Gaunerstück in Grevenbroich: Der Honorarkonsul als Bankräuber
Jahrelang galt er in Grevenbroich als Wohltäter und Honorarkonsul von Burundi. Sogar ein örtlicher Schützenverein war stolz auf seine Mitgliedschaft. Dann überfiel Jean-Claude M. unter rätselhaften Umständen seine eigene Hausbank. Eine Posse um eine Gaunerei in Grevenbroich.
Er zählte zu den angesehenen Bürgern der Stadt Grevenbroich. Der 47-jährige Familienvater sammelte Geld für wohltätige Zwecke. Er war oft und gern gesehener Gast auf allerlei gesellschaftlichen Anlässen - wohl auch, weil er sich als Honorarkonsul von Burundi ausgegeben haben soll. Seit Juli 2012 sitzt Jean-Claude M. in Haft. Noch in diesem Herbst könnte der Prozess vor dem Landgericht Mönchengladbach beginnen. Der Vorwurf: Bankraub.
Mit Beute aus Afrika zurück
Es ist eine rätselhafte Geschichte: Laut Polizei überfällt am 26. Juni ein "dunkelhäutiger Mann" mit vorgehaltener Pistole ein Geldinstitut. Der Täter erbeutet rund 15.000 Euro und flüchtet per Fahrrad. Aufgrund von Zeugenaussagen wird M., einer der wenigen Schwarzen in Grevenbroich, als Tatverdächtiger ausgemacht. Bei einer Wohnungsdurchsuchung findet die Polizei die Pistolen-Verpackung und verdächtige Bekleidung. Doch als die Beamten M. festnehmen wollen, ist er mit seiner Familie nach Afrika verreist. Erstaunlicherweise kehrt M. aber rund drei Wochen später nach Europa zurück, samt Beute im Koffer. Am Flughafen Brüssel nehmen belgische Polizisten M. fest. Seitdem sitzt er in Deutschland in Untersuchungshaft.

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Der Angeklagte M. soll diese Bank in Grevenbroich überfallen haben
"Mein Mandant macht manchmal einen konfusen Eindruck", sagt Rechtsanwalt Oliver Wintz über den Tatverdächtigen. Der ganze Ablauf sei ja "nicht ganz normal". Beispielsweise solle M. seine eigene Hausbank überfallen haben. Möglicherweise müsse die Schuldfähigkeit von M. eingeschränkt werden. Zum Motiv schweigt sich der Rechtsvertreter aus. Handelte M. aus Geldnot? "Mein Mandant ist arbeitslos", sagt Wintz knapp.
Zweifel an Schuldfähigkeit
Die Richter hätten eine psychiatrische Begutachtung angeordnet, sagt ein Sprecher des Landgerichts Mönchengladbach. Wann dem 47-Jährigen der Prozess gemacht wird, ist noch offen. "Möglicherweise ab November", sagt der Gerichtssprecher. Bei den ersten Befragungen durch die Polizei hatte M. bereits ein Geständnis abgelegt.
In Grevenbroich herrscht Ungläubigkeit und oft peinlich-betretenes Schweigen über den Fall Jean-Claude M. Der des Bankraubs Angeklagte galt gemeinhin als beliebter und umtriebiger Geschäftsmann. In dem 65.000-Einwohner-Städtchen hatte der örtliche Schützenverein "Klabautermann" erst im vergangenen Jahr mitgeteilt, man habe "Jean-Claude, Honorarkonsul von Burundi als neues aktives Mitglied in unseren Reihen aufgenommen - super Sache!" Die Mitteilung findet sich noch immer auf der Website der Schützen. Eine schriftliche Anfrage an den Verein zur Rolle von M. blieb unbeantwortet.
Botschaft von Burundi geht auf Distanz

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Per Pressemitteilung geht die Botschaft auf Distanz zu M.
Nach mehrmaliger Anfrage teilt die Botschaft von Burundi in Berlin schriftlich mit, dass M. "nirgends Honorarkonsul der Republik Burundi ist". Gleichwohl verfolge man den Fall "mit Interesse, in dem es um einen burundischen Staatsangehörigen geht, der zur Zeit in Deutschland lebt, und vertraut auf ein angemessenes Urteil der deutschen Justiz". Da M. wegen des Bankraubs ohnehin eine Strafe droht, dürfte der Vorwurf der Hochstapelei wohl vor Gericht als Nebendelikt unter den Tisch fallen, heißt es aus Ermittlerkreisen.
Honorarkonsuln sind nach Auskunft des Auswärtigen Amts in Berlin meist ehrenamtlich tätige Bürger, denen von einem Staat Aufgaben einer berufskonsularischen Vertretung übertragen wurden. Ein netter Titel, der viel hermacht, auch in Grevenbroich. M. tanzte in Grevenbroich und deutschlandweit auf vielen Hochzeiten, als Menschenfreund und Organisationstalent. Er sammelte Spenden für Kinder und Jugendliche in Burundi. "Die monatlichen Kosten für eine entsprechende Versorgung mit dem Nötigsten belaufen sich auf rund 30,- Euro", heißt es auf der Internetseite des Hilfsvereins. In Grevenbroich dürfte einige Spender nach den Vorwürfen gegen den mutmaßlichen Bankräuber nun wohl ein ungutes Gefühl beschleichen.
