Tipps zum Schutz vor Blitzeinschlag Lieber mal vom Netz gehen

Am Freitagabend (27.07.2012) zogen in NRW die ersten Gewitter auf. Wie kann man sich am besten davor schützen? Wie teuer ist effektiver Schutz vor Blitzen? Wann ist er sinnvoll? WDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen.


In festen Gebäuden ist man vor Blitzeinschlägen recht gut geschützt. Ein fachgerechter Blitzschutz kann die Sicherheit noch verbessern. Diplom-Ingenieur Jürgen Wettingfeld, Blitzschutzexperte und vereidigter Sachverständiger bei der Handwerkskammer Düsseldorf, beantwortet Fragen von WDR.de.

WDR.de: Wie sieht ein effektiver Blitzschutz aus? Wie teuer ist er?


Diplom-Ingenieur Jürgen Wettingfeld
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Jürgen Wettingfeld

Jürgen Wettingfeld: Ein wirkungsvoller Blitzschutz besteht aus genormtem äußerem und innerem Blitzschutz. Der äußere fängt den Blitz ein, leitet ihn ab und verteilt ihn im Erdreich. Der innere Blitzschutz sorgt dafür, dass es nicht zu gefährlichen Spannungsunterschieden im Gebäude kommt, durch die zum Beispiel elektrische Geräte beschädigt oder Brände verursacht werden können. Die Kosten beginnen je nach Gebäudegröße und technischer Ausstattung bei rund 2.500 Euro. Den Blitzschutz eines normalen Wohngebäudes sollte man etwa alle vier Jahren prüfen lassen. Das kostet dann jeweils zwischen 200 und 300 Euro.

WDR.de: Wie kann ich als Mieter erkennen, ob mein Wohnhaus ausreichend gesichert ist?


Blitzschutzanlage auf einem Dach
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Blitzschutzanlage auf einem Dach

Wettingfeld: Das ist verhältnismäßig einfach zu erkennen: Wenn sie auf dem Dach am First einen Draht verlaufen sehen, oder am Kamin eine Stange befestigt ist, von der ein Draht an der Gebäudeaußenwand nach unten geht, kann man davon ausgehen, dass eine Blitzschutzanlage vorhanden ist. Die Drähte sind rund acht Millimeter dick und aus Stahl oder Aluminium. Dazu muss man allerdings sagen, dass Blitzschutz an Mehrfamilienhäusern in der Regel nicht vorhanden ist.

WDR.de: Woran liegt das?

Wettingfeld: Der Schutz ist vom Gesetzgeber nicht gefordert. Blitzeinschläge werden zum sogenannten allgemeinen Lebensrisiko gezählt. Wenn sie sich eine Alarmanlage gegen Einbrecher installieren, ist das auch nicht vorgeschrieben, sondern hängt mit ihrem persönlichen Risikobewusstsein zusammen. Bei Eigentümergemeinschaften gibt es oft Meinungsverschiedenheiten über die Kostenverteilung. Trotzdem sollte jeder Wohnungseigentümer überlegen, spätestens an der direkten Stromverteilung für seine Wohnung einen Überspannungsschutz zu installieren. Damit ist zumindest die angeschlossene Technik in der eigenen Wohnung geschützt.

WDR.de: Muss bei Reihenhäusern, die jeweils die gleiche Höhe haben, jedes einzelne gegen Blitzeinschlag geschützt werden?

Wettingfeld: Aus der Fläche herausragende Gebäude haben natürlich ein größeres Risiko. Aber auch bei Reihenhäusern auf einer Höhe empfiehlt sich der Blitzschutz.

WDR.de: Gibt es, wenn man dann alles zum Schutz eingerichtet hat, noch zusätzliche Verhaltenstipps im Haus während akuter Gewitter?

Wettingfeld: Telefonate mit schnurgebundenen Geräten im Festnetz sollte man vermeiden. Gespräche mit Mobilteilen oder Handys sind unproblematisch. Mit dem Laptop kann man zu Hause zwar vom Strom weg und über WLAN im Internet bleiben. Aber der Router wird ja auch mit Strom versorgt. Bei Elektrogeräten kann man grundsätzlich unmittelbar am Stecker einen Schutz installieren - der kostet um die 100 Euro. Wenn sie ganz sicher gehen wollen, sollte man alle elektrischen Geräte vom Netz nehmen.

