Weltkriegsbombe im Dortmund-Ems-Kanal: Erste Unterwassersprengung ein zündender Erfolg
Die Beseitigung einer im Schlick des Dortmund-Ems-Kanals steckenden Weltkriegsbombe war die erste Unterwassersprengung in Münster. Und sie war in jeder Hinsicht erfolgreich. Es gebe keine Folgeschäden, alles lief planmäßig, berichtete die Stadt am Montag (15.10.2012).
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Die rund 30 Meter hohe Wasserfontäne bei der Explosion (Fotostrecke 1)
"Es gibt keine Schäden an umliegenden Gebäuden oder im Kanal. Alles ist okay, die Sache ist abgehakt", sagte Joachim Schiek WDR.de am Montag (15.10.2012). Ein wenig Stolz schwang in der Stimme des Presseamt-Leiters der Stadt Münster mit, als er die erste Unterwassersprengung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe bilanzierte. Punkt 11.52 Uhr war am Sonntag (14.10.2012) eine im Schlick des Dortmund-Ems-Kanals schlummernde 125-Kilo-Fliegerbombe gesprengt worden. Nach einem Knall und einer 30 Meter hohen Wasserfontäne war der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg endgültig Geschichte.
Fische mit Sprengkapseln vertrieben
- Sprengung unter Wasser geglückt [Aktuelle Stunde]
- Audio: Fliegerbombe im Dortmund-Ems-Kanal gesprengt [WDR 2] Marco Poltronieri / Jürgen Mayer, WDR 2 am Sonntag
- Fotos von der Bombensprengung im Dortmund-Ems-Kanal
Nach der Detonation rückten die Experten an, um die umliegenden Gebäude auf Schäden zu untersuchen. Statiker überprüften zudem, ob Brückenbauwerke in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Bett und Spundwände des Dortmund-Ems-Kanals wurden ebenfalls inspiziert. "Auch wir haben keine Erkenntnisse auf irgendwelche Schäden", sagte Dirk Hülsken, Pressesprecher der Münsteraner Feuerwehr. Offenbar hat es sich auch ausgezahlt, dass vor der eigentlichen Sprengung zwei kleine Sprengkapseln gezündet worden waren, um möglichst viele Fische aus dem Gefahrenbereich zu vertreiben - lediglich drei tote Tiere wurden gezählt. "Alle Dienste der betroffenen staatlichen und kommunalen Stellen haben perfekt zusammengearbeitet. Das Ergebnis zeigt, dass sich der Aufwand der intensiven zweiwöchigen Vorbereitung gelohnt hat", sagte der Münsteraner Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer.
Schaulustige in Evakuierungszone
Allerdings hatte sich die Sprengung, die für 11 Uhr geplant war, um fast eine Stunde verzögert. Ein Polizeihubschrauber entdeckte per Wärmekamera mehrfach noch Schaulustige in der Evakuierungszone. "Die mussten davon überzeugt werden, dass das keine gute Idee war, sich dort aufzuhalten", kommentierte eine Sprecherin der Stadt Münster das leichtsinnige Verhalten der augenscheinlichen Sensationstouristen.
Taucher bringt Sprengladung an

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Fundort der Bombe: etwa 100 Meter südlich der kleinen Eisenbahnbrücke (oben)
Bei der ersten Unterwassersprengung in Münster verließ sich der Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe (KBD) nicht allein auf seine eigenen Fähigkeiten. Die Experten holten sich Unterstützung aus Rheinland-Pfalz. Ein erfahrener Taucher aus dem benachbarten Bundesland befestigte die fünf Kilo schwere Sprengladung an der im Boden des Kanals feststeckenden Weltkriegs-Fliegerbombe. Die war übrigens bei einer gezielten Suche nach Blindgängern vor dem Ausbau des Kanals gefunden worden. Da die Bombe rund sechs Meter unter der Wasseroberfläche im Boden steckte, war eine Entschärfung unmöglich.
