Million Dollar Pigeon Race in Südafrika: So schnell wie die Taube Rubellos ...
Vor einem Jahr gewann Hans-Werner Schink mit seiner Taube "Rubellos" das Million Dollar Pigeon Race. Das prestigeträchtigste Taubenrennen der Welt wurde am Samstag (02.02.2013) in Südafrika entschieden: leider diesmal ohne Sieger aus dem Ruhrgebiet.

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Vorjahressieger Hans-Werner Schink - mit Taube
Ihren großen Coup hatten sie zunächst gar nicht mitbekommen. Die 16 Taubenfreunde des Team Ruhr saßen im vergangenen Jahr noch beim Essen zusammen und diskutierten darüber, warum ihre geflügelten Sportler zuletzt keine großen Preise beim prestigeträchtigsten Taubenrennen der Welt, dem Sun City Million Dollar Pigeon Race in Südafrika, gewonnen hatten. "Wir hatten die Anlage, mit der wir das Rennen damals verfolgen wollten, noch gar nicht eingeschaltet", erinnert sich Werner Paulsen. Da kam plötzlich seine Frau mit dem Telefon in der Hand zur Tür herein und sagte, sie habe nicht gewusst, dass die in Südafrika jetzt auch Rubbellose verkaufen würden.
Schink ist das "Herz in die Hose gerutscht"

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Herbert Brockamp, Gerd Stahl, Jürgen Thielen, Werner Paulsen (v.l.) - Ein Teil des Teams Ruhr
Schlagartig wurde es still. "Rubellos" – mit Tippfehler in der Schreibweise – hieß die Taube, die Hans-Werner Schink im vergangenen Jahr ins Rennen geschickt hatte. "Mir ist das Herz in die Hose gerutscht", sagt Schink. Zunächst vor Schreck, dann machte es aber schnell Freudensprünge. Denn weitere Telefone klingelten und verkündeten tatsächlich den Sieg seiner Taube. "Da gab es dann kein Halten mehr", erinnert sich Schinks Teamkollege Gerd Stahl. Er ist der Vorsitzende des Team Ruhr. 200.000 Dollar gewinnt die schnellste Taube beim Rennen in Südafrika. Eine stolze Summe. Da kann einem das Herz auch schon mal in die Hose rutschen.
Auch in diesem Jahr hatte das Team Ruhr wieder einige heiße Eisen im Rennen. "Allerdings hat in allen vorangegangenen Rennen noch nie eine Taube des gleichen Besitzers zum zweiten Mal gewonnen", schwächte Schink vor dem Rennen ab. Tatsächlich landeten mehrere deutsche Tauben auf den vorderen Plätzen - allerdings keine aus dem Schlag von Team Ruhr. Die Konkurrenz war allerdings groß. 2.700 Vögel gingen beim Endflug, dem großen Finale am Samstag (02.02.2013), an den Start. Sie hatten sich gegen eine noch größere Zahl Tauben durchgesetzt und die Trainingsphase mit insgesamt 25 Flügen von bis 330 Kilometern Länge unbeschadet überstanden.
Die Tauben sind "echte Ausdauersportler"

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Ein Sportler der Lüfte
Im Endflug mussten die Vögel mehr als 500 Kilometer zurücklegen. "Da sind echte Ausdauersportler gefragt", sagt Paulsen. Gemeinsam mit Jürgen Thielen, Gerd Stahl und Herbert Brockamp sitzt er in seiner Küche in Gelsenkirchen. Insgesamt mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Taubenzucht ist hier versammelt. "Mein Vatter hatte schon 1932 einen Taubenschlach“, sagt Brockamp im besten Ruhrdeutsch. Er habe noch nicht mal laufen können, da sei er schon bei den Tauben gewesen, erzählt der 75-Jährige.
1.000 Dollar Startgebühr kostet das Rennen in Südafrika
Gerd Stahl züchtet auch schon seit 40 Jahren. Mit 65 Jahren zähle er noch zur Jugendabteilung des Clubs, scherzen die anderen. Doch dahinter steckt mehr als ein Funken Wahrheit. Denn Taubensport ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Hobby für Rentner und Pensionäre geworden. "Es kostet eine Menge Geld und vor allem Zeit, sich um die Tiere zu kümmern", erklärt Jürgen Thielen. Das beginnt bei der Zucht, geht weiter über das Training der Tiere und endet noch längst nicht bei den Preisflügen. "Von März bis September ist Urlaubssperre", sagt Thielen. Dann ist Saison im deutschen Taubensport.
Für das Million Dollar Pigeon Race 2013 werden die Tiere schon seit dem Frühsommer des vergangenen Jahres in Südafrika auf das Rennen vorbereitet. Züchter aus der ganzen Welt haben ihre Jungtauben nach Südafrika geschickt und die 1.000 Dollar Startgebühr gezahlt. Darunter auch die 16 Freunde aus dem Ruhrgebiet.
Rubellos war ein Geschenk von einem befreundeten Züchter

