Streit über Denkmalschutz: Autobahnbrücke wird Denkmal auf Rastplatz
Weil eine marode Autobahnbrücke unter Denkmalschutz steht, durfte sie nicht abgerissen werden. Für 310.000 Euro wurde das Bauwerk versetzt. Der Bund der Steuerzahler regt sich über eine absurde "So-da-Brücke" auf.

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Am vergangenen Wochenende wurde die alte Brücke abtransportiert
Da die 74 Jahre alte Spannbeton-Brücke über der A2 bei Beckum nicht mehr ausreichend belastbar ist, muss sie ersetzt werden. Ein Abriss kam laut Straßen.NRW aber nicht in Frage, "weil sie unter Denkmalschutz steht", sagte der Sprecher des Landesstraßenbetriebs, Bernd Löchter, am Donnerstag (04.10.2012). "Es ist schließlich die älteste Spannbeton-Brücke der Welt." Die Brücke wurde darum Ende September sorgsam ab- und auf einem eineinhalb Kilometer entfernten Rastplatz wieder aufgebaut. Die Maßnahme kostete den Angaben nach insgesamt 310.000 Euro.
"Völlig abwegig" sei dieses Vorgehen, sagte Bärbel Hildebrand vom Bund der Steuerzahler zu WDR.de. "Denkmalschutz in allen Ehren, aber eine Brücke mal einfach so auf einem Rastplatz abzuladen, ist nicht nachvollziehbar", fügte Hildebrand hinzu. Der teure Vorgang führe zu einer weiteren "So-da-Brücke", einer Brücke also, die keinen Zweck mehr erfüllt und einfach so in der Landschaft herumstehe. Der Steuerzahlerbund habe sie "nicht gezählt", es gebe aber etliche solche Brücken in NRW, sagte Hildebrand.
"Gewisser Freizeitwert"

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Ein Monument der Betonbauweise
Die Brücke steht jetzt auf der Raststätte "Vellern" auf Pfeilern. Sie soll Treppen bekommen, so dass Rastplatz-Besucher ab dem kommenden Jahr hinübergehen können. Eine Denkmal-Plakette soll das Monument auch bekommen. Sitzbänke für rastende Besucher sind ebenfalls geplant. Straßen.NRW-Sprecher Löchter sieht somit "einen gewissen Freizeitwert". Für den Bund der Steuerzahler ist das Freizeitargument hingegen abwegig. "Da sind doch nur Leute, die auf dem Weg in den Urlaub ihre Stulle essen", sagte Hildebrand.
Die Denkmalschutzbehörde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) verteidigte den "Umzug" der Brücke. "Wir haben es hier mit einer absoluten technischen Rarität zu tun", sagte Markus Harzenetter, Leiter des LWL-Amtes für Denkmalpflege und Hüter von rund 35.000 geschützten Bauten in Westfalen. Seit den 80er Jahren schon habe man die besondere Bedeutung der Brücke erkannt. Trotz guter Pflege sei das Bauwerk nunmehr "technisch am Ende". Darum habe man als "Notlösung" nach einem neuen Standort suchen müssen, sagte Harzenetter. Nach Angaben des Landesbauministeriums hätte auch ein Abriss der Brücke knapp 100.000 Euro gekostet.
Dass Denkmalschutz nicht immer den Fortbestand einer Brücke sichert, zeigt ein Beispiel aus Düsseldorf. Nach jahrelangem Streit entschied der damalige Bauminister Harry Voigtsberger (SPD) im Juni 2012, dass die sogenannte Tausendfüßler-Brücke, eine Hochstraße in der Düsseldorfer Innenstadt, abgerissen werden darf. Die CDU-regierte Kommune hatte den Abriss beantragt, weil die Hochstraße einem Stadtentwicklungsprojekt mit teuren Geschäften im Weg stand.
Stand: 04.10.2012, 15.45 Uhr
Kommentare zum Thema (14)
letzter Kommentar: 08.10.2012, 13:05 Uhr
- entsetzter Bürger schrieb am 08.10.2012, 13:05 Uhr:
- Das ist Schwachsinn hoch 10! Was hat ein solch hässliches Bauwerk mit einem Denkmal zu tun? Denkmal da haben die Denkmalschützer zu tief ins Glas geschaut oder schlimmeres als diese Brücke zum Denkmal erklärt wurde. Der oder Die Verantwortlichen für diesen Unsinn sollten sich schämen und ein Verfahren wegen Missbrauch des Denkmalschutzes sowie Steuerverschwendung an den Hals bekommen. Vieleicht sollten auch die Qualifikationen für die Ausbildung und Einstellung von Denkmalschützern deutlich angehoben werden. Unglaublich das wir für solchen Unfug Steuern bezahlen.
- Oelder schrieb am 05.10.2012, 18:21 Uhr:
- Was für ein Schwachsinn! Denkmal hin oder her! Absolute Geldverschwendung! Wer, außer vielleicht hgs, soll sich die Brücke denn Anschauen? Dauert doch eh nur noch ein paar Tage bis irgendwelche Pseudokünstler das Ding nachts "verschönert" haben! Und dann? Muss dieses Denkmal dann wieder mit Steuergeldern gereinigt werden? In Münster werden wegen den Nazis Straßennamen geändert und hier huldigt man deren tolle Baukunst! Verkehrte Welt!
- Der Graf schrieb am 05.10.2012, 11:34 Uhr:
- Absurdistan lässt grüßen! Unter Denkmal stelle ich mir eigentlich etwas Schönes vor und nicht ein so hässliches Stück Beton. Mit dem geld hätte man auch etwas Sinnvolles anstellen können...
- zweierlei maß schrieb am 05.10.2012, 09:01 Uhr:
- an der bochumer uni soll für einen neubau ein wald abgeholzt werden, weil ein parkplatz unter denkmalschutz steht. wohlgemerkt, kein parkhaus, mal ganz davon abgesehen, dass sich dem laien das besondere nicht erschließt. auf der anderen seite gibt es in bochum das kortumhaus, das unter denkmalschutz stand mitsamt seiner schönen holztreppe im inneren, die von den bochumer bürgern als stück heimat empfunden wurde - in dem haus ist jetzt saturn und die treppe ist weg
- Leopard schrieb am 05.10.2012, 08:38 Uhr:
- Merkwürdig, dass keiner der Kommentatoren hinterfragt, was die "Denkmalschützer" alles auf ihre Liste setzen. Neuerdings werden sogar Schulgebäude aus der Nachkrigeszeit und den 60'ger-Jahren auf die Liste gesetzt. Damit wird sich der Unterhalt und die Instandsetzung der Gebäude verdoppeln. Es ist an der Zeit, den Denkmalschützern deutlich auf die Finger zu sehen, ansonsten kann der Bund der Steuerzahler zukünftig noch viele solcher Besonderheiten präsentieren.
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