Geständnis vor Gericht Der Prozess nach 16 Jahren

Als Trudel Ulmen 1996 verschwand, behauptete der Ehemann, sie sei mit einem reichen Geschäftsmann durchgebrannt. Am Montag (19.11.2012) hat der 57-Jährige auch vor Gericht gestanden, seine damalige Frau getötet zu haben.


"Ich habe etwas gemacht, was ich nicht hätte machen dürfen", sagte der Angeklagte aus Rheinbach am Montag (19.11.2012) zum Prozessauftakt. Bei einem Streit über Affären der beiden Eheleute habe er 1996 ein Kissen genommen und die Arzthelferin Trudel Ulmen erstickt. Die beiden waren bis dahin 20 Jahre verheiratet gewesen.


Trudel Ulmen lebte mit ihrem Ehemann in Rheinbach bei Bonn und arbeitete als Arzthelferin in Bad Godesberg. Am 21. März 1996 erschien die 41-Jährige nicht an ihrem Arbeitsplatz und galt seither als vermisst. Im Sommer 1996 wurde auf der anderen Rheinseite in einem Waldstück in Bad Honnef-Rottbitze eine Frauenleiche gefunden, aber die Kripo konnte sie damals nicht identifizieren. Nach einer DNA-Analyse teilten Polizei und Staatsanwaltschaft 16 Jahre später, im April 2012 in Bonn mit, dass es sich bei der Leiche zweifelsfrei um die damals 41-jährige Frau aus Rheinbach handle.

Schon kurz zuvor hatte der Ehemann laut Staatsanwaltschaft gestanden, seine Frau ermordet zu haben. Anschließend habe er die Leiche mit seinem Auto in einen Wald in Bad Honnef gebracht und sie dort verscharrt. Vor Gericht wiederholte er diese Aussage nun.

General-Anzeiger: 1996 wurde nur vier Tage ermittelt


Der Fall war neu aufgerollt worden, nachdem der "Bonner General-Anzeiger" über ihn berichtet hatte: Im Dezember 2011 erschien in der Zeitung eine Bekanntmachung des Amtsgerichts Rheinbach, Trudel Ulmen solle sich bis zum 28. Februar melden, im ersten Stock, Zimmer 207, sonst werde sie für tot erklärt. Wolfgang Kaes, Reporter des General-Anzeigers, hakte bei der Polizei nach. Im WDR Fernsehen sagte er, 1996 sei nur vier Tage lang ermittelt worden. An einem Donnerstag sei die Frau verschwunden und am Montag habe die Polizei deren Arbeitgeber schon mitgeteilt, dass sie freiwillig gegangen sei. Der Vermisstenfall galt als erledigt, bestätigte ein Polizei-Sprecher.

Die Ermittler sahen offenbar keinen Grund, der Aussage des Ehemannes zu misstrauen. Er hatte der Polizei dem General-Anzeiger zufolge nach der Vermisstenmeldung erzählt, seine Frau habe sich mit einem reichen Geschäftsmann ins Ausland abgesetzt.

Nun muss sich der 57-Jährige vor dem Bonner Landgericht laut Anklage wegen Totschlags verantworten. Zunächst sind sieben Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil soll voraussichtlich am 17. Dezember verkündet werden.


Stand: 19.11.2012, 08.30 Uhr