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Werner Paulsen in seinem Taubenschlag
"Wir sammeln unsere Tauben immer Anfang Mai hier im Schlag von Werner Paulsen", sagt Stahl. Bevor die 18 bis 20 Tauben zum Ende des gleichen Monats auf die Reise auf die Südhälfte des Globus gehen, werden sie gegen Krankheiten geimpft. Gesundheit ist schließlich auch im Taubensport mit das wichtigste Kriterium für einen späteren Champion. Mehr Einfluss können die deutschen Züchter dann aber auch nicht nehmen. In Südafrika werden die Tiere alle unter gleichen Bedingungen gehalten. Das gleiche Futter, das gleiche Training, die gleiche ärztliche Versorgung. "Bei diesen sogenannten One-Loft-Rennen kommt deshalb wirklich die Qualität der Taube heraus", sagt Schink.
Und die war im vergangenen Jahr bei seiner Taube "Rubellos" besonders gut. Dabei hatte Schink sie von einem befreundeten Züchter geschenkt bekommen, weil dieser unzufrieden mit den Ergebnissen seiner Tauben war. Seine Tauben könnten nicht gewinnen, habe der Kollege zu ihm gesagt, sagt Schink. So kann man sich täuschen.
Die Taube als Prestigeobjekt

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Brieftauben im Schlag von Werner Paulsen
Nach dem Sieg stand bei ihm das Telefon nicht mehr still. TV-Sender, Radiostationen, Zeitungen – alle wollten mit ihm sprechen. Dazu Züchter aus Polen, Belgien oder Holland. "Ein Scheich aus Katar hat uns sogar für eine ganze Woche zu sich einladen wollen", sagt Schink. Er lehnte aber ab. Während der Sport in Deutschland immer mehr Anhänger verliert, boomt er geradezu in anderen Ländern. Vor allem in China, Japan und zunehmend auch in Russland sind Tauben zu Prestigeobjekten geworden, für die teilweise sechsstellige Beträge ausgegeben werden. Neben dem Preisgeld ist das ein weiterer Reiz für die Teilnahme am Million Dollar Pigeon Race. Dem siegreichen Schlag bietet sich die Chance Vögel für viel Geld zu versteigern.
Rubellos wurde für fast 25.000 Dollar versteigert
"Rubellos" brachte im vergangenen Jahr bei ihrer Versteigerung kurz nach dem Rennen in Südafrika immerhin fast 25.000 Dollar ein. Die Hälfte davon hat der Veranstalter einbehalten. Das, was übrig geblieben ist, hat Schink seinem befreundeten Züchter, von dem er die Taube hatte, geschenkt. Für den Oer-Erkenschwicker war 2012 ein besonderes Jahr, das mit dem Sieg in Südafrika begann.
Wie vor einem Jahr, hatten die Freunde aus dem Ruhrgebiet auch in diesem Jahr wieder mit ihren gefiederten Sportlern mitgefiebert. Dieses Mal allerdings, das hatten sie sich geschworen, wurde der Beamer mit den Internetbildern bei Kollege Paulsen gleich zu Beginn der Versammlung angeschmissen.
Stand: 02.02.2013, 13.28 Uhr
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 02.02.2013, 02:30 Uhr
- 5***** schrieb am 02.02.2013, 02:30 Uhr:
- Ohhh Gott, hoffentlich war nicht in der überaus leckeren Taubensuppe vor 2 Wochen ein Weltmeister dabei. Die waren nämlich auch alle ein Geschenk ;-) Viel Glück in Süd-Afrika...haltet die Fahne des Ruhrpotts hoch
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