Ausschreitungen bei Neonazi-Aufmarsch "Gewaltexzesse gegen Polizeibeamte"

Bei den Aktionen gegen einen Aufmarsch von Neonazis in Dortmund hat es am Samstag (03.09.2011) schwere Ausschreitungen gegeben. Rund 1.500 gewaltbereite Randalierer aus der linken Szene hatten sich nach Angaben der Polizei am Hauptbahnhof versammelt und die Ordnungskräfte mit massiver Gewalt angegriffen.


Demonstrationen in Dortmund

Die Beamten hätten zur Abwehr der Angriffe Schlagstöcke und einen Wasserwerfer eingesetzt. Sie hätten "hart durchgreifen" müssen, um weitere Gewalttätigkeiten zu verhindern, so die Polizei. Ordnungskräfte seien mit Pfefferspray angegriffen und mit Steinen, Flaschen und Böllern beworfen worden. Ein Polizeifahrzeug sei mit "schweren Wurfgeschossen" attackiert worden. Ein Beamter wurde dabei schwer verletzt, mehrere leicht. Insgesamt waren rund 4.000 Beamte im Einsatz.

Gesuchter Neonazi festgenommen


Die Polizei kesselte am Samstagmittag zwei Gruppen mit rund 100 Linksextremisten ein, darunter Kinder und Jugendliche. Insgesamt wurden über 270 Demonstranten festgenommen, darunter waren ein Drittel Jugendliche und ein gesuchter Neonazi. Verletzt wurden laut Polizei auch 16 Demonstranten. Dortmunds Polizeipräsident Hans Schulze verurteilte die Angriffe. Die "Gewaltexzesse gegen Polizeibeamte" hätten mit "demokratischem Protest" nichts zu tun. Auch Innenminister Ralf Jäger (SPD) verurteilte die Gewalt der Demonstranten gegen die Polizei. Die Beamten schützten das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit, erklärte er. Gewalt sei kein zulässiges Mittel der politischen Auseinandersetzung.

750 Rechtsextreme marschierten durch Dortmund


Statt der erwarteten 1.000 Neonazis waren zum dem genehmigten Aufmarsch rund 750 Rechtsextreme erschienen. Sie zogen am Nachmittag durch die Nordstadt, die durch einen hohen Ausländeranteil geprägt ist. Der Aufmarsch blieb ohne besondere Vorkommnisse. Bereits am Vormittag hatten Protestkundgebungen gegen diesen Aufmarsch begonnen. An den Gegendemonstrationen beteiligten sich insgesamt 10.000 Menschen, darunter zahlreiche Politiker.

Sierau verteidigt Sitzblockaden

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) sagte auf einer der Kundgebungen: "Die demokratische Kultur verträgt es nicht, wenn Nazi-Horden durch die Stadt ziehen." Die Bürger der Stadt würden auch künftig gegen solche Aufmärsche protestieren. Er nannte Dortmund "die Hauptstadt des Widerstandes gegen Rechts". Während die Polizei vor Sitzblockaden gegen die Neonazis gewarnt hatte, weil es strafbar sei, eine ordnungsgemäß angemeldete Veranstaltung zu stören, verteidigte Sierau diese als legitim. Er betonte, die Polizei habe Pflichten - der Oberbürgermeister im Kampf gegen den braunen Sumpf aber auch.


Im WDR 5-Morgenecho stellte er sich auf die Seite der blockierenden Demonstranten: "Wir haben den Eindruck, dass es ein breites Bedürfnis gibt, die Nazis zu blockieren. Aber man muss das sicher auch in Abhängigkeit sehen, wie das in Zusammenarbeit mit der Polizei möglich ist." Tatsächlich löste die Polizei vor und während des Aufmarsches mehrere Sitzblockaden innerhalb der abgesperrten Zone auf.

"Autonome Nationalisten" hatten zur Demo aufgerufen

Seit Jahren versucht die Neonazi-Szene, anlässlich des sogenannten Antikriegstags Stimmung in Dortmund zu machen. Am 1. September 1939 hatte das nationalsozialistische Deutschland Polen angegriffen und den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Geprägt wird die Szene von gewaltbereiten Rechten unter dem Namen "Autonome Nationalisten". Die Polizei schätzt deren Zahl stadtweit auf 30 bis 40 Aktive. Anders als in den beiden vergangenen Jahren war der Neonazi-Aufmarsch in diesem Jahr nicht verboten worden.

