Bauarbeiten an der Leverkusener Brücke: Ignorante Lkw-Fahrer behindern Brückenarbeiten
Wegen Bauarbeiten ist die Leverkusener Rheinbrücke für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen seit November gesperrt. Trotzdem fahren immer wieder Lkw über die Brücke und behindern dadurch die Reparaturen.

-
Bild 1 vergrößern
+
Leverkusener Rheinbrücke der A1
Bis zu 3.000 Lastwagen, größere Lieferwagen und Wohnmobile sind es pro Tag, die in beide Richtungen über die Rheinbrücke fahren - obwohl sie es seit Ende November 2012 nicht mehr dürfen. Denn seitdem beheben zwanzig Bauarbeiter im Schichtdienst Schäden an der Brücke. Es handelt sich um Risse in der Nähe der Schweißnaht von zwei Blechen, die durch die ständige Bewegung auf der Brücke entstanden sind. Über 20 große Schäden seien bereits behoben, fasst Laurenz Braunisch von der Kölner Niederlassung des Landesbetriebs Straßen NRW zusammen. Die Bauarbeiter kümmerten sich nun um rund 200 mittelgroße Schäden. Ab Anfang März soll die Brücke wieder für Lastwagen, größere Lieferwagen und andere Fahrzeuge über 3,5 Tonnen freigegeben werden.
Neue Brücke bereits beschlossene Sache
Die Schäden seien entstanden, weil die Rheinbrücke schlicht das Ende ihrer Leistungsfähigkeit erreicht habe, meint Braunisch: "Mitte der 60er Jahre ist sie mit zwei mal zwei Fahrstreifen gebaut worden, ausgelegt für eine Verkehrsbelastung von 30 bis 40.000 Fahrzeugen." In den 80ern erfolgte dann der Ausbau auf insgesamt sechs Spuren. "Mittlerweile", erläutert Braunisch, "fahren gut 100.000 Fahrzeuge am Tag über die Brücke, und davon sind bis zu 20.000 Lkw."
Deshalb ist eine neue Brücke bereits beschlossene Sache: Sie ist für 2020 geplant und soll insgesamt acht Fahrstreifen haben. Doch obwohl der Neubau beschlossen ist, müssen die bestehenden Schäden ausgebessert und neue Bleche aneinander geschweißt werden. "Wir sind nicht in einer Situation, wo wir Angst haben müssen, dass das Ding in den Bach fällt", sagt Braunisch , "aber es ist schon elementar, dass diese Schäden an der Brücke ausgebessert werden."
Jede dritte Naht muss neu gemacht werden
Es sind diese Arbeiten, die von den schweren Fahrzeugen behindert werden. "Wenn ein Lkw über die Brücke fährt, gerät die Brücke ins Schwingen", erklärt Braunisch. "Wenn in dem Moment gerade Bleche aneinander geschweißt werden, schwingen die Bleche nicht synchron. Außerdem kann sich eine frisch geschweißte Naht durch die Erschütterungen wieder lösen." Das falle bei Prüfungen auf - und die Naht müsse wiederholt werden. Bei einem Drittel aller Schweißnähte sei das der Fall, sagt Braunisch.

-
Bild 2 vergrößern
+
Im Innern der Leverkusener Rheinbrücke sind zahlreiche Risse aufgetreten
Ändern können die Bauarbeiter daran nichts. "Die können nur fluchen", meint Braunisch. Es ist die Aufgabe von Stadt und Polizei, die Sperrung der Brücke für schwere Fahrzeuge durchzusetzen. "Wir versuchen, die Wagen vor der letzten Abfahrt rauszuziehen", sagt Karlo Kreitz von der Kölner Polizei. Wenn das nicht gelinge, könne die Polizei die Lastwagen erst anhalten, wenn sie die Brücke bereits passiert hätten. Dann seien 70 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig.
Sperrung nicht zu 100 Prozent durchsetzbar
Angesichts kilometerlanger Umwege, beispielsweise über die Rodenkirchener Brücke im Kölner Süden, die oft genug auch überlastet sind, erscheint das Bußgeld wohl dennoch vielen LKW-Fahrern die günstigere Variante. "Zu 100 Prozent", gibt Polizeisprecher Kreitz zu, "können sie ein Durchfahrverbot nur durchsetzen, wenn sie die Lkw vor der Brücke selektieren und ableiten. Da wäre aber der Riesen-Stau vorprogrammiert."
