Suche nach Bombe unter Neubau Explosive Altlast

Von Andreas Poulakos

In Duisburg hat am Montag (28.01.2013) die Suche nach einer Weltkriegsbombe unter einem gerade erst fertiggestellten Wohnhaus begonnen. Noch in dieser Woche sollen die Bewohner erfahren, ob unter ihrem neuen Heim ein gefährlicher Sprengsatz verborgen liegt.


Sondierungsbohrungen in Duisburg
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Tiefe Löcher im Garten

Eigentlich sind Einsätze wie dieser für die Männer vom Kampfmittelräumdienst reine Routine: "Technisch gesehen ist das hier eine ganz normale Sondierungsbohrung", sagt einer der Sprengstoffexperten. "So was machen wir häufiger." Für zwei Familien, die gerade erst in das Neubaugebiet im Duisburger Stadtteil Rheinhausen gezogen sind, dürfte die Suchaktion in ihrem Garten eher einem Albtraum gleichen. Auf Luftbildern aus dem Zweiten Weltkrieg hatten Experten den Einschlagkrater eines Blindgängers entdeckt. Die Bewohner erfuhren erst nach dem Einzug, dass die vermutete Stelle genau unter ihrem Doppelhaus liegt.

Suche mit Metalldetektoren

Dort wo später einmal der Garten angelegt werden soll, ist jetzt der Kampfmittelräumdienst mit schwerem Gerät aufgefahren: Mit einem Raupenbagger bohren die Arbeiter in regelmäßigen Abständen sieben Meter tiefe Löcher in den Erdboden. Dann lassen sie an langen Kabeln Metalldetektoren in die Bohrlöcher hinab. "Wir messen Schwankungen im Erdmagnetfeld", erklärt Gudula von Gronefeld, die bei der Bezirksregierung für den Bereich Kampfmittelbeseitigung zuständig ist. Gesucht werde in einem Radius von sechs Metern rund um die vermutete Einschlagstelle. "Im Lauf der Jahre kann die Bombe schon mal einige Meter wandern", erklärt sie.

Sondierung unter dem Fundament


Sondierungsbohrungen in Duisburg
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Messungen des Magnetfelds

Werden die Experten tatsächlich im Garten fündig, wäre das für die Hausbewohner ein Glücksfall. Denn dann könnte man die Bombe wohl relativ leicht freilegen und entschärfen. "Wenn wir im Garten nichts finden, dann wird es kompliziert", sagt von Gronefeld. Denn dann werden die Bohrungen ins Innere des Hauses verlegt und die Löcher müssen durch frisch verlegte Fliesen und in das Fundament getrieben werden. Auch könnte sich bei einer Fundstelle unter dem Haus die Bergung und Entschärfung sehr erschweren. "Schäden für das Gebäude können wir nicht ausschließen." Über das schlimmste Szenario wolle sie nicht spekulieren, sagt von Gronefeld. Das wäre, wenn bei der Suche unter dem Haus eine Fliegerbombe mit Säurezünder ans Licht kommt. Diese sind extrem gefährlich und müssen meist an Ort und Stelle gesprengt werden.

Bauträger verteidigt sich


Porträt Seyhan Tekin
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Seyhan Tekin: Architekt ist schuld

Wer die Verantwortung für die aktuelle Situation trägt, liegt für die Stadt Duisburg klar auf der Hand. "Es sieht so aus, als hätte der Bauträger den Antrag auf Luftbildauswertung zu spät gestellt", sagt Stadtsprecher Peter Hilbrands. Schon im September habe die Stadt der verantwortlichen Baufirma von dem konkreten Verdacht berichtet. Dort habe man diese Mitteilung offenbar ignoriert. Die Häuser hätten zu diesem Zeitpunkt außerdem schon gestanden. Erst viel zu spät, im Januar, seien die Stadt und die Bewohner informiert worden. Gegen diese Darstellung wehrt sich ein Bauleiter, der an diesem Morgen zum Grundstück gekommen ist. "Verantwortlich ist der freie Architekt, den wir für diese Neubauten beauftragt hatten. Er hat es versäumt, die nötigen Anträge zu stellen", sagt Seyhan Tekin. Die Baufirma sei in dieser Sache ebenso Opfer wie die Bewohner.

Häuser sind immer noch bewohnt

Die Kosten für die aufwendige Bombensuche tragen zunächst Bezirksregierung und Stadt. Wer in diesem Fall eventuelle Schäden an den Häusern bezahlen muss, sei noch unklar, sagt Hilbrands. "Das ist eine juristische Grauzone. Ich denke, am Ende werden sich die Bewohner mit dem Bauträger einigen müssen." Die Betroffenen wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Sie ließen mitteilen, das Ganze sei auch ohne Presseanfragen belastend genug. Dem Vernehmen nach wohnen sie immer noch in ihren Häusern - mit dem ständigen Wissen um die Gefahr unter ihren Füßen.


Stand: 28.01.2013, 13.00 Uhr


Kommentare zum Thema (8)

letzter Kommentar: 29.01.2013, 12:25 Uhr

Klaus Lohmann schrieb am 29.01.2013, 12:25 Uhr:
@"@juergen", 10:16 Uhr: Die Haak Komplettbau GmbH wurde schon in div. anderen Berichten als Bauträger genannt. Sie hatte für diesen ersten Bauabschnitt einen freien Architekten beauftragt. Allerdings ist dieser nach § 68 LBauO NW *allein* für die Erstellung einer genehmigungsfähigen Planung verantwortlich und haftbar. Wenn er schon vor seiner Arbeitsaufnahme erkennt, dass die Baugenehmigung nicht erteilt oder später aberkannt wird, kann er seine Haftung im Vertrag mit dem Bauherrn auf diesen abwälzen, ansonsten wird es für ihn teuer, da i.d.R. auch seine Haftpflichtversicherung nicht zahlen wird.
Jana schrieb am 29.01.2013, 12:14 Uhr:
Am Ende wills wieder keiner gewesen sein.A schiebt Schuld Auf B,B schiebt Schud auf C usw.Will ja niemand die daraus enstehenden hohen Kosten tragen.Hängen bleiben wirds letztendlich am Hausbesitzer,finanziell gesehen.Denn wer als kleiner Mann hat denn das Nötige Geld,wohl jahrelange Gerichtprozesse zu finanzieren einschl.hoher,sehr hoher Anwaltskosten.Mit tun die Neubewohner leid,ICH möchte nicht auf so einer,im doppelten Wortsinn,SPRENGLADUNG sitzen und schlafen wollen.Gruselig.
@juergen schrieb am 29.01.2013, 10:16 Uhr:
Mal gaaanz vorsichtig!Aus dem Bericht geht ja gerade nicht hervor WER der BAUHERR war!Kann durchaus der Architekt gewesen sein und die Baufirma(Bautraeger)nur ausfuehrendes Organ.Geht aber auch noch komplizierter->Grundstuecksgesellschaft(Bauherr)beauftragt Architekten->der beauftragt Bautraeger.Nun ist die Frage wie die Vertraege untereinander aussehen=wer hat was zu tun und wer ist von was durch Vertrag freigestellt!?!
Über Max Aufreger schrieb am 29.01.2013, 09:43 Uhr:
Es gibt mehrere Verfahren für ein "Bodenradar". Allen gemeinsam ist, daß sie über diese Distancen für diese Art von Objekt zu wenig Auflösung haben. Darum müssen die Sonden dann immer mit Bohrungen in die Nähe der vermuteten Objekte gebracht werden. Eine Aussage ist dann auch immer nur durch Vergleich mehrerer Messungen möglich. Und alle Verfahren reagieren auch auf Änderungen der Bodenbeschaffenheit (z.b. die Verfüllung einer Grube) oder große Steine. Insofern sind Magnetometer Messungen auf den Eisenmantel einer Fliegerbombe schon eine gute Wahl, um falsch positive Messungen auszuschliessen. Denn was ist, wenn eine Bombe unter dem Haus detektiert wird, und sich beim Ausgraben als Findling entpuppt? Aber auch die Magnetometermethode würde z.B. eine falsch positive Messung auf ein größeres Eisenschrotteil nicht ausschliessen können.
Bum schrieb am 29.01.2013, 08:11 Uhr:
wie so immer, die größten Blindgänger sitzen wieder woanders

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