Zahl der Asylsuchenden stark gestiegen NRW sucht neue Unterkunft für Asylbewerber

Die Flüchtlingsunterkünfte in NRW sind seit Monaten überbelegt, eine Einrichtung in Dortmund wurde sogar wegen Überfüllung geschlossen. Nun sucht das Land ein neues Quartier. Möglicherweise kann ein Krankenhaus in Neuss zur Übergangseinrichtung umgenutzt werden.


Flüchtlinge liegen in den Betten der provisorischen Unterkunft in der Brügmannhalle in Dortmund
Bild 1 vergrößern +

Notunterkünfte mussten eingerichtet werden

Die Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Dortmund ist für 650 Personen ausgelegt, nach Angaben der Stadt Dortmund befinden sich dort aber zur Zeit fast 1.000 Menschen. Seit Anfang der Woche sei die Zahl der Bewerber "explosionsartig gestiegen", sagte ein Stadtsprecher am Mittwoch (10.10.2012). Als dann auch noch die Windpocken in der Einrichtung ausbrachen, musste die Einrichtung ihre Tore schließen und mehr als 100 Menschen in einer Notunterkunft unterbringen. Ähnlich sieht die Situation in Hemer aus. Auch dort platze die Unterkunft aus allen Nähten, sagte der Sprecher der zuständigen Bezirksregierung aus Arnsberg.

Verhandlungen über leerstehendes Krankenhaus in Neuss

Um die überfüllten Unterkünfte zu entlasten, will das Land NRW in Neuss eine weitere Einrichtung eröffnen, die 500 Personen Platz bieten soll. Hierfür soll ein leerstehendes Krankenhaus genutzt werden. Wie eine Sprecherin des Innenministeriums bestätigte, befindet sich das Land in Verhandlungen mit dem Alexianer-Orden, dem das Gebäude gehört. Allerdings könne das Gebäude nach jetztigem Stand nur zwei Jahre genutzt werden. "Die endgültige Suche nach einer Unterbringungseinrichtung ist noch nicht beendet", sagte die Sprecherin.

Stadt Köln wurde zur Aufnahme gezwungen


Ein Mitarbeiter der Stadt Koeln geht in einer Mehrzweckhalle in Koeln - Deutz zwischen Feldbetten fuer Asylbewerber hindurch
Bild 2 vergrößern +

Notunterkunft für 200 Flüchtlinge in Köln-Deutz

In Köln wurde am Mittwoch (10.10.2012) eine Sporthalle für 200 Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, wie die Stadtverwaltung und das Innenministerium mitteilten. Dort sollen kurzfristig Asylbewerber aus der überfüllten Anlaufstelle in Dortmund unterkommen. Die Stadt Köln hat sich nach eigenen Angaben zunächst gewehrt, die zusätzlichen Kapazitäten zu schaffen. Mit dem Hinweis auf die bereits "prekäre Unterbringungssituation" in Köln sei ein Amtshilfeersuchen der Bezirksregierung Arnsberg abgelehnt worden, teilte die Stadt mit. Die Zuzüge von Flüchtlingen hätten sich in den vergangenen beiden Wochen verdoppelt und die Möglichkeiten zur Unterbringung "völlig gesprengt". Mit einer schriftlichen Anordnung an die Stadt Köln hat das Innenministerium am Donnerstag dann aber doch die Aufnahme der Asylbewerber erwirkt.

Zahl der Flüchtlinge stark gestiegen

Die neue Unterbringung ist nötig, weil der Zustrom von Flüchtlingen besonders aus Syrien, Serbien und Mazedonien in den vergangenen Wochen stark zugenommen hat. In Nordrhein-Westfalen beantragten in den ersten acht Monaten dieses Jahres knapp 8.250 Menschen erstmals Asyl; im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es rund 1.700 Erstanträge weniger.

Zentrale Stellen in Dortmund, Bielefeld, Hemer und Schöppingen

In NRW gibt es zwei Erstaufnahmeeinrichtungen in Dortmund und in Bielefeld, in denen die Asylbewerber nach ihrer Ankunft im Land nur ein paar Tage bleiben sollen. In diesen Einrichtungen werden Akten angelegt, die Gründe für den Antrag erfragt sowie Fotos und Fingerabdrücke genommen. Danach kommen sie in zentralen Durchgangsseinrichtungen unter, wo sie Wochen oder Monate bleiben können, bis sie auf die Kommunen verteilt werden. Derzeit gibt es eine dieser Durchgangseinrichtungen in Schöppingen und eine in Hemer. Insgesamt sind die vier Einrichtungen offiziell für etwa 1.550 Personen ausgelegt.


