Niederländisches Projekt "Burgernet" Bürger als Augen und Ohren der Polizei

Von Claudia Zimmermann

In den Niederlanden schalten Polizei und Gemeinden im Rahmen des Projekts "Burgernet" Bürger ein, die bei der Aufklärung von Verbrechen und der Suche nach Vermissten helfen. Fast eine Million machen mit. Als letzte Provinz ist jetzt der Süden von Limburg an der Reihe.


Niederländische Polizei in Heerlen
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Burgernet: Polizei und Bürger arbeiten zusammen

Bei einem Raubüberfall, einem Einbruch, einem Handtaschendiebstahl oder einer Entführung kann der Einsatzleiter in der Polizeizentrale eine sogenannte Burgernet Aktion starten. Er entscheidet allein, ob sich der Fall dazu eignet. Wichtigste Voraussetzung, erklärt Jo de Bie, Leiter für die Region Limburg Süd: Es muss eine detaillierte Beschreibung des Täters und oder des Fluchtfahrzeugs vorliegen. Wenn das der Fall ist, schreibt er eine SMS und eine Sprachnachricht für Anrufbeantworter. Gleichzeitig entscheidet sich der Beamte, wie groß der Aktionsradius sein soll. Handelt es sich zum Beispiel um einen Handtaschendieb, der zu Fuß unterwegs ist, so legt er den Radius auf dem Computerbildschirm bei etwa zwei Kilometer fest. Alle Bürger die sich angemeldet haben, und innerhalb dieses Kreises wohnen, bekommen jetzt eine Nachricht, damit sie Augen und Ohren offen halten.

Als letzte Provinz ist jetzt der Süden von Limburg an der Reihe. Auch hier können ab sofort Bürger anderen Bürgern helfen.

In Deutschland seit 2005 keine SMS-Fahndungen mehr

In Deutschland gibt es ein solches Projekt nicht mehr. Der frühere Innenminister Otto Schily startete 2004 die Öffentlichkeitsfahndung per SMS. Doch sie scheiterte. Zwanzig Mal wurden per SMS Fahndungen bundesweit ausgelöst. Kein Bürger reagierte. Es wurde weder ein Verbrechen gelöst, noch ein Vermisster gefunden. Im Oktober 2005 kam dann das Aus für diese Art der Fahndung. Polizeihauptkommissare und das Innenministerium äußerten sich skeptisch. Man hatte wohl auch Angst vor Hetzjagden oder allzu ehrgeizigen Bürgern, die im Alleingang auf Verbrecherjagd gehen würden.

Viel Überzeugungsarbeit geleistet


Mitarbeiter in "Burgernet"
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Burgernet-Mitarbeiter: Hilfe bei Verbrechen

Burgernetleiter Jo de Bie findet es schade, dass das System sich in Deutschland nicht durchgesetzt hat. Er glaubt, dass die Deutschen das Projekt zu früh ad acta gelegt haben. ''Auch wir haben am Anfang viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Vor allem Bürgermeister waren oft skeptisch. Man darf aber nicht vergessen, dass wir nur Meldungen rausgeben, wenn tatsächlich was passiert ist. Das wird vorher genau überprüft. Der Verbrecher der gesucht wird, hat auch tatsächlich etwas getan.'' Überzeugt sind die Bürger vor allem wegen der Erfolge bei der Suche nach Vermissten. Sechs von zehn Vermissten konnten mit Hilfe von Bürgern gefunden werden.

Bürger finden vermisstes Kind


Karteausschnitt von Heerlen
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Heerlen: Wo ist die kleine Maud?

Im Grenzort Heerlen, bei Aachen war vor einigen Wochen die fünfjährige Maud vermisst worden. ''Wir waren in der Stadt beim Einkaufen. Es war Samstag, die Stadt war voller Menschen, plötzlich war Maud verschwunden. Einfach so. Dabei ist sie ein schüchternes Kind und würde nie weg laufen', erinnert sich ihre Mutter Hannie van Roon. Ein Sicherheitsbeamter im Kaufhaus rief die Polizei - und innerhalb von Minuten waren hunderte Bürger per Burgernet alarmiert. ''Wildfremde Menschen sprachen mich an und halfen mit.'' Für die Mutter war es die schlimmste Stunde ihres Lebens. ''Und dann plötzlich kam jemand mit Maud an der Hand auf uns zu.''

