Erste Autobahn vor 80 Jahren : Revolution aus dem Rheinland
Autobahnen haben das Bild Deutschlands in der Welt geprägt. Ihren Anfang hatten sie vor 80 Jahren im Rheinland. Am 6. August 1932 wurde die erste "Nur-Auto-Straße" zwischen Köln und Bonn eröffnet. Was ist von der ersten Autobahn geblieben?
- 80 Jahre Autobahn 555 [WDR 5]
- Audio: Die Autobahn als Kulturlandschaft [WDR 2] Bernhard Strumpfhaus/Gudrun Höpker, WDR 2 Westzeit
"So werden die Straßen der Zukunft aussehen", soll Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer am 6. August 1932 zur Eröffnung im Süden von Köln gesagt haben. Die "Nur-Auto-Straße" wurde tatsächlich ein Erfolgsmodell. Allerdings unter einem anderen Namen: Autobahn. Sie wird bis heute auf der ganzen Welt mit Deutschland in Verbindung gebracht. Mit ihrem Prototypen haben die Autobahnen heute aber nur noch wenig gemein. Warum der Start in die automobile Welt ausgerechnet im Rheinland begann, hat besondere Gründe.
Gegen den Verkehrskollaps

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Die erste Anschlusstelle in Wesseling
Das Rheinland gehörte Ende der 1920er Jahre zu den verkehrsreichsten Regionen Deutschlands. Über die schlecht ausgebauten Landstraßen mit engen Ortsdurchfahrten zwischen Köln und Bonn quälten sich immer mehr Kraftwagen. Die rheinische Provinzialverwaltung suchte nach einem Ausweg. Den hatten andere bereits gefunden, aber in Deutschland noch nicht in die Tat umgesetzt. Eine private Gesellschaft entwickelte bereits 1925 die Idee der Autobahn in Deutschland. Die HAFRABA plante, eine Autobahn von Hamburg über Frankfurt nach Basel zu bauen. Dabei orientierten sich die Planer an dem Vorbild der weltweit ersten Autobahn, die in Italien gebaut worden war.
Das Wesen der Autobahn
Das, was wir heute im Wesentlichen mit einer Autobahn verbinden, ersannen Ende der 1920er Jahre die Ingenieure der HAFRABA. Eine Schnellstraße ohne höhengleiche Kreuzungen mit mehreren Fahrsteifen für jede Fahrtrichtung und speziellen Auf- und Ausfahrten. Merkmale, die auch die Kraftwagenstraße zwischen Köln und Bonn besaß. Dennoch würde die erste Autobahn heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen. Es gab zum Beispiel keinen Mittelstreifen. Das führte immer wieder zu schlimmen Unfällen mit dem Gegenverkehr. Auch einen Standstreifen gab es nicht.
Ideenklau der Nazis

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Autobahnbau in den 30er Jahren
Die Idee der Autobahn war von den Nationalsozialisten zunächst heftig kritisiert worden, weil damit die elitäre Gesellschaft der Autobesitzer gefördert werde. Nach der Machtergreifung änderte sich deren Einstellung aber grundlegend. Die Nazis entdeckten die Autobahn für ihre Propaganda. Kurzerhand wurden die bestehenden Pläne der HAFRABA übernommen und daraus die Straßen des Führers gemacht. Um die große Zahl von Arbeitslosen zu senken, entstanden innerhalb weniger Jahre überall in Deutschland neue Autobahnen. Das Prinzip der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme hatten die Nazis ebenfalls abgeguckt. Schon die erste deutsche Autobahn war so entstanden. Mehr als 5.000 Arbeitslose waren im Rheinland zu sogenannten "Notstandarbeitern" gemacht worden.
Beton statt Asphalt
Um den Ausbau forcieren zu können, wurde die Bautechnik in den 1930er Jahren verändert. Statt teuren Bitumens oder Asphalts wurde Beton zum Baustoff der Wahl, weil er nicht importiert werden musste. Das muss auch Kurt Burger vom Deutschen Straßenbaumuseum den Besuchern immer wieder erklären. "Typisch für den Bau waren damals die großen Zelte, die über den frischen Beton gespannt wurden, damit dieser abbinden konnte." Die Nazis prägten aber nicht nur das Aussehen der Autobahnen, sondern auch die Mär, sie seien die Erfinder der Autobahn gewesen. Die erste von Köln nach Bonn wurde von ihnen aber nie als Autobahn anerkannt und auch noch einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg als Landstraße geführt.
Späte Ehre

