47-jähriger Häftling flieht: JVA-Ausbrecher gefährlicher als gedacht?
Erst zwei Wochen ist es her, dass es einem Gewaltverbrecher in der Bochumer JVA gelang, aus seiner Zelle zu flüchten. Nun gelang einem 47-Jährigen der Ausbruch aus dem Gefängnis. Der Flüchtige ist möglicherweise deutlich gefährlicher als bisher angenommen.

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Schon wieder Schauplatz eines Ausbruchs: die JVA Bochum
Zuerst hieß es, es handele sich bei dem am Sonntag (29.01.2012) ausgebrochenen Mann "um einen Kleinkriminellen". Doch am Montagmittag (30.01.2012) erklärte das Innenministerium, dass gegen den Ausbrecher in Polen wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes ermittelt werde. "Für uns bekommt der Fall damit ein anderes Gewicht", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Man müsse möglicherweise eine stärkere Gewaltbereitschaft bei dem flüchtigen 47-Jährigen befürchten als zunächst gedacht.
Audios und Video
- Audio: Interview mit dem Leiter der JVA Bochum [WDR 2] Friedhelm von Meißner, WDR 2 Westzeit
- Audio: Noch keine Spur von dem Ausbrecher [WDR 2] Sebastian Wehner, WDR 2 Morgenmagazin
- Audio: 47-jährigem Häftling gelingt Flucht aus JVA Bochum [WDR 2] Sebastian Wehner / Sven Pistor, WDR 2 am Sonntag mit Liga Live
- Erneut Ausbruch aus der JVA [Mediathek]
Zwar sei der Mann nach jetzigem Wissensstand in Polen noch nicht verurteilt worden. Ihm würden dort aber Brandstiftung und ein Tötungsdelikt vorgeworfen. "Das war der JVA in Bochum nicht bekannt." Der 47-Jährige saß in Deutschland hinter Gittern, weil er im Raum Recklinghausen immer wieder in Drogeriemärkten gestohlen hatte. Er sollte laut Erklärung der JVA Bochum im kommenden Monat in seine Heimat ausgeliefert werden.
Panzerglasfenster ließ sich abmontieren
Gegen 9.20 Uhr hatten Bedienstete der JVA am Sonntag (29.01.2012) bemerkt, dass der Gefängnisinsasse nicht mehr da war. Den Tipp hatten sie, laut Polizeisprecher, von einem anderen Häftling. Der polnische Staatsbürger war zuvor laut JVA im Besucherraum mit Reinigungsarbeiten beschäftigt. Er konnte durch eine locker sitzende Fensterscheibe flüchten, nachdem er die Aluminiumverkleidung des Rahmens abmontiert hatte. Anstaltsleiter Friedhelm von Meißner sprach von "Baupfusch" in der 25 Jahre alten Anlage.
Eine erste Suche mit dem Hubschrauber sei ergbnislos geblieben. Momentan fahndet die Polizei nach dem Flüchtigen. Anhaltspunkte habe sie nicht, vor allem, weil der 47-Jährige an keinem festen Wohnsitz gemeldet sei. Er war vor einigen Jahren aus seinem Heimatland nach Deutschland geflohen, weil er auch in Polen eine Haftstrafe wegen älterer Delikte absitzen sollte.
Fluchtversuch vor zwei Wochen endete auf dem Dachboden
Weitere Informationen wollten Polizei und JVA mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht bekanntgeben. Erst vor zwei Wochen war die JVA Bochum Schauplatz eines Ausbruchsversuches. Einem Häftling, der als Gewaltverbrecher eingestuft wird, war es gelungen, aus dem Zellenbereich zu entkommen. Allerdings scheiterte sein Fluchtversuch. Er wurde schließlich auf dem Dachboden der JVA gefunden. Allerdings blieb in diesem Fall bislang die Frage im Raum, wie der Häftling an Fluchtwerkzeuge wie Metallsägeblätter, einen selbst gebauten Generalschlüssel und ein Handy gelangen konnte.
Stand: 30.01.2012, 14.38 Uhr
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