Zoo-Besucher bestimmen Eintrittspreis: Tierische Preis-Freiheit
Im Dezember gilt "Zahlen Sie, was Sie wollen". Diesen Monat dürfen Zoo-Besucher in Münster selbst entscheiden, wieviel Geld sie an der Zoo-Kasse lassen. Initiator ist ein Marketing-Experte der Hochschule in Aachen. Er will herausfinden, warum die einen mehr, die anderen weniger für Pinguin, Löwe und Co. bezahlen wollen.

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Glückliche Zoo-Besucherinnen
Silvia Meyknecht aus Münster und ihre Freundin Britta Kunze aus Dinslaken sind total glücklich. Sie haben in Münster an der Zoo-Kasse nur fünf Euro pro Person bezahlt. "Ein echtes Schnäppchen", sagen sie. Den normalen Eintrittspreis von 14 Euro für einen Erwachsenen hätten sie nicht gezahlt. "Das ist viel zu teuer", meint Britta Kunze. "Da wären wir gar nicht auf die Idee gekommen, in den Zoo zu gehen."
Bezahlen – aus freien Stücken
Die beiden Frauen hätten auch gar nichts bezahlen müssen. Sie durften schließlich selbst entscheiden. "Für mich", sagt Britta Kunze, "kommt das nicht in Frage. So ein Zoo-Betrieb kostet viel Geld. Die Tiere, die Pfleger, das ganze Drumherum. Das muss ja irgendwie bezahlt werden. Das will ich gar nicht kostenlos haben."

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"Zahlen Sie, was Sie wollen!"
Ähnlich reagieren am ersten Tag der Aktion "Zahlen Sie, was Sie wollen" im Zoo in Münster viele Besucher. Sie zahlen, obwohl sie nicht müssen, die meisten aber deutlich weniger als den Normalpreis. "Ich war gar nicht darauf vorbereitet, und als ich am Zoo-Eingang hörte, dass ich selbst entscheiden darf, wieviel ich zahle, da habe ich mich natürlich gefreut", erzählt ein Besucher im Bären-Haus. Er hat vier statt 14 Euro bezahlt. "Für zwei Stunden – länger will ich gar nicht im Zoo bleiben – halte ich das für angemessen", sagt der Mann.
Für Besucher geht die Rechnung auf

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Simone von Straelen notiert für die Forschung, wie viel sie gezahlt hat
Eine Frau mit zwei Kindern steuert auf den Pferdepark zu. Auch sie ist begeistert. Sie hat insgesamt 10 Euro an der Kasse bezahlt. Normalerweise hätte sie 28 Euro für den Zoo-Besuch ausgeben müssen. "Es ist natürlich klasse, dass wir hier so günstig reinkommen. Aber ich glaube nicht, dass sich das für den Zoo rechnet." Darüber macht sich auch Simone von Straelen Gedanken. Auch sie hat für sich und ihre beiden Kinder nur 10 Euro Eintritt bezahlt. "Also wir wären gar nicht hier, wenn es nicht so günstig wäre. Aber vielleicht ist das ja der Trick, dass bei frei wählbaren Eintