Rheinarmee in NRW Briten ziehen früher ab

Die Britische Regierung will die Soldaten der Rheinarmee früher aus NRW zurückholen, als bisher geplant. Bis Ende 2015 sollen etwa zwei Drittel der noch verbliebenen Streitkräfte nach Großbritannien zurückgekehrt sein.


Die britischen Truppen werden größtenteils schneller aus Deutschland abziehen als ursprünglich geplant. 11.000 derzeit in NRW und Niedersachsen stationierte Soldaten - rund zwei Drittel des verbliebenen Kontingents der Rheinarmee - sollten bereits Ende 2015 wieder in der Heimat sein, das teilte das britische Verteidigungsministerium am Dienstag (05.03.2013) in London mit.

Kasernen in Herford werden aufgegeben

So sollen das Hauptquartier der 1. britischen Panzerdivision und das Fernmelderegiment bis Ende 2015 nach Großbritannien verlegt werden. Deren drei Kasernen in Herford werden aufgegeben. Die Einheiten der Princess Royal Kaserne in Gütersloh sollen entweder aufgelöst oder in die Heimat abgezogen werden. Es sei vorgesehen, die Kaserne mit 2.500 Soldaten etwa 2016 aufzugeben. Die Streitkräfte kündigten zudem an, Bielefeld zum Hauptquartier der British Forces Germany zu machen. Der derzeitige Sitz in Mönchengladbach wird bis spätestens März 2014 aufgeben. Diese Entscheidung war bereits 2011 angekündigt worden, ebenso wie die Pläne, die Standorte Münster und Hameln 2014 aufzugeben.

Die neuen Pläne bedeuten eine Beschleunigung des Abzugs um etwa zwei Jahre im Vergleich zu bisher bekannten Plänen. Der Rest der derzeit noch knapp 16.000 Soldaten werde bis Ende 2019 wieder auf der Insel sein. Bis 2020 soll der Abzug dann komplett vollendet sein. Er schließt auch 17.000 Zivilangestellte ein.

Standorte der Britischen Armee

Weiternutzung der Militärgelände geplant

Die Kommunen verlieren nicht nur Einwohner, sondern auch Kaufkraft. Und sie müssen Pläne für die freiwerdenden Gebäude und Grundstücke entwerfen. Am 8. April wollen die betroffenen Städte aus NRW und Niedersachsen in Gütersloh über die neue Lage beraten. "Mit der Ankündigung der Briten, voraussichtlich bis zum Jahr 2016/2017 den Standort Gütersloh zu verlassen, ändern sich unsere Planungen nicht", versicherte Bürgermeisterin Maria Unger (SPD).

Es gebe Planungen und Vorarbeiten, diese müssten aber nunmehr beschleunigt werden. Die Kommune rechnet mit einem Kaufkraftverlust von 100 Millionen Euro. Zentrales Problem ist dort das 340 Hektar große Flughafen-Areal, nur wenig kleiner als der Flughafen Berlin-Tempelhof. Das Gelände wird bereits auf Altlasten geprüft. Dazu kommen die 1.000 Wohnungen und die 37 Hektar Fläche der Mansergh Barracks.


Auch der Paderborner Landrat Manfred Müller (CDU) sagte, die Ankündigung treffe die Kommunen nicht unvorbereitet. In Paderborn leben 4.000 Soldaten und geschätzt 5.000 Angehörige. Die fünf Kasernen und die Übungsplätze nehmen knapp 9 Prozent der Stadtfläche ein, sagte Stadtsprecher Jens Reinhardt. Der Kaufkraftverlust nach Abzug der Briten liege grob geschätzt bei 300 Millionen Euro. Die guten, zentralen Lagen seien das kleinere Problem, sagte Reinhardt. Prognosen zufolge werde Paderborn bis 2030 etwa 15.000 Einwohner mehr haben. Dagegen werde es den Stadtteil Sennelager hart treffen. Über die Zukunft des 11.600 Hektar großen Truppenübungsplatzes dort sei noch nicht entschieden, sagte der Sprecher der Britischen Truppen in Deutschland, Mike Whitehurst.

Rückzug kostet rund 1,8 Milliarden Pfund

"Das ist die logische Folge aus dem Ende des Kalten Krieges vor etwa 20 Jahren", sagte Verteidigungsminister Philip Hammond. Die deutschen Behörden seien über alle Schritte informiert, es gebe einen ständigen Austausch. Der Rückzug kostet seinen Angaben zufolge rund 1,8 Milliarden Pfund (2,1 Milliarden Euro), vor allem für den Neubau von Unterkünften in der Heimat. "Das Investment im ganzen Land wird wichtige Jobs für die regionale Wirtschaft bringen und einen Schub für die Baubranche", sagte Hammond im britischen Unterhaus in London. Geld, das in Deutschland ausgegeben worden wäre, werde künftig in Großbritannien ausgegeben.


Stand: 05.03.2013, 19.11 Uhr


Kommentare zum Thema (10)

letzter Kommentar: 07.03.2013, 10.46 Uhr

WDR.de schrieb am 07.03.2013, 10.46 Uhr:
Liebe User, wir haben einige Kommentare entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels.
Hans aus NRW schrieb am 06.03.2013, 12.48 Uhr:
Bedauerlich für die betroffene Region, da bricht wohl zunächst ziemlich deutlich Umsatz weg. Aber: Nutzt die Chance und macht was draus! Denn sind wir mal ganz erhlich: Die Briten haben doch überhaupt nichts mehr bei uns verloren. Die Zeit der Besatzung ist schon seit einigen Jahren beendet!
1234 schrieb am 06.03.2013, 11.58 Uhr:
Dann ist wenigstens ein Teil der längst überflüssigen aber immer noch hier stationierten Besatzungssoldaten weg.
Harald schrieb am 06.03.2013, 11.24 Uhr:
Je früher die Tommys endlich aus Deutschland abziehen um so besser. Die haben hier schon lange nichts mehr zu suchen! Besser heute als morgen.
@Bedauerlich schrieb am 06.03.2013, 09.26 Uhr:
Evtl. hilft es dir eine Weile mal nach "good ol' England"zu ziehen-um den Abschiedsschmerz der Soldaten zu verstehen.Denn die,die hier schon etwas laenger Dienst schieben-die sind da ein wenig anderer Meinung.Btw."Lichterketten"kenne ich bei Abschiebungen nur von Urechtmaessigen Abschiebungen-veranlasst durch durchgeknallte Rechtspopulistische CDU Politiker,die meinen damit Stimmenfang im braunem Spektrum betreiben zu koennen.Siehe u.a.der Fall Gazale Salame.

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