China-Fest in Köln: Bunte Party mit Protesten
Für das erste NRW-Chinafest hat sich am Samstag (15.09.2012) der Roncalliplatz vor dem Kölner Dom in eine bunte Festmeile verwandelt. Gefeiert werden 40 Jahre diplomatische Beziehungen und 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Peking. Doch am Rande des Fests gibt es auch lautstarken Protest.

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Dutzende Taiji-Schüler lassen das Qui fließen
Ein wenig erinnert der Festplatz vor dem Dom an einen verfrühten Weihnachtsmarkt: An Dutzenden bunten Buden bieten Händler Frühlingsrollen, gebratene Nudeln und chinesisches Bier feil. Außerdem gibt es jede Menge Kunsthandwerk - von der Buddha-Statue über bunte Drachen bis hin zu traditioneller chinesischer Tracht. Touristik-Unternehmen werben für Reisen in NRW's Partnerprovinz Sichuan, eine Kölner Arztpraxis preist die traditionelle chinesische Medizin.
Hannelore Kraft eröffnet das Fest

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Hannelore Kraft mit den Botschaftern Shi Mingde und Michael Schaefer
Von der Bühne begrüßt gerade Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), Schirmherrin des Chinafests, die Besucher. Für ihren Versuch einer kurzen chinesischen Begrüßung erntet sie viel Applaus - und vereinzeltes Gelächter. Die Vielfalt chinesischer Kultur habe sie selbst bei jeder ihrer Reisen "fast erschlagen", erklärt sie. Das Fest sei eine gute Gelegenheit, einen kleinen, überschaubaren Teil dieser Kultur kennenzulernen. Nach weiteren Grußworten des chinesischen Botschafters in Berlin, Shi Mingde, und seines deutschen Amtskollegen in Peking, Michael Schaefer, geht das Programm zum gemütlichen Teil über.
Schunkeln mit Chinesen

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Wang Ting: "Solche Feste fördern das Verständnis"
Die Höhner spielen eine Auswahl ihrer größten Hits und das Kölner Publikum geht wie bei solchen Anlässen üblich sofort zum kollektiven Schunkeln über. Auch einige chinesische Zuschauer haken sich nach anfänglichem Zögern unter. Unterstützt wird die Kölner Stimmungsband von Fechtweltmeisterin und Olympiasiegerin Britta Heidemann, die nicht nur mitsingt, sondern sich auch als geübte kölsch-chinesische Dolmetscherin erweist. Ganz zum Schluss gibt es noch eine zweisprachige Version von "Viva Colonia". "Das war richtig gut zu verstehen", lobt Wang Ting, "und eine schöne Geste". Die junge Chinesin, die seit einigen Jahren im Raum Stuttgart wohnt, ist für einen Kurzurlaub in Köln und eher zufällig auf dem Fest gelandet. "Solche Feste fördern das Verständnis", meint sie, "und man lernt viele Leute kennen."
Teilnehmer: "Menschenrechts-Frage steht immer im Raum"
Marianne Mockenhaupt ist der gleichen Meinung: "Alles, was man sonst so von China hört und liest, ist ja meistens nicht so positiv", meint die Rentnerin aus Schwelm, während auf der Bühne Kinder aus chinesischen Schulen in Köln und Bonn einen Fächertanz aufführen. "Da steckt bestimmt auch viel Angst vor der Fremde dahinter." Aber es gibt noch andere Ansichten: "Kultur ist schön und gut", sagt ein deutscher Schüler einer Taiji-Schule, der später mit mehreren Dutzend Mitschülern eine Kostprobe des chinesischen Schattenboxens vorstellen wird. "Aber auf einem deutsch-chinesischen Fest kann man die Politik niemals ganz ausklammern. Die Menschenrechts-Frage steht immer im Raum."
Falun-Gong-Demonstration vor dem Hauptbahnhof

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Protest gegen staatliche Repression in China
"Ich halte überhaupt nichts von diesem Fest", sagt Xu Pei. Das Ganze sei schlicht und einfach Auslands-Propaganda der Kommunistischen Partei, meint die Schriftstellerin und Aktivistin der in China verfolgten religiösen Bewegung Falun Gong. Zusammen mit Mitstreitern hat sie eine Kundgebung von Falun-Gong-Anhängern vor dem Kölner Hauptbahnhof organisiert - nur wenige Schritte von dem offiziellen China-Fest entfernt. Auf Transparenten beschuldigen die Aktivisten die chinesische Regierung des tausendfachen Mordes an ihren Glaubensgenossen und einer Verwicklung in den illegalen Handel mit menschlichen Organen. "Für das China-Jahr sind 1.500 regimetreue Künstler nach Deutschland gekommen", sagt Xu. "Sie alle haben den Auftrag, Werbung für das chinesische Unrechtsregime zu machen." Vor diesem Hintergrund sei es schlicht unmöglich, ein gemeinsames Kulturfest zu feiern.
Amnesty-Aktivistin: "Wir sind kein Feigenblatt"

