlange gebildet. Die Fahrer starten ihre Motoren, als sie sehen, dass das Fährschiff am Anleger ist; das Licht der Scheinwerfer leuchtet auf. Langsam rollen sie über das Kopfsteinpflaster auf die Rampe der Fähre. Ihr Ziel: das rechtsrheinische Ufer in Düsseldorf-Urdenbach. Dabei ist Konzentration gefragt - viele, die in dieser Woche hier übersetzen, haben wenig Erfahrung damit, die steile Rampe zu befahren, ohne dass der Wagen aufsetzt.
Alternative zum Stau

-
Bild 3 vergrößern
+
Petra Braun genießt den Rheinblick
Auch für Petra Braun ist das Schiff eine neue entdeckte Alternative auf dem Weg zur Arbeit geworden. "Die Fahrt auf der Bundesstraße war eine Quälerei, nur Staus." Deshalb kam sie auf den Gedanken einmal die Fähre auszuprobieren, die ihr eigentlich immer zu langsam war. Nach drei Tagen weiß die Dormagenerin die Vorteile bereits zu schätzen. "Die Fahrt ist viel entspannter hier, und dann noch der Blick auf den Rhein, super!" Petra Braun wird in den kommenden Wochen öfter die Fähre nehmen. So lange, wie die Autobahn 57 gesperrt ist. Und vielleicht auch danach.
Werbung für die Fähre

-
Bild 4 vergrößern
+
Viel Arbeit für Uwe Nammert
Bordkassierer Uwe Nammert muss seit der Sperrung der A57 am Dienstag (14.02.2012) deutlich mehr arbeiten. "Eigentlich ist der Februar ein ganz ruhiger Monat." Nun ist das Schiff vor allem während des Berufsverkehrs am Morgen und Abend oft bis auf den letzten Platz besetzt. "Meinen Chef wird’s freuen", grinst Nammert. Auch wenn er es ein bisschen makaber findet, ist die Sperrung der Autobahn auch eine unerwartete Werbung für das Schiff. "Einige, die jetzt hierherkommen, sind noch nie mit einer Fähre gefahren." Nammert hofft, dass sich einige Autofahrer auch noch daran erinnern werden, wenn die Autobahn in ein paar Wochen wieder frei ist. Normalerweise wird die Fähre vor allem in den Sommermonaten von Ausflüglern bevölkert.
Ungewohnter Rummel

-
Bild 5 vergrößern
+
Sabrina Meyer muss jetzt früher aufstehen
Es gibt aber auch die regelmäßigen Nutzer der Fähre. Für sie hat der plötzliche Rummel durchaus Nachteile. Sabrina Meyer gehört zu ihnen. Sie muss jeden Morgen zur Arbeit nach Düsseldorf-Benrath. Da liegt die Fähre auf dem Weg. Nun aber muss die Frau aus Dormagen früher aufstehen, damit sie rechtzeitig an der Arbeitsstelle ist. "Das ist für mich schon ein Nachteil jetzt." Vor allem nach den Karnevalstagen rechnet Meyer wieder mit langen Staus auf den Straßen zum Fährschiff.

-
Bild 6 vergrößern
+
Für einen Euro über den Rhein
Noch aber ist die Zahl der verkauften Wochenkarte nicht gestiegen. Die einfache Fahrt für ein Auto mit Fahrer liegt auf der "Niederrhein" bei 2,70 Euro. Ein paar Kilometer rheinaufwärts in Leverkusen sind es 30 Cent mehr. Zu tun haben die Fährleute aber auch dort.
Stand: 17.02.2012, 12.36 Uhr
Seite teilen
Über Social Bookmarks