Hausexplosion in Köln Ermittler gehen von Familiendrama aus

Bei einer Explosion in einem Wohnhaus in Köln ist am Montagabend (27.08.2012) ein 17-Jähriger aus seiner Wohnung im vierten Stock geschleudert worden und gestorben. Die Polizei verhaftete den Vater seiner Freundin, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes.


Hinterhof in Köln-Zollstock. An einem Fenster sind Spuren einer Explosion zu sehen.

Der 52-jährige Tatverdächtige drang laut Aussagen der Kölner Staatsanwaltschaft am Montagabend (27.08.2012) gewaltsam in die Dachgeschosswohnung des 17-Jährigen im Kölner Stadtteil Zollstock ein. Der 17-Jährige soll ein Verhältnis mit der 14-jährigen Tochter des mutmaßlichen Täters gehabt haben. Nachdem er in die Wohnung eingedrungen war, soll der 52-Jährige Benzin verschüttet und angezündet haben. Dadurch kam es zu einer Verpuffung in der Wohnung, in deren Folge der Jugendliche aus dem Fenster im vierten Stock geschleudert wurde. Er fiel etwa zehn Meter tief in einen Hinterhof und starb dort.

Der Tatverdächtige wurde vor Ort mit schweren, aber nicht lebensbedrohlichen Brandverletzungen verhaftet. Laut Polizeiangaben soll er nach der Tat "mehr oder weniger geständig" gewesen sein. Als Begründung für die Tat soll er angegeben haben, er sei gegen die Beziehung zwischen seiner Tochter und dem 17-Jährigen gewesen. Der Mann kam in eine Kölner Klinik und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Die Staatsanwaltschaft Köln stellte einen Haftbefehlsantrag wegen Mordes.

Opfer setzte kurz vor Explosion Notruf ab


Ein Kameramann filmt die Trümmer eines durch eine Explosion zerstörten Fensters
Bild 5 vergrößern +

Offenbar wurde das spätere Opfer vor der Tat massiv von dem Vater der Freundin bedroht. Etwa eine Stunde vor der Tat rief der 17-Jährige bei der Kölner Polizei an und fragte in "ruhigem Tonfall", wie er sich verhalten sollte, falls jemand seine Tür eintrete und ihn zusammenschlagen wolle. Dabei blieb er nach Polizeiangaben vage und äußerte keine konkrete Bedrohung. Die Beamten in der Leitstelle waren aufgrund des Verhaltens und der Aussagen des Anrufers alamiert und empfahlen ihm, in einem konkreten Bedrohungsfall sofort die 110 zu wählen. "Solche unkonkreten Anfragen, in denen Bürger bei uns mögliche Verhaltens- und Vorgehensweisen erfragen, bekommen wir immer wieder", sagte am Mittwoch (29.08.2012) ein Polizeisprecher zu WDR.de.

Kurz vor der Explosion rief der 17-Jährige dann den Notruf an und sagte, jemand versuche, gewaltsam in seine Wohnung einzudringen. Zwei Minuten später kam es zu der Explosion. Die Beamten waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor Ort. Nach Angaben von Zeugen soll der Jugendliche kurz zuvor noch auf dem Fenstersims gestanden und nach Hilfe gerufen haben. Der mutmaßliche Täter war bei der Polizei bekannt. Er soll zweimal gewalttätig gegen seine Tochter geworden sein. Auch soll er dem Freund der Tochter mehrmals gedroht haben.

Wohnung brannte vollständig aus

Durch die Explosion wurden zwei Nachbarn leicht verletzt. Einer von ihnen war nach Angaben der Kölner Feuerwehr aus dem ersten Stock gesprungen. Die Wohnung brannte durch die Explosion vollständig aus, eine Fensterfront wurde durch den Druck der Verpuffung in den Hinterhof geschleudert. Der Schaden war nach Angaben der Feuerwehr aber nicht so groß, dass das Haus abgestützt werden musste. Die zehn Wohnungen im Dachgeschoss des Miets- und Geschäftshauses sind laut Feuerwehr wegen des Brandgeruchs vorerst nicht bewohnbar.

Eine Hose mit Brandspuren hängt aus dem Fenster einer Wohnung in Köln-Zollstock Video 17-Jähriger stirbt bei Hausexplosion (01:44 Min.) WDR aktuell vom 28.08.2012

17-Jähriger stirbt bei Hausexplosion


Stand: 29.08.2012, 10.37 Uhr


Kommentare zum Thema (24)

letzter Kommentar: 29.08.2012, 17:16 Uhr

Nina schrieb am 29.08.2012, 17:16 Uhr:
@Moeschtijall, das sollten Sie bitte mal genauer erklären. Was meinen Sie in diesem konkreten Fall damit, "wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen"?
Moeschtijall schrieb am 29.08.2012, 15:36 Uhr:
Mein aufrichtiges Beileid an die Eltern des getöteten Jungen! Aber es stellt sich mir auch die Frage, ob diese Ihrem Kind beigebracht haben, daß wer sich in Gefahr begibt, gegebenenfalls darin umkommen kann?!?!
WDR.de schrieb am 29.08.2012, 15:16 Uhr:
@ah hoc: Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema des Artikels bei. Es geht hier nicht um die Kölner Behörden und es gibt keine Hinweise auf mangelende Arbeitsleistungen der Behörden.
WDR.de schrieb am 29.08.2012, 13:47 Uhr:
@ besorgter kölner Bürger: Vielen Dank für den Hinweis. Da geben wir Ihnen Recht. Der Kommentar wurde entfernt.
Miriam schrieb am 29.08.2012, 09:23 Uhr:
Es musste mal wieder erst jemand umkommen, bevor gehandelt wird. Traurig! Einfach nur Traurig!

Alle Kommentare anzeigen