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Amnesty International protestiert mit Graffitis
Eine andere Meinung vertritt Martin Lüken von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die beim China-Fest mit einem Info-Stand vertreten ist: "Manchmal hilft es nicht weiter, nur draufzuhauen", sagt er. Heute sammeln er und seine Mitstreiterinnen Unterschriften für die Freilassung des inhaftierten Menschenrechtanwalts Gao Zhisheng. Es gebe eine Zusage von Oberbürgermeister Jürgen Roters, Gaos Fall bei seinen Gesprächen mit den chinesischen Delegationen anzusprechen. "Wir sehen das Fest als echte Chance, etwas für unsere Klienten zu erreichen", meint auch Amnesty-Aktivistin Paola Niccolaioni. "Wir sind definitiv kein Feigenblatt für eine Business-Veranstaltung."
Stand: 15.09.2012, 14.00 Uhr
- Der Drache tanzt in Köln [Mediathek]
- Karnevalsprinzessin aus China in Köln: Prinzessin Kun feiert Karneval (18.02.2012)
- Immer mehr Chinesen leben am Rhein : Ni hao, Düsseldorf! (17.09.2011)
- 01. Oktober 2009 - Vor 60 Jahren: Mao ruft die Volksrepublik China aus: "Eine volksdemokratische Diktatur" (01.10.2009)
- 22. Juli 2009 - Vor 10 Jahren: Falun Gong wird in China verboten: Spirituelle Sekte oder politische Bewegung? (22.07.2009)
Kommentare zum Thema (22)
letzter Kommentar: 18.09.2012, 16:01 Uhr
- domstaedter schrieb am 18.09.2012, 16:01 Uhr:
- @"Toni schrieb am 15.09.2012, 19:38 Uhr: Wie wäre es mal mit Protesten gegen bgefackelte Botschafsgebäude und Ermordung von Doplomaten. Da traut sich keiner ran." Genauso sieht es aus! China hat uns nicht den Krieg erklärt, das besorgen Länder wie der Sudan und deren Straßenmob. Und wenn in so unüberschaubaren Ländern wie Russland - oder auch China - nicht mit harter Hand regiert würde, könnte wer-weiß-wer morgen in Moskau oder Peking aufmarschieren. Lieber ein Fest und eine Begegnung der Völker auf der Domplatte, als Brandstiftung und Mord. Davon abgesehen halte ich China inzwischen für deutlich kritkfähiger, als der Islam es je war.
- WDR.de schrieb am 18.09.2012, 08:04 Uhr:
- Beitrag gesperrt. Bitte bleiben Sie beim Thema.
- Oseline schrieb am 17.09.2012, 20:36 Uhr:
- Nokta schrieb heute, 18:04 Uhr: ,,Ihr Deutschen seid schon ein komisches Volk. ... Hier hat jeder sein Auto, sauberes Wasser, Doktoren, Supermärkte, Schulen und Zeitungen und keine Soldaten kommen nachts und durchsuchen die Wohnungen oder Häuser.'' - - - Kicher, wir Deutschen lassen uns ja viel gefallen, aber wenn Soldaten in Deutschland die Wohnungen durchsuchen würden, dann stimmte was nicht. Und Sie sollten mit uns Deutschen fleißig mitüberlegen, warum Soldaten deutsche Wohnungen untersuchen sollten. Ich finde das sehr komisch, denn ich hatte Probleme, ein neues Stück Auspuffrohr oder einen neuen Scheibenwischer für meinen Trabant S zu bekommen. Und noch das eine oder andere Problem, z. B. wenn mich mal die neuen Schuhe drückten und Blasen verursachten, aber ich ahnte wirklich nicht, dass diese Dinge so schwerwiegend waren, um in ein völlig anderes Geschäft einsteigen zu müssen.
- Das Leihschwein schrieb am 17.09.2012, 19:04 Uhr:
- @ Nokta: Sie haben nicht ganz Unrecht. Deutschland ist träge und satt geworden. Auch der Grund warum uns Mitbewerber technologisch ein-oder überholen. Besonders in Konzernen/ÖD wo die Gewerkschaften gut organisiert und ihre Funktionäre im AR sitzen dazu noch Parteimitglied sind trifft man auf diese Art von Mitarbeiter. Die kennen nur einen Spruch: Ihren Besitzstand kann ihnen keiner nehmen.
- Das Leihschwein schrieb am 17.09.2012, 18:45 Uhr:
- @ Stürmer: Deutsche Werften überleben seit den 1980er Jahren nur mit Milliarden Subventionen/Staatsgarantien von Bund/Land. Um das Überleben der Werften künstlich zu garantieren duldet die Regierung, das der neue Truppentransporter der Marine das dreifache Kosten darf als der alte, also heute ca. 360 Millionen, früher 120 Millionen. An diesen Schiffsneubau arbeiten drei Werften, jede Werft einen völlig überhöhten Preis also je 120 Millionen für sich abrechnen. Dabei reflektiert der Schiffbau genau die Probleme, die wir in anderen Bereichen auch bekommen werden. Schiffe kann jeder auf der Welt bauen nur billiger. Ohne ihre steuerfinanzierten Firmen PKW hätten BMW, Audi und Mercedes in Deutschland enorme Absatzprobleme mit BMW 5er,Audi A6, Mercedes E Klasse. Aktuell erinnere ich nur an die P+S Werften in Meck. Pom. wo zweistellige Millionensummen sinnlos versenkt wurden. Schauen sie sich die privaten PKW Zulassungen an da finden sie die eben genannte PKW nicht.
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