50 Jahre Ampelmännchen Leuchtender Kult-Knirps

Von Katja Goebel

Es ist kurzbeinig, knollennasig, trägt Hut und ist dennoch Kult - das ostdeutsche Ampelmännchen. Vor 50 Jahren begann seine Erfolgsgeschichte in der DDR. Heute leuchtet der Knirps längst auch auf Westampeln - wie zum Beispiel in Essen.


Ostdeutsches Ampelmännchen

Am Berliner Platz in Essen haben ein paar von ihnen vor Kurzem ihr neues Quartier bezogen. Erst Mitte August 2011 tauschte das Bauamt an der Innenstadt-Kreuzung zwischen Collosseum Theater und Arbeitsamt die Ampelmännchen aus. Statt hüftsteif und unbehütet wie ihre westlichen Pendants, strahlen jetzt hier ostdeutsche Ampelmännchen um die Wette.

"Ich find die Männchen klasse", sagt Bauamtsleiter Dieter Schmitz, dessen Stellvertreter die Idee hatte, die Burschen auch nach Essen zu holen. "Wir wollten etwas, das zum Berliner Platz passt. So ist mein Kollege auf die Ost-Ampelmänchen gekommen." Mit dem 50. Jubiläum habe das aber nichts zu tun. "Ist doch schön, da haben die Leute was zu gucken, wenn sie an der Ampel warten müssen."

Erst Amputation, dann Kultstatus


Ostdeutsches Ampelmännchen
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Grünes Kultobjekt mit Hut

Die Erfolgsgeschichte des Ampelmännchens begann am 13. Oktober 1961 in der DDR. Erdacht vom Verkehrspsychologen Karl Pelau. Als der seine Idee vor 50 Jahren offiziell der Verkehrsbehörde vorstellte, hatte das Ampelmännchen noch ein lachendes Gesicht, Ohren und fünf Finger an jeder Hand - Details, die beim Gang durch sämtliche Genehmigungsinstanzen allerdings verloren gingen. Finger und Ohren wurden schlichtweg amputiert und das Lachen ausradiert - aus "ausleuchtungstechnischen Gründen". Selbst die Laufrichtung des grünen Mannes wurde angeblich von rechts nach links geändert.

Die erste Ampelanlage mit Ampelmännchen ging schließlich 1969 in Berlin in Betrieb und wurde später weltweit kopiert. Als man dem nostalgischen Ampelmännchen nach der Wende an den Kragen wollte und den pummeligen Ostmann gegen den langbeinigen aber irgendwie charakterlos wirkenden Westmann austauschen wollte, regte sich Protest. Mittlerweile ist der Knirps mit Hut Kult - nicht nur auf Ampelanlagen. Längst ziert er auch hippe Taschen und T-Shirts oder steht für Lampen oder Schlüsselanhänger Modell.

Dick, aber dynamisch

Nicht nur der Hut unterscheidet den Ostampelmann von seinem westlichen Nachfolger. Der dickliche rote Ostmann streckt auch dynamisch die Arme weit nach rechts und links aus, statt einfach nur stocksteif zu stehen. Da sich das "neue" Ampelmännchen auf den Essener Verkehrsampeln allerdings den Platz mit einem leuchtenden Fahrrad teilen muss, fällt es eher mickrig aus. "Die Proportionen sind geschrumpft", gesteht Amtsleiter Schmitz.

Wer nicht gut sieht, könnte den roten Knirps glatt für ein Kreuz halten. So manchem Passanten in der Essener Innenstadt ist das ostalgische Ampelmännchen noch gar nicht aufgefallen. "Jetzt, wo sie es sagen", gibt einer beim Warten auf das grüne Licht zu. "Das kenne ich aus Berlin. Aber das gibt es auch in Baden-Württemberg", sagt ein anderer. "Ich hätte da keinen Unterschied bemerkt, ich kenne aber das Ostampelmännchen auch gar nicht", so eine junge Frau und ergänzt: "Ehrlich gesagt, wäre mir das aber auch egal, was da für ein Männchen leuchtet." Doch es gibt auch Fans des Ampelmanns: "Ich finde es viel schöner, als die anderen Ampelzeichen", sagt schließlich ein Fußgänger und wünscht sich mehr davon im Stadtgebiet.


Stand: 13.10.2011, 09.59 Uhr


Kommentare zum Thema (5)

letzter Kommentar: 13.10.2011, 21:07 Uhr

Hammer schrieb am 13.10.2011, 21:07 Uhr:
Hier in Hamm gibt es sogar vermehrt ,,Ampelweibchen'' :-)
Hücki schrieb am 13.10.2011, 12:52 Uhr:
Genau, und deshalb hat die Stadt Hückeswagen im Bergischen Land seit dem 23.07.10 als erste Stadt in Westdeutschland flächendeckend ihre Ampelanlagen auf die hübschen Ampelmännchen umgestellt! Wie sollten gute Dinge aus dem ehemals ostdeutschen Alltag nur dort bleiben?
Frank Buescher schrieb am 13.10.2011, 12:11 Uhr:
Die Version ohne Fietze ist viel schöner.
Kunstraub! schrieb am 13.10.2011, 10:58 Uhr:
Das Ampelmännchen gehört nach Berlin...und nur nach dort.
ad hoc schrieb am 13.10.2011, 10:17 Uhr:
Ein Ampelmännchen, das Fahrradakrobatik betreibt, wie schnuckelig. Hoffentlich taucht kein Bedenkenträger auf, der es wieder abschaffen will, weil es auf Kinder animierend wirkend könnte...