Delegationsmitglied und Kontaktvermittler
Auch staatliche Stellen arbeiteten mit M. zusammen. Erst Anfang 2011 reiste er als Delegationsmitglied der landeseigenen Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) nach Burundi. M. firmierte unter anderem als "Kontaktvermittler zu den burundischen Ministerien". Auf Nachfrage gibt sich die SEZ ahnungslos über den Kontaktmann im Zwielicht. Unklar bleibt, wie es M. gelang, in die offizielle Reisedelegation zu kommen.
In Grevenbroich, wo M. im Sommer 2011 von CDU-Bürgermeisterin Ursula Kwasny laut einer städtischen Mitteilung gemeinsam mit anderen Staatsgästen aus Burundi als "Honorarkonsul" im Rathaus empfangen worden war, wird die einstige Nähe zum früheren Gesprächspartner heruntergespielt. "Der war nur einmal zum Kaffeetrinken hier, das war kein richtig offizieller Termin", sagt ein Stadtsprecher. Inhalte des Gesprächs sind nicht überliefert.
Dass M. auf Menschen herzlich, zupackend und überzeugend wirken kann, bewies er sogar auf seiner Flucht. Als die Polizei den mutmaßlichen Täter per Hubschrauber suchte, versteckte sich M. in einem Garten unweit der überfallenen Bank. Als der Hausbewohner den ungebetenen Gast ansprach, was er in seinem Garten zu suchen habe, redete sich der Mann aus Burundi heraus, er unterstütze die Polizei bei der Suche nach einer verschwundenen Alzheimer-Patientin aus dem nächsten Altenheim. M. wurde sofort Glauben geschenkt - und so stand der weiteren Flucht nichts im Wege.
Stand: 09.10.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (11)
letzter Kommentar: 12.10.2012, 21:20 Uhr
- Mel schrieb am 12.10.2012, 21:20 Uhr:
- Die deutsche Justiz wird schon wissen welches Urteil angebracht ist! Wie es passiert ist und wo genau die Waffe hingehalten worden ist, weiß nur der Herr & die Angestellten. Man sollte nach denken bevor man irgendwelche "angeblichen" tatvorgänge in die Welt setzt.
- Bankerin schrieb am 12.10.2012, 18:59 Uhr:
- Der Hubschrauber ist wohl zurecht eingesetzt worden! Es war ein bewaffneter Raubüberfall und die Tatwaffe ist den Angestellten an den Kopf gehalten worden. Und ich bete, dass er mit der Nummer der "Schuldunfähigkeit" nicht durchkommt !!!
- Fatem schrieb am 10.10.2012, 00:55 Uhr:
- Was kostet diese POSSE den Steuerzahler? Die Verwaltung wird sicher nicht zur Kasse gebeten, obwohl sie fuer ihre Dummheit bezahlen sollten.
- Atze schrieb am 09.10.2012, 15:39 Uhr:
- Man würde sich wundern, wieviele angesehene Bürger- Rechtsanwälte, Zahnärzte, Steuerberater etc. schon abgezogen wurden, sich aber aus Scham- oder war es Schwarzgeld- nicht gemeldet haben. Es sind nicht nur Doofe in der Verwaltung tätig. Dennoch sollte man schon bei unglaubwürdigen Geschichten ein wenig recherchieren. Das geht doch per Internet sowas von gut und könnte manchen Scharlatan entlarven. Aber wir haben es ja an Herrn von Guttenberg gesehen, wie leicht eine Täuschung gelingen kann oder auch bei Frau Koch - Mehrin oder Herrn Chatzimakakis.
- Colonia schrieb am 09.10.2012, 14:46 Uhr:
- Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich offenbar leichtgläubige Verwaltungsmenschen in Gemeinden und Städten, in Bund und Land blenden lassen. Honorarkonsul, Investor, Menschenfreund. Siehe hierzu auch "Finanzierung Nürburgring" (Assistent eines Zirkusdirektors/nicht existierender, dafür aber angeblich millionenschschwerer "Onkel" aus Amerika - Spiegel-TV), Finanzierung des WCCB in Bonn (koreanischer Betrüger). Die Summen müssen nur groß genug sein und die entsprechenden, am besten noch exotischen Zeitgenossen nur forsch genug auftreten und schon schmelzen sie dahin, die Verantwortlichen in den Ämtern. Da wird nicht geprüft, da wird nicht eindringlich genug nachgefragt. Wenn's schief geht, macht nix. Dafür ist ja dann der Steuerzahler da! Und wenn es dann tatsächlich zum Showdown kommt: Niemand ist mehr zuständig. Vielleicht ein kleines Bauernopfer. Aber mehr auch nicht. Der gesunde Menschenverstand bleibt einfach auf der Strecke.
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