Einigung über BVB-Grabstein: Letzter Wille contra Friedhofsordnung
Der letzte Wunsch von Jens Pascal kann in Erfüllung gehen. Kurz vor seinem Tod hat sich der neunjährige einen Grabstein mit BVB-Logo und Fußball gewünscht. Doch das gab Ärger mit der Friedhofsordnung. Jetzt einigten sich Eltern und Kirche.

-
Bild 1 vergrößern
+
Im Streit um das Grab von Jens Pascal gibt es eine Einigung
Der letzte Wunsch des kleinen Borussia Dortmund-Fans Jens Pascal hat die Kirche in einen schweren Gewissenskonflikt gestürzt. Der krebskranke Junge aus Dortmund wünschte sich kurz vor seinem Tod einen Grabstein mit Fußball und BVB-Emblem. Die katholische Kirchengemeinde, auf deren Friedhof der Junge beerdigt ist, lehnt dies ab. "Die christliche Symbolik fehlt und das Grabmal mit Stele und Fußball wird zu groß", schrieb sie auf ihrer Internetseite.
Christliches Symbol wird integriert

-
Der ursprüngliche Entwurf
Nach monatelangem Ringen kam am Dienstag (13.11.2012) ein Kompromiss zustande. Eine Granitstele, darauf ein schwarz-weißer Fußball mit BVB-Emblem und dem Borussen-Slogan "Echte Liebe" - so war das Grabmal geplant. Jetzt wird der Ball mit BVB-Symbolen auf dem Boden montiert. Die Stele wird zudem so gedreht, dass Platz für ein christliches Symbol geschaffen wird, sagte Kirchensprecher Michael Bodin. Das könne etwa eine Friedenstaube sein. Im Gegenzug macht die Gemeinde eine Ausnahme von der Friedhofsordnung: Das Logo von Borussia und der Schriftzug "Echte Liebe" dürfen nun doch an der Stele angebracht werden.
Demonstration war geplant
Mehrere Tausend Facebook-User hatten gegen das Vorgehen der Kirche protestiert. Sogar eine Demo wollten einige auf die Beine stellen. Den Sturm der Entrüstung empfindet Kirchensprecher Bodin im Nachhinein als etwas ungerechtfertigt. Der Kirchenvorstand habe sich nur an die Friedhofssatzung gehalten. Der Ball oben auf der Stele passe nicht ins Friedhofsbild. Und es habe eben das Christliche gefehlt.
Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur "Aeternitas" gibt der Kirche weitgehend Recht. Auf einem kirchlichen Friedhof könnten strengere Maßstäbe angewendet werden, sagte der Vorsitzende Christoph Keldenich. Er hielt einen Kompromiss für die beste Lösung.
Im Siegerland wurde ein Schalke-Ball verboten
Der Grabstein für Jens Pascal ist nicht der erste, der für Streitereien sorgte. Vor vier Jahren scheiterte der Versuch im Siegerland, einem Schalke-Anhänger das Grab mit Fußball-Kunst zu verschönern. Ein Granitstein wurde mit einem Torwinkel aus Edelstahl gefertigt, darin ein Ball mit Schalke-Emblem. Hätte der Steinmetz die städtische Friedhofsverwaltung gefragt, hätte er sich die Arbeit sparen können. Edelstahl und Fußballmotiv lehnte die Verwaltung ab.
Stand: 13.11.2012, 18.40 Uhr
Kommentare zum Thema (66)
letzter Kommentar: 17.11.2012, 19:48 Uhr
- Steuerzahler schrieb am 17.11.2012, 19:48 Uhr:
- Ist doch egal welcher Konfession der Junge angehörte. Die entsprechenden Kosten werden von den Hinterbliebenen bezahlt und gut ist es. Wie verstaubt sind denn eigentlich die Kirchen an sich. Laßt den Jungen in Frieden ruhen.
- Anonym schrieb am 16.11.2012, 10:03 Uhr:
- @MG86 Warum? Niemand hat die Eltern gezwungen, diesen Friedhof zu wählen. Sie gehörten dieser Kriche, die das entschieden hat (bzw. entscheiden wollte) nicht an. Es war/ist schon ein Entgegenkommen, die Beerdigung überhaupt durchzuführen. Es ist ungefär so, als wenn man in ein Vereinsheim geht, obwohl man in diesem Verein nicht Mitglied ist und sich dann über die dort geltenen Regeln beschwert. Die Eltern hätten den Ball oder das Logo verkleinern und mit einem christlichen Symbol ergänzen können. Mit guten Willen auf beiden Seiten hätte man sich bestimmt einigen können. An die Öffentlichkeit gehen und sagen: "Die böse Kirche, in der wir gar nicht Mitglied sind, läßt uns auf ihrem Friedhof nicht machen was wir wollen" ist eine Unverschämtkeit.
- WDR.de schrieb am 15.11.2012, 12:00 Uhr:
- Post wurde entfernt. Bitte üben Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll, hier soll konstruktiv diskutiert werden
- MG86 schrieb am 15.11.2012, 11:18 Uhr:
- Ein Grund mehr, aus der Kirche auszutreten. Saftladen!
- Kurt Knörzel, ehrenamtlicher Friedhofsverwalter schrieb am 15.11.2012, 09:47 Uhr:
- Dieses Beispiel zeigt wieder einmal deutlich, dass einige (wenn nicht sogar alle) Gemeinden als Friedhofhalter ihre Satzungen reformieren sollten. Die Zeiten haben sich geändert, da sind Anpassungen nötig. Nicht in Form dessen, dass auf dem Friedhof Jahrmarkt herrscht, aber doch in die Richtung der Verbannung des Einheitsgraus. Der von mir verwaltete r.k. Friedhof bekommt in 2013 eine erhebliche Fläche dazu, auf welcher auch ein Teil "Crazy-Grab" Platz findet. Jene Fläche, wo z.B. das mit dem hier geschilderten Fall kein Thema ist. Und: Gottesdienste werden hin und wieder auch von Rock-Bands gestaltet und das gar nichtmal unerfolgreich. Wäre früher undenkbar gewesen. Was also in der Kirche geht, sollte auch draußen gehen, und dazu gehört eben auch der Friedhof.
Alle Kommentare zu "Einigung über BVB-Grabstein:Letzter Wille contra Friedhofsordnung" anzeigen
Seite teilen
Über Soziale Medien