Der große Blitz-Marathon Ein schlechter Tag für Raser

Die Autofahrer waren vorgewarnt: Einige rasten dennoch mit Vollgas in die Radarfallen. Die meisten aber hatten sich wohl auf die Verkehrskontrollen eingestellt. Bis Samstagmorgen (11.02.2012) lief in ganz NRW ein 24-stündiger Blitz-Marathon.


Null Euro kassiert und dennoch zufrieden: Innenminister Ralf Jäger (SPD) ließ es sich beim groß angekündigten Blitzermarathon nicht nehmen, selbst Hand an das Radargerät zu legen. Sein Pech: Während der einstündigen Ministereinlage in seiner Heimatstadt Duisburg wollte ihm kein einziger Temposünder in die Falle gehen. Autofahrern entging damit eine exklusive Belehrung durch den obersten Dienstherrn der Polizei.

3.000 Polizisten an 1.400 Orten

Die Kontrollen waren als Reaktion auf die wieder gestiegene Zahl von Verkehrstoten groß angekündigt worden. Das Innenministerium veröffentlichte sogar eine Liste mit den Orten, wo die Blitzer stehen. 24 Stunden lang sind insgesamt 3.000 Beamte an 1.400 Orten in Nordrhein-Westfalen im Einsatz. "Ziel unserer Aktion sind nicht mehr Knöllchen, sondern weniger Verkehrstote", betonte Innenminister Jäger.


Vielleicht weil die Aktion so groß angekündigt war, verhielten sich am Freitag die meisten Autofahrer vorbildlich. Aber eben nicht alle. An Jägers Kontrollstation fiel morgens vor dem Ministereinsatz eine Frau als Temposünderin auf. Tempo 62 hatte sie drauf. Erlaubt waren 50. Die Geschwindigkeitsübertretung kostete sie 15 Euro. Ob sie denn nicht im Radio von der Kontrollaktion gehört habe, fragte die Polizei. Nein, davon habe sie nichts gehört.

Raser versucht sich rauszureden

Die Frau bekam ihre Belehrung, dass zu schnelles Fahren sie selbst und andere gefährde. Und nach einem Blick auf das neueste Warnplakat aus Jägers Haus - Titel: "Brems Dich - rette Leben!" garniert mit Reizworten wie geheizt, gerast, gebrettert und etlichen Kreuzen - machte sich die Frau wieder davon.

Mit den 62 Stundenkilometern taugte der Fall kaum für die Hitliste des Tages. Besonders zornig wurde der Minister über einen Arzt, der ja beruflich eher Leben retten als gefährden soll. Mit Tempo 102 erreichte der an anderer Stelle in Duisburg den traurigen Rekord des Tages - 50 wäre erlaubt gewesen. Er habe es eilig gehabt, redete er sich heraus, wie so viele Fahrer. Die Eile war aber nicht beruflich bedingt, und so muss er mit Punkten in Flensburg, Führerscheinentzug und saftiger Geldstrafe rechnen.

Minister: Überschüttet mit Unterstützer-Mails

An Jägers sonst üblichem Arbeitsort Düsseldorf fuhr ein Raser mit 95 Sachen durch die Kontrolle. Jäger fand für so viel Tempo keine Nachsicht: "Das ist mörderisch, das ist unverantwortlich." Am liebsten wäre es dem Minister gewesen, wenn überhaupt niemand an diesem Tag geblitzt worden wäre. Aber auch so war er zufrieden. Die Aktion habe viel Resonanz eingebracht. Mit Unterstützter-Mails sei er nur so überschüttet worden. Nicht nur deshalb sollen die verstärkten Kontrollen in Zukunft weitergeführt werden. Es sei Teil der Strategie, mehr zu blitzen, sagte sein Sprecher.

Der Blitz-Marathon endete am Samstag (11.02.2012) um 6 Uhr.


Stand: 11.02.2012, 10.00 Uhr


Kommentare zum Thema (76)

letzter Kommentar: 13.02.2012, 06.15 Uhr

@ street schrieb am 13.02.2012, 06.15 Uhr:
Weshalb fährt man mit 80 km/h auf der linken Spur. Da müssen einen ja sogar die LKWs rechts überholen.
KDM schrieb am 12.02.2012, 12.33 Uhr:
@Biggi: Sie halten sich selbstverständlich nur an Spielregeln, die Ihnen sinnvoll erscheinen. Ist doch klar, macht man ja sonst auch so. Beim Fußball zum Beispiel - wen stört schon die Abseitsregel? Alles Humbug, einfach ignorieren! Oder beim Mensch ärger dich nicht - warum nicht auch bei einer 4 oder einer 5 nochmal würfeln? Die Regel mit der 6 ist doch völlig willkürlich! Mann, was muss das Leben schön sein, wenn man schlichten Gemütes ist ...
Biggi schrieb am 12.02.2012, 00.39 Uhr:
@ Wolfgang Sie scheinen der Vorsitzende des Verkehrserzieher Clubs zu sein. Innerorts immer 40 km/h und wenn es mal mit Ihrem sibernen Astra oder der A Klasse für 15 Minuten auf die Autobahn geht , stur 100 km/h auf der mittleren Spur. Aber auf jeden Fall jede noch so unsinnige Verkehrsregel einhalten! Sie könnten eine Figur aus dem Buch der Untertan von Heinrich Mann sein...
KDM schrieb am 11.02.2012, 20.44 Uhr:
@Vertreter: Wenn es nach mir ginge, würde Leuten wir Ihnen das Fahren nicht nur durch strengste Kontrollen und harte Strafen bei Verstößen, sondern auch durch angemessene - also drastisch höhere - Spritpreise schwerer gemacht. Sie können mir nicht erzählen, dass Ihre Hin- und Hergurkerei irgendeinen volkswirtschaftlichen Nutzen hat.
Knöllchenzahler schrieb am 11.02.2012, 16.51 Uhr:
@Vertreter Wegen zu schnellem Fahren kommen Menschen zu schaden oder im schlimmsten Fall ums Leben. Wie viel ist der nicht geplatzte Termin dann noch Wert?

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