Stichworte

"Autonome Nationale" in Dortmund

Die gewaltbereite rechte Szene hat sich in Dortmund verändert. Waren es in früheren Jahrzehnten Neonazis wie die Borussenfront mit Hang zum Fußball, so haben seit Jahren "Autonome Nationale" das Ruder übernommen. 30 bis 40 Aktive sorgen immer wieder für Übergriffe und locken anlässlich des Antikriegstages Anfang September seit Jahren regelmäßig für ruppige Aufmärsche in Dortmund. Die Szene ist über die Grenzen hinaus über das Internet gut vernetzt, unter anderem auch durch einen einschlägigen Versandhandel. Zu den Aufmärschen kommen regelmäßig 1.000 Teilnehmer. Neben Dresden, Stolberg bei Aachen oder Bad Nenndorf in Niedersachsen zählt Dortmund zu den bundesweiten Veranstaltungsschwerpunkten.

Experten glauben, dass gerade die Aktivitäten der Gruppe Dortmund als Anziehungspunkt attraktiv machen. Die "Autonomen Nationalisten" selbst treten allgemein auch nicht mit Glatze und Springerstiefeln auf, sondern durchaus mit Turnschuhen und gefärbten Haaren. Damit fallen sie weniger auf und ziehen junge Leute eher an. Skinheads, die aus der Borussenfront hervorgegangen sind, gibt es zwar auch. Sie mischen auch bei Aktionen der "Autonomen" mit. Sie haben aber ebenso wenig Bedeutung wie NPD oder DVU. Entgegen NPD oder DVU halten sich die "Autonomen" nicht an ein festes Gefüge.

Quelle: dpa


Stand: 03.09.2011, 21.39 Uhr


Kommentare zum Thema (198)

letzter Kommentar: 05.09.2011, 19:40 Uhr

nichtallesglaubender schrieb am 05.09.2011, 19:40 Uhr:
Nur weiter so: Die Rechten schützen und die Linken zusammenschlagen!
nichtallesglaubender schrieb am 05.09.2011, 19:23 Uhr:
Der Staat ermuntert seine Bürger etwas gegen die Rechten zu unternehmen, der Staat erlaubt die Aufmärsche der Rechten, die Polizei schützt die Rechten bei deren Aufmärschen vor den Linken. Was unternimmt der Staat selbst gegen die Rechten, NICHTS. Wer glaubt an solchen Staat, ICH NICHT.
hallo schrieb am 05.09.2011, 14:36 Uhr:
für alle, die glauben, daß es friedlich war, empfehle ich youtube: Dortmund 03.09.11-Linksextremisten zerstören Polizeifahrzeug, usw.
bla schrieb am 05.09.2011, 00:58 Uhr:
"Ich bin nicht Eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr Euch ausdrücken könnt." Ich schätze die Meinungsfreiheit in Deutschland sehr. Und sie gilt natürlich auch für Nazis. Demokratiefeindlich oder nicht, Meinungsbekundungen zu verbieten erinnert mich zu sehr an totalitäre Regime die jegliche Opposition unterdrücken. ABER: Auch wenn eine Horde Nazis ihre Meinung frei äußern darf finde ich es auch okay, dass sich eine Horde bunter Blockierer auf die Straße setzt und den Nazis klar macht, was sie von deren Meinung halten. Auch finde ich es pervers, dass eine Nazi Demo zum Jahrestag des Überfalls auf Polen durch die orignal Nazis durch ein von vielen Migranten bewohntes Stadtviertel genehmigt wird. Ich hätte es schrecklich gefunden, wenn die sich hätten anschauen müssen, wie der braune Mob unter schwarz weiß roten Flaggen ungehindert durch ihre Straßen marschiert. Wenn schon Nazi Demo, dann nicht an diesem Tag nicht an diesem Ort! Gratulation an die friedlichen Blockierer!
Hans Westmar schrieb am 04.09.2011, 20:54 Uhr:
Der Polizeipraesident von Dortmund sprach im Zusammenhang mit dem linken Mob von "Antideutschen"! Bravo! DAS musste mal gesagt werden!

Alle Kommentare anzeigen