Mauds Mutter Hannie van Roon kannte Burgernet vorher nicht. Jetzt ist sie Mitglied geworden. Langfristig soll Burgernet in den Niederlanden auch bei Katastrophen oder bei größeren Veranstaltungen, wie zum Beispiel Dancepartys eingesetzt werden. ''Gemeinsam wollen wir für mehr Sicherheit im Land sorgen. Da sind alle dabei. Bürger, Gemeinden und Polizei'' so erklärt Burgernetleiter Jo de Bie.

In Deutschland nur Fahndungen über die Medien

In Deutschland spielt diese niederländische Form der Fahndungsmithilfe derzeit keine Rolle. In Aachen beispielsweise wird heutzutage nur über die Medien oder Aushänge zur Mitarbeit von Bürgern aufgerufen. Auf soziale Medien wie Facebook oder Twitter, so der Aachener Polizeipressesprecher Paul Kemen, würde man wegen der Sorge um Hetzjagden ganz bewusst verzichten. Die Niederländer gehen damit lockerer um.


Stand: 23.10.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (12)

letzter Kommentar: 24.10.2012, 11:02 Uhr

Maria schrieb am 24.10.2012, 11:02 Uhr:
Ich halte es da lieber wie die berühmten "drei Äffchen" Ich sehe nichts! Ich höre nichts! Ich sage nichts! Das ist für mich verantwortungsvolles Handeln. Damit bin ich immer gut gefahren und Ärger aus dem Weg gegangen. Die Polizei wird ihren Job wohl selber machen müssen, die wird schießlich dafür bezahlt.
Maximum schrieb am 24.10.2012, 07:00 Uhr:
Typisch "deutsche" Kommentare. Reden, ohne zu wissen worum es geht. Hauptsache, man kann wieder meckern. Informiert Euch, bevor Ihr mit Euren Kommentaren loslegt. Aber verantwortungsvolles Handeln ist für den deutschen Michel ein Fremdwort.
Herrmann Hasse schrieb am 23.10.2012, 23:56 Uhr:
@ heinzb: Das Auslaender- und Scheinasylantenunwesen wird hier doch sowieso "toleriert", heinzb, das gehoert fast schon zum "gutbundesbuergerlichen Ton". Hier geht`s um die indigenen Nachbarn die sich nicht "anpassen" wollen, Leute, die mit `ner weissen Pappmaske das Haus verlassen oder auf der Strasse einander irgendwie "altmodisch" gruessen, Nachbarn, die ein "Verfassungsfeindliches Symbol" im Zimmer haengen haben (so, dass man`s durchs Fenster von draussen sehen kann). Sowas gilt in diesem "Staat" als "gefaehrlich", Kumpel.
heinzb aus nrw schrieb am 23.10.2012, 20:37 Uhr:
Da haben die Holländer aber spät gelernt, das hatten wir schon als Blockwarte im 3.Reich und als Volks-Polizeihelfer unter Mielke und Honnecker. Das brachen wir nicht wieder. Ich melde dann trotzdem schon mal : unser Nachbar hat gestern um 20.15 Uhr außerhalb der vorgeschriebenen Parkmarkierung geparkt, unser anderer Nachbar hat mich auf Türkisch gegrüßt in Deutschland, unser anderer Nachbar hat den Müll nicht richtig getrennt, ein Golffahrer hat heute nicht geblinkt beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr, eine Truppe Scheinasylanten machte es sich heute vormittags bequem auf dem Bürgersteig,
Herrmann Hasse schrieb am 23.10.2012, 18:39 Uhr:
Hatten wa` schon. Die hiessen "Helfer der Volkspolizei" oder "Inoffizieller Mitarbeiter" (Staatssicherheit - 1989), bzw. "VS-Informant" (seit 1989). Was wir wirklich brauchen ist eine Buergerwehr bzw. Volksmiliz, rechtlich abgesichert durch eine echte (vom Deutschen Volk) verabschiedete Verfassung mit bindenden Verfassungszusaetzen, aehnlich des II. Verfassungszusatzes der amerikanischen Verfassung. Dann wuerden auch "unsere" Politiker diesen fortgesetzten Verrat an unseren Lebensinteressen gar nicht wagen.

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