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Ausbau auf sechs Fahrstreifen
Erst 1959 wurde die erste deutsche Autobahn als A555 offiziell in das deutsche Autobahnnetz eingegliedert. Über viele Jahre ließ sich an ihr die technische Entwicklung der Schnellstraßen verfolgen. Zuerst bekam sie einen Standstreifen, der seit den 1950er Jahren zum Standard auf deutschen Autobahnen gehört, dann kam ein dritter Fahrstreifen in jeder Fahrtrichtung dazu, um den stark anwachsenden Verkehr in den 60er Jahren verkraften zu können.
"Diplomatenrennstrecke" und "Versuchskaninchen"

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Die A555 heute
Weil es auf der A555 viele Jahre kein Tempolimit gab, wurde sie im Volksmund gerne "Diplomatenrennstrecke" genannt. Die zunehmende Zahl schwerer Unfälle führte schließlich dazu, dass ein Tempolimit eingeführt wurde, so wie auf vielen Autobahnabschnitten in Deutschland. Wegen der Nähe zur Bundeshauptstadt Bonn wurde die A555 immer wieder zu einer Art "Autobahn-Versuchskaninchen". Etwa als in einem Abschnitt eine Beleuchtung installiert wurde, oder für die ersten Fahrbahnbrücken für die Lkw-Mauterfassung.
Nach dem Wechsel der Bundesregierung nach Berlin ist es um die A555 stiller geworden. Auch als Teststrecke für neue Verkehrstechnik hat die erste deutsche Autobahn seitdem ausgedient. Heute ist sie nur noch eine gut ausgebaute Verbindung zwischen Köln und Bonn ohne überregionale Bedeutung. Die Entwicklung der Autobahnen geht inzwischen an anderer Stelle weiter. Etwa beim Erproben von Schallschutz für die Anwohner. "Ein wichtiges aktuelles Thema sind die Lärm absorbierenden Straßenbeläge", erklärt Petra Peter-Antonin, Sprecherin der Bundesanstalt für Straßenwesen. Sie könnten Autobahnen leiser und damit verträglicher machen. Vielleicht wird dieser Flüsterasphalt auch irgendwann auf der A555 verlegt sein. Dann bliebe die erste deutschen Autobahn immerhin verkehrstechnisch am Puls der Zeit.
Stand: 06.08.2012, 06.00 Uhr
- Audio: Konrad Adenauer eröffnete vor 80 Jahren die heutige A 555 [WDR 5] (04:06 min.) Wolfgang Zimmer
- 80 Jahre Autobahn: "Nur-Auto-Straße" (06.08.2012) [WDR 2]
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Wer hat's erfunden?
Deutschlands erste Autobahn [1LIVE Fernseher] - Autobahn [Planet Wissen]
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Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
Homepage -
Deutsches Straßenbaumuseum
Homepage
Kommentare zum Thema (16)
letzter Kommentar: 07.08.2012, 17:48 Uhr
- ub schrieb am 07.08.2012, 17:48 Uhr:
- @ohno...erstens hab ich grad überlegt..wo überhaupt noch autos auf dem gehweg parken..und wenn ja..dann seh ich die als fußgänger...im gegensatz zu dem radfahrer der hinter mir mit der klingel..freie fahrt haben will...und ohne auch nur abzubremsen an mir vorbeirast..den spass kann man natürlich auch auf waldwegen erleben...oder am seeufer...der radfahrer will alles aber nicht den hauch dafür bezahlen...vernünftige radwege..freie fahrt..usw..
- ohno@gmx.net schrieb am 07.08.2012, 12:39 Uhr:
- @Ros, 06.08.2012, 17:54 Uhr: Das Fahrradfahren gefährlich (warum eigentlich nur "für Erwachsene"?) ist, ist ja wohl hahnebüchner Unsinn. Gefährlich ist höchstens Autofahren - und zwar auch für andere! @ub: Sie haben REcht, Radfahren auf Fußwegen ist sehr unschön. Regen Sie sich aber auch über all die Autofahrer auf, die auf Fußwegen rumfahren? Die finde ich nämlich erheblich störender. (Da die meisten Leute auf diese Frage immer antworten, dass Autos ja gar nicht auf Fußwegen fahren: Haben Sie sich sich schon mal gefragt, wie all die falsch parkenden Autos auf unsere Fußwege kommen? Per Kran?)
- Autobahnler schrieb am 06.08.2012, 18:30 Uhr:
- Es lebe die Autobahn!
- WDR.de schrieb am 06.08.2012, 18:27 Uhr:
- Kommentar gesperrt. Externe Links sind hier nicht erlaubt.
- Robert Franz schrieb am 06.08.2012, 18:06 Uhr:
- @AVUS: Die AVUS wird meinen Recherchen zufolge heute nicht mehr zur ersten Nur-Auto-Straße gezählt, weil sie nur als Versuchsstrecke konzipiert war.
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