WDR.de: Aber im Gebäude zu bleiben ist auf jeden Fall sicherer, als sich draußen aufzuhalten?

Wettingfeld: Im Gebäude können sie nicht unmittelbar vom Blitz getroffen werden. Aber in Gebäuden ohne Blitzschutz sollte man sich nicht unbedingt nahe an Heizkörpern aufhalten oder auf den Balkon stellen und denken, "wie schön ist dieses Naturschauspiel".

WDR.de: Tragisches Beispiel dafür, dass Unterstände im Freien nicht unbedingt sicher sind, ist das schwere Unglück auf dem hessischen Golfplatz, bei dem am 29. Juni drei Frauen getötet und eine lebensgefährlich verletzt wurde.


Wettingfeld: Das war ein besonders tragischer Fall. Erstens lag dieser Unterstand auf einem erhöhten Punkt im Gelände. Und zweitens schützte er ohne Blitzschutzeinrichtung zwar vor Regen, nicht aber dem Einschlag. Wenn man draußen in ein Gewitter gerät, sollte man die Füße möglichst eng zusammenstellen und sich klein machen. Blitze schlagen in den Boden und verteilen sich dort mit unterschiedlich hohen Spannungen. Bei weiter Schrittstellung werden diese unterschiedlichen Spannungen empfangen und vom Körper als Spannungsdifferenz mit mehreren tausend Volt aufgenommen.

Die Fragen stellte Vera Kettenbach


Stand: 27.07.2012, 17.26 Uhr


Kommentare zum Thema (8)

letzter Kommentar: 29.07.2012, 01:52 Uhr

Melanie schrieb am 29.07.2012, 01:52 Uhr:
Ich hab nie Angst vor Gewittern gehabt. ABER seit die Sommergewitter (gefühlt) heftiger sind (kann mich aber echt täuschen, gab ja schon immer auch heftigere) und ich in einer Wohnung im Mehrfamilienhaus wohne ganz oben in einem ausgebauten Dachboden (wenn ich aus dem fenster schaue kucke ich schon auf Dachziegel unter mir, weil ich direkt unterm Dach wohne) krieg ich doch Schiss wenn das Gewitter direkt über einem blitzt und gleichzeitig kanllt wie sonstwas. Ich frag mich dann immer: ich bin zwar in einem gebäude, aber direkt unterm Dach, was ist denn wenn da der Blitz einhaut *zitter*??? Der haut mir doch voll in die Bude ??? (Muss dabei an die armen Leute in der Hütte auf dem Golfplatz denken). Aber was soll ich machen??? Ich kann ja in einem gemietetn Mehrfamilienhaus keine Blitzableiter anbringen , selbst wenn ich mir das leisten könnte was ich nicht kann. Und runter zu den Nachbarn, weil es gewittert?? Womöglich noch nachts?? Die würden mich doch für bekloppt halten. Was solls...
Anonym schrieb am 04.07.2012, 11:14 Uhr:
pro Jahr/ 82 Mio Einwohner muss es heissen.
pepone schrieb am 04.07.2012, 11:14 Uhr:
Was für ein Auheben. Wieviele relevante Treffer gibt es eigentlich pro Jahr/2 Mio Einwohner?
Ben schrieb am 03.07.2012, 14:30 Uhr:
(Tip: Ist ein bißchen versteckt, linke Seite unter Blitzschutz + Blitzforschung > Publikationen > Allgemein)
Ben schrieb am 03.07.2012, 14:24 Uhr:
Der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.), in Gestalt seines Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung (ABB), hat auf seinen Internet-Seiten eine MENGE Material zu Blitzschutz, z.B. PDFs zu allen erdenklichen Fragen, die einem Normalmenschen so in den Sinn kommen können! Und anders als vieles was man sonst so liest ist es wissenschaftlich fundiert. Außerdem erschöpft es sich dort nicht in einer allein oberflächlichen Behandlung des Themas.

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