Blitz-Marathon beendet Zu schnell, betrunken und ohne Führerschein

645.000 Kontrollen an mehr als 3.000 Messstellen: 24 Stunden lang, von Dienstag bis Mittwochmorgen (04.07.2012), hat die Polizei die Geschwindigkeit gemessen. Ergebnis: 22.000 Verkehrsteilnehmer waren zu schnell unterwegs, etliche betrunken oder ohne Führerschein - trotz Ankündigung.


Sucher einer Laserpistole zeigt Geschwindigkeit und Entfernung eines Autos
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Weniger Schnellfahrer - aber immer noch zuviele

"Es war ein Tag der Vernunft", freute sich Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwochmittag, sechs Stunden nach dem Ende der Aktion. Die Zahl der der Schnell-Fahrer sei auf drei Prozent gesunken - ein Prozentpunkt weniger als beim letzten Blitz-Marathon und gleich fünf Prozentpunkte weniger als an anderen Tagen. Die Vorab-Ankündigung hat offensichtlich Wirkung gezeigt: "Die Polizisten stellten landesweit fest, dass die Autofahrer sich an die Regeln gehalten haben und langsamer gefahren sind", so Jäger. "Das ist ein Lerneffekt. Genau den wollen wir erreichen." Im Herbst soll die Aktion wiederholt werden.

Führerschein weg, Punkte in Flensburg

Bis zum Mittag hatten die Polizeibehörden die Ergebnisse der Kontrollen ans Ministerium weitergeleitet. Das listete auf, dass 27 der Kontrollierten alkoholisiert waren oder unter Drogeneinfluss standen; 440 hatten sich nicht angegurtet. 167 Autofahrern droht nun ein Fahrverbot, vier von ihnen mussten den Führerschein gleich an Ort und Stelle abgeben. Der schnellste Raser wurde auf der Autobahn im Bereich Münster gemessen: Statt der erlaubten 80 Stundenkilometer fuhr er 187. Das wird mit 680 Euro Bußgeld, drei Monaten Fahrverbot und vier Punkten in der Flensburger Verkehrssünderdatei geahndet. Ähnlich hohe Strafen erwarten einen Autofahrer, der bei Köln mit 177 statt der erlaubten 100 Stundenkilometern unterwegs war, oder jenen in Bielefeld, der die zulässigen 50 Stundenkilometer in der Stadt um 71 überschritt. In Duisburg hatte ein Fahrer das 30er-Zonen-Schild missachtet - und fuhr mit 69 Stundenkilometern geradewegs in die Kontrolle.

Fahrer tappte in eigene Falle

In Ratingen tappte ein Fahrer quasi in die eigene Falle: Der Mann wurde in einer Tempo-30-Zone mit etwas mehr als 40 Stundenkilometern geblitzt. Beim Bezahlen des Verwarngeldes berichtete der Mann, dass er selbst diese Messstelle vorgeschlagen hatte, weil eines seiner Kinder einen nahe gelegenen Kindergarten besucht.
Gleich doppelt erwischte es einen jungen Mann in Velbert: Innerhalb weniger Minuten raste er auf derselben Straße zwei Mal in eine Radarfalle. Beim ersten Überschreiten des Limits zeigte das Messgerät "nur" 36 Stundenkilometer über dem Erlaubten an, kurze Zeit später wurde er mit Tempo 96 anstelle der erlaubten 50 km/h geblitzt.

Seine Neugierde wird für einen auf der A1 bei Köln geblitzten Autofahrer vermutlich noch richtig teuer werden: Er stoppte auf dem Seitenstreifen der Autobahn, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr circa 500 Meter zurück bis zu den Beamten. Das ganze nur, um nach dem Messergebnis zu fragen. Nun muss er zusätzlich zum Geschwindigkeitsverstoß mit einer Geldbuße von 200 Euro, vier Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot rechnen.

"Wut-Punkte" auf Vorrat


Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jaeger (SPD) schaut am Dienstag (03.07.12) in Essen anlaesslich einer landesweiten Geschwindigkeitskontrolle durch ein mobiles Geschwindigkeitsmessgeraet der Polizei.
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Blitzte mit: Innenminister Ralf Jäger

Anders als beim ersten "Blitz-Marathon" wurden die Kontrollpunkte diesmal nicht nur von den Beamten ausgesucht. Mehr als drei Viertel der Orte - "Wutpunkte" genannt - sind von Bürgern vorgeschlagen worden, die sich über die dortigen "Rennstrecken" beklagten. "Ob Anwohnerviertel, Kindergarten oder Schule: Unsere Kontrollpunkte richten sich nach den Bedürfnissen der Bürger und haben keinen Schwerpunkt", hatte ein Sprecher der Polizei in Düsseldorf am Dienstagmorgen (03.07.2012) erklärt. 15.000 Stellen hatten die Bürger gemeldet, an 2.673 dieser "Wut-Punkte" wurde tatsächlich kontrolliert. Stellen, die diesmal nicht berücksichtigt wurden, werden in nächster Zeit zum Zuge kommen. Jäger: "Kein Bürgervorschlag geht verloren." Im Herbst, so kündigte der Minister an, werde der nächste 24-Stunden-Blitz-Marathon durchgeführt.