220 Einsatzkräfte vor Ort
Der Bombenfundort lag in einem großen Münsteraner Gewerbegebiet, das am Sonntagmorgen um 9 Uhr gesperrt wurde. Etwa 100 Menschen im Radius von 300 Metern um den Fundort herum mussten ihre Wohnungen verlassen. Etwa 30 von ihnen ließen sich in der Kantine des "Stadthauses 3" betreuen, weil sie anderorts nicht unterkamen. Rund 220 Einsätzkräfte standen am Rand der Sperrzone bereit, um die Absperrungen zu überwachen und bei unvorhergesehenen Ereignissen sofort eingreifen zu können. Bereits am Sonntagmittag waren die gesperrten Straßen und Brücken im Zuge der B51 wieder für den Verkehr freigegeben worden. Die Schifffahrt auf dem Dortmund-Ems-Kanal wurde am Nachmittag wieder freigegeben.
Entschärfungen häufen sich nicht
Durch spektakuläre Bombensprengungen wie Mitte September in Viersen und nun in Münster ist bei manchen Beobachtern der Eindruck entstanden, die Kampfmittelbeseitigungsdienste in Nordrhein-Westfalen hätten in den vergangenen Monaten mehr zu tun als üblich. Der Eindruck täuscht allerdings. "Die Zahl der gefundenen Kampfmittel hat sich nicht signifikant erhöht", sagte der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, Christian Chmel-Menges. Demnach wurden 2011 in NRW rund 33 Tonnen Sprengstoff entschärft, im Jahr zuvor waren es 31,8. Das Niveau der Bombenfunde sei zwar seit Jahren relativ hoch - ein genereller Anstieg sei jedoch nicht erkennbar.
Stand: 15.10.2012, 11.15 Uhr
- Fliegerbombe im Dortmund-Ems-Kanal: Bombensprengung unter Wasser (13.10.2012)
- Die Bombe im Kanal [Mediathek]
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Homepage der Stadt Münster zur
Sprengung der Fliegerbombe - Nach der Sprengung einer Fliegerbombe: Viersen knirscht (18.09.2012)
- Bilanz nach der Sprengung in Viersen: Aufräumen nach dem Knall (18.09.2012)
- Viersen nach der Sprengung [Mediathek]
- Die schlummernde Gefahr: Noch zehntausende Blindgänger unter der Erde (18.09.2012) [Aktuelle Stunde]
Kommentare zum Thema (8)
letzter Kommentar: 15.10.2012, 11:36 Uhr
- 123Ted schrieb am 15.10.2012, 11:36 Uhr:
- @Daddy : Was meinen sie den wie viele "deutsche" Blindgänger noch in Russland, Polen, Ukraine oder England liegen. Das sind auch nicht viel weniger nur bekommt man von deren Entschärfung kaum was mit. Und wenn sie dann noch an Vietnam, Korea, Bosnien, Kosovo oder Uganda denken ... da liegt auch nicht viel weniger. Ehr noch mehr, wenn man die Minen mitzählt. Respekt den Feuerwerkern und allen Beteiligten die diese Arbeit verrichten.
- Daddy schrieb am 14.10.2012, 21:12 Uhr:
- Mein Gott, Was haben die "Alleirten" bloß für einen Mist gebaut. Wenn man hört, das 20-30% nicht explodiert sind, wundert man sich nicht wirklich, das sie bei einer so erdrückenden Übermacht so lange gebraucht haben.
- Gurke schrieb am 14.10.2012, 17:56 Uhr:
- @El Supremo:am Schluß des Artikels wirst Du aufgeklärt:-)
- El Supremo schrieb am 14.10.2012, 17:34 Uhr:
- Hab´ nur ich den Eindruck ? In der letzten Zeit häufen sich die Bombenfunde deutlich - obwohl doch langsam auch der letzte Blindgänger verrottet sein sollte.
- Rinaldo schrieb am 14.10.2012, 17:14 Uhr:
- Hallo, Andrea, ich bin die letzte Maus, die aus ihrem Loch gekrochen kommt. Ich muss erst die toten Fische zählen. Dann erst kann ich mich dazu äußern. Aber dies kann ich schon jetzt sagen: Ich bin gegen jede Herstellung von Bomben und anderem militärischen Gerät. Wir müssen Frieden schaffen ohne Waffen!
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