Stand: 11.10.2012, 17.25 Uhr


Kommentare zum Thema (111)

letzter Kommentar: 12.10.2012, 16:56 Uhr

Einfach konsequent sein! schrieb am 12.10.2012, 16:56 Uhr:
Schlimm sind auch diese "Gutmenschen" die wann immer ein Geduldeter oder ehemaliger Asylant in sein Herkunftsland verbracht werden soll die abstrusesten Gründe anführen warum das nicht vollzogen werden darf. Warum darf eigentlich ein ehemaliger Asylant gegen seine Rückführung klagen? Wenn die Asylgrund entfallen ist muß Schluß sein mit dem Deutschlandaufenthalt. Was gibt es denn da noch mit Gerichten zu klären? Das kostet jede Menge Geld, die Zeit der Gerichte und Richter und wofür? Wenn wir nicht in der Lage sind aufgenommene Flüchtlinge nach dem Wegfall des Flucht oder Asylgrundes konsequent, also ohne wenn und aber, in ihre Heimatländer zurückzuführen dann sollten wir erst gar keine Flüchtlinge aufnehmen. Wir schaden unserm Land und unserer Gesellschaft sehr mit diesem inkonsequenten Handeln.
Diener schrieb am 12.10.2012, 16:15 Uhr:
Ein brisantes Thema und wer sich kritisch bis ablehnend damit auseinandersetzt, wird auch noch plitisch gedeckelt, als Rechtsaußen oder schlimmer bezeichnet. Ich kann die Sorge, manchmal sogar Wur desjenigen verstehen, der hier mehr als 40 Jahre gearbeitet hat und sich mit einer Rente unter 900,-€ im Monat abgespeist sieht. Da kommt Neid mit denjenigen auf, die hierher kommen, Unterkunft, Energie, Wasser, medizinische Versorgung und Geld erhalten. Für manchen schwer verifizierbar, haben "die" doch nichts geleistet für unser Land. Im Gegenteil, sie kommen und bekommen noch dazu. Die Politik ist gefragt, dem Bürger das zu erklären, durch solches Verhalten der Politik könnten Unruhen aufkommen. Hilfe ja, aber ausnutzen sollte sich der Staat nicht lassen. Ich bin schon für Hilfe, aber wenn in der Heimat der Asylsuchenden die Lage eine Rückkehr zulässt, dann wieder ab hier und kein Aufenthalt auf Dauer. Hier sind nicht die wirtsch. Probleme der Welt zu lösen.
alter Kölner schrieb am 12.10.2012, 16:09 Uhr:
Das man eine Stadt zwingen kann "Flüchtlinge" aufzunehmen ist äußerst fragwürdig. Das es Menschen vom Balkan sind zeig doch ganz deutlich das die real gar keine Flüchtlinge sind. Der Balkan ist kein Kriegsgebiet mehr, gut es ist sicher nicht besonders angenehm dort zur Zeit aber das kann nicht unser Problem sein! Diese Scheinflüchtlinge sollten sich schämen! Als alter Kölner kann ich mit Gewissheit sagen, wilkommen sind diese Leute bei der Kölner Bevölkerung nicht!
U. B. schrieb am 12.10.2012, 14:47 Uhr:
Auch hier stimme ich "domstaedter" wieder vollkommen zu. Ich glaube kaum, dass vom Balkan noch "Flüchtlinge" aufgenommen werden müssen. Diese Staaten beantragen EU-Aufnahme und stehen teilweise kurz davor (Kroatien) und dann wird das Volk hier als "Flüchtling" aufgenommen? Ich fasse es nicht !
domstaedter schrieb am 12.10.2012, 13:56 Uhr:
In Deutschland können 600.000 Menschen ihre Stromrechnung nicht bezahlen. Viele können vermutlich in diesem Winter nicht mal die Heizung in Betrieb nehmen. Da ist es natürlich klar, dass wir vorrangig sozial schwachen diskriminierten Südosteuropäern zu helfen haben. Kalte Winter in der Heimat und 336 Euro Zuwendung in Deutschland sind ein allzu verständlicher Grund, Asyl zu beantragen. Wir könnten ja jedem Betroffenen den Betrag direkt nach Serbien oder Mazedonien überweisen, das würde ihnen den beschwerlichen Weg nach Deutschland in überfüllte Aufnahmestellen ersparen und ein würdiges Leben in der Heimat ermöglichen... Zumindest landet die Hilfe dann nicht bei den korrupten Regierungen des Balkans, die sich davon schicke Häuser bauen und deutsche Luxus-PKW finanzieren würden... Es ist eine deutsche Vorzeigepolitik in Sachen Flüchtlinge, Asyl & Zuwanderung, die bei der hiesigen Bevölkerung doch zunehmend besser ankommt.

Alle Kommentare anzeigen