"Brems dich - rette Leben!"

Die "größte Geschwindigkeitskontrollaktion in NRW", wie Jäger sie nannte, lief unter dem Motto "Brems dich - rette Leben!". Zum Start erklärte Jäger: "Auf unseren Straßen sterben zu viele Menschen. Zu hohe Geschwindigkeit ist der Killer Nr. 1". Im Jahr 2011 sind in NRW nach Angaben des Ministeriums 634 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Nach vielen Jahren mit immer weniger Toten war die Zahl damit um 15 Prozent angestiegen. Inzwischen sinkt die Zahl aber wieder - in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 13 Prozent. "Ob der verstärkte Kontrolldruck für diese Entwicklung verantwortlich ist, wissen wir nicht", räumte Jäger ein.

ADAC begrüßt Bewusstseinsbildung


Auto fährt an Radarmessgerät vorbei
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Blitz-Marathon mit 3.140 Radarfallen in NRW

Der ADAC begrüßte am Dienstag (03.07.2012) den Blitz-Marathon als Aktion, die auf die Problematik des Rasens aufmerksam macht. Von "Abzocke" könne keine Rede sein, sagte Sprecherin Jacqueline Grünewald. Schließlich werde vorab veröffentlicht, wo und wann die Polizei mit Radarmessgerät und Laserpistole im Einsatz ist. Wünschenswert sei allerdings, dass die Temposünder nicht nur ein Knöllchen erhielten, sondern auch darüber aufgeklärt würden, dass "bei Tempo 65 acht von zehn Unfallopfern sterben, bei Tempo 50 aber acht von zehn überleben."

Polizeigewerkschaft: Blitz-Marathons reichen nicht

"Drei Blitz-Marathons im Jahr reichen noch nicht", sagte Frank Richter, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in NRW. Die Resonanz auf die landesweite Aktion am Dienstag zeige, "dass die Bürger von der Polizei erwarten, dass sie Raser konsequent aus dem Verkehr zieht". Innenminister Jäger solle deshalb ein Konzept vorlegen, wie die Zahl der Kontrollen erhöht werden könne. Raser nur zu blitzen oder die Kontrollen den Kommunen zu überlassen, sei keine Lösung. "Wir wollen die Köpfe der Raser erreichen, nicht deren Portemonnaie".

Ein Polizist misst in Düsseldorf mit einer Laserpistole die Geschwindigkeit von Autos Video Großeinsatz der Polizei gegen Schnellfahrer (02:01 Min.) WDR aktuell vom 03.07.2012

Großeinsatz der Polizei gegen Schnellfahrer


Stand: 04.07.2012, 18.47 Uhr


Kommentare zum Thema (253)

letzter Kommentar: 09.07.2012, 19:31 Uhr

suzi schrieb am 09.07.2012, 19:31 Uhr:
@jürgen auer, zum Glück stellen Sie für mich und mein Möppi kein Hindernis dar. Außerdem dürfen Typen wie Sie gerne aus, - oder absteigen. Ich habe nichts gegen eine handfeste Unterhaltung, da braucht man wenigstens nicht elendig lange reden.
Radiokritiker schrieb am 09.07.2012, 18:32 Uhr:
... und nirgendwo auf den WDR-Seiten liest man, dass während des Blitzer-Marathon auch ein Produktionsfahrzeug des WDR von einer Radarfalle erwischt wurde... fehlende Selbstkritik.
steuerzahler schrieb am 07.07.2012, 22:08 Uhr:
Wo ist das Problem. Etwas miteinander auf der Straße und es klappt. Die Realität sieht anders aus. Fahre ich 30 in der Zone habe ich eine gestikulierende Mutti im Rückspiegel. 60 in der Baustelle da macht der Brummihilfsarbeiter anstalten mich von der Straße zu schieben wo doch nur 60 erlaubt sind. Ähnlich Beispiele gibt es in allen Situationen. Gut ich fahre auch gerne zügig wenn es erlaubt ist und niemand gefährdet wird, aber die Innenstadt ist keine Rennstrecke weder für Vertreter, noch eilige Mütter oder die Fraktion mit dem Liter Öl im Haar. Da helfen halt nur Kontrollen aber bitte nicht nach Stundenplan sondern da wo es nötig und angebracht ist.
Autofahrer schrieb am 07.07.2012, 11:35 Uhr:
Ob die Köpfer der Raser mit sochen Aktionen erreicht werden, sollte nicht im Vordergrund stehen. Wichtig ist es diese Raser im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr zu ziehen. Deshalb gerne weiter "Blitzen" aber bitte ohne Anmeldung!
Der mit dem Stern fährt schrieb am 07.07.2012, 11:27 Uhr:
@Jürgen Auer: Wenn Sie in einer 30er Zone provokant 20Km/h fahren um die hinter ihnen fahrenden Fahrer zu provozieren dann sind Sie eindeutig derjenige der andere nötigt! Ihr Angebergehabe Zitat: "......ich werde mich dagegen Wehren, da brauche ich keine Polizei für." zeigt nicht nur in Bezug auf ihre Rechtschreibung Defizite auf. Sie tun mir leid!

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