Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof Bombe wurde offenbar gezündet

Der Sprengsatz im Bonner Hauptbahnhof wurde nach WDR-Recherchen offenbar gezündet, die Bombe aber detonierte wegen eines Konstruktionsfehler nicht. Die Polizei bestätigte, dass sie diese Möglichkeit untersucht, warnte aber vor Spekulationen. Unterdessen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich gezogen.


Einsatzkraefte des LKA durchsuchen die Gleise des Hauptbahnhofs in Bonn nach einem Bombenalarm nach Spuren
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Ermittler suchen Gleise im Bonner Hauptbahnhof ab

Nach WDR-Informationen bestand der Konstruktionsfehler darin, dass die Täter eine Glühbirne statt eines so genannten Boosters, also eines Sprengsatzverstärkers, verwendet hatten. Die Glühbirne wurde neben anderen Einzelteilen ebenfalls in der blauen Tasche sichergestellt. Der Leitende Kriminaldirektor Norbert Wagner hat am Freitagmorgen (14.12.2012) eine wichtige Ereignismeldung an das Innenministerium geschickt, in dem diese Vermutung geäußert wurde. Zu diesen Details wollte sich die Leiterin der Kölner Polizeipressestelle, Martina Kaiser, aber nicht äußern, "weil die Spezialisten vom Landeskriminalamt uns noch nichts dazu gesagt haben."

Bundesanwaltschaft glaubt an Anschlag radikaler Islamisten


Bombenalarm am Bonner Hauptbahnhof
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"Zündfähigen Sprengvorrichtung auf dem Bahnsteig abgestellt"

Am Nachmittag gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass sie die Ermittlungen übernommen hat. "Es liegen nunmehr zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Geschehen um einen versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung handelt", teilte die Behörde mit. Es gebe "belastbare Hinweise", dass der Mann, der die Tasche mit einer "zündfähigen Sprengvorrichtung" auf dem Bahnsteig abgestellt habe, "über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt". Deswegen bestehe der Anfangsverdacht, dass er als "Mitglied einer terroristischen Vereinigung einen Sprengstoffanschlag verüben wollte". Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) rief angesichts dieser Entwicklung zur Wachsamkeit auf: Sie "unterstreicht unserer Einschätzung, dass Deutschland im Fadenkreuz des dschihadistischen Terrorismus steht." NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) folgerte: "Es war richtig, dass Polizei und Verfassungsschutz bundesweit seit Jahren sorgfältig alle Erkenntnisse über salafistische Gruppierungen zusammengetragen haben."

Drei Tatverdächtige - oder doch nur zwei?

Die polizeilichen Ermittlungen soll von nun an das Bundeskriminalamt führen. Die Polizei geht, so die Recherchen des WDR, mittlerweile von mindestens drei Tatverdächtigen aus. Es soll bereits konkrete Hinweise auf bestimmte Personen geben. Dazu erklärte die Kölner Pressesprecherin, die Polizei spreche "nur von zwei Tatverdächtigen". Bei der Polizei seien seit der Pressekonferenz am Mittwochabend rund 300 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Darüber hinaus werde auch viel Videomaterial ausgewertet. Den Spuren nachzugehen, erfordere Zeit. Erst wenn man Gewissheit habe, werde man an die Öffentlichkeit gehen.

Zeuge gesucht


Handout der Polizei Köln zeigt eine verdächtige Tasche, die zu einem großen Polizeieinsatz auf dem Hauptbahnhof in Bonn führte
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Wer hat gesehen, wie diese Tasche abgestellt wurde?

Derweil werden Pannen bei den Ermittlungen deutlich. Erst seit gestern sucht die Polizei zum Beispiel einen wichtigen Zeugen, der den Mann auf Gleis 1 gesehen haben muss, bevor dieser die Tasche mit dem Sprengsatz absetzte. Der Zeuge hatte schon am Montag am Service Point der Bahn Alarm geschlagen. Die Polizeisprecherin erklärte, es stimme, dass man auf den Zeugen erst relativ spät aufmerksam geworden sei. Das liege aber daran, dass die Mitarbeiterin des Service Points, an die sich der Zeuge gewandt hatte, unmittelbar nach dem Bombenalarm krank geworden sei.


Stand: 14.12.2012, 19.15 Uhr