Auch so macht sich die Sperrung der Rheinbrücke für schwere Fahrzeuge allgemein bemerkbar. Insbesondere die Fahrtrichtung Dortmund-Köln sei betroffen, heißt es in der WDR-Verkehrsredaktion. "Da wo sich der Verkehr sonst auf drei Kilometern gestaut hat, sind es jetzt bis zu zehn Kilometer", sagt Lisa Griesing. Doch nicht nur in punkto Länge haben die Staus zugenommen, sagt sie. Die Verkehrsredaktion habe auch beobachtet, dass die Staus früher am Tag beginnen und sich nicht so schnell auflösen, wie vor Beginn der Bauarbeiten.
Da mag es ein gewisser Trost sein, dass Straßen NRW trotz der von den Lastwagen verursachten Behinderungen die Arbeiten termingerecht beenden will und die Brücke Anfang März wieder für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen befahrbar sein soll. "Bei solchen Arbeiten muss man schließlich immer einen Puffer einbauen", meint Laurenz Braunisch, "sonst käme man ja in Teufels Küche."
Stand: 28.01.2013, 15.41 Uhr
Kommentare zum Thema (32)
letzter Kommentar: 30.01.2013, 22:48 Uhr
- ingo schrieb am 30.01.2013, 22:48 Uhr:
- Na, was der Anonym am 29.01 17:33 schrieb, ist doch blödsinn. Ich würde mal eher sagen, Deutschland soll mal weniger in die EU und und in andere Länder stecken. Hier wird überall gespart, aber für andere ist Geld genug da.
- Willi schrieb am 30.01.2013, 12:41 Uhr:
- Lange auf so ein qualifizierten Beitrag gewartet, wie von Anonym 29.01.2013 17.33 Uhr. Wer sollte auch sonst Schuld sein, dass die LKW Fahrer einfach durchfahren. Fehlt eigentlich noch die Mitteilung, dass das alles Ossis sind. Die kennen doch keine Schilder und autofahren schon garnicht.
- Anonym schrieb am 30.01.2013, 12:26 Uhr:
- Warum spannt man nicht einfach einen dicken Eisenträger in 2m Höhe quer über die Fahrbahn, mit deutlicher Vorankündigung vor der nächsten Abfahrt natürlich.
- Anonym schrieb am 30.01.2013, 09:12 Uhr:
- Ich kann das Verständnis für die LKW Fahrer nicht vertsehen!! Es ist ein Verbot gegeben und es wird einfach gefahren. Wenn die Fahrer auf dem Standstreifen Pause machen, sind sie es selber Schuld!! Dazu kommt es doch nur, weil sie bis auf die letzte Minute fahren, genauso ist es auch mit der Parkplatzsuche, immer bis zum Limit Gas geben. Viele Fahrer haben mehr Respekt vorm Chef als vor der Polizei. Außerdem sind die Strafen für so ein Durchfahrtsverbot in Deutschland ein Witz, in Frankreich sieht das anders aus, da fahren sie nicht einfach durch. Die Fahrer sind immer am weinen, wie schlecht es ihnen doch geht und welchen Zeitdruck sie haben, dabei umgehen sie so einige Regeln. Glaubt mir, sie machen sich oft selber den Streß!! Ich habe selber lange genug gefahren und habe viele Fahrer kennen gelernt. Wenn so mancher Fahrer mehr Stolz hätte, hätten die Unternehmer auch nicht so viel Macht über sie.
- Anonym schrieb am 29.01.2013, 21:48 Uhr:
- Mir tun die LKW-Fahrer leid. Aufgrund der einzuhaltenen Lenk- und Ruhezeiten machen sie ihre "Pause" nun zwischen Burscheid und dem AK Lev. auf dem Standstreifen(!). Wann reagiert die Politik endlich auf diesen Verkehrsinfarkt. Lösungen gibt es. Aber nicht wenn auf einer stillgelegten Bahntrasse eine B 51n (Wermelskirchen), oder Fahrradwege gebaut werden. Was hätte hier aus dem Oberbergischen via RS- Lennep eine leistungsstarke S-Bahn- (und Güterverkehr) Strecke nach Opladen entstehen können, nein, alles auf`s "Gummi", unsere Kinder werden stolz auf uns sein.
Seite teilen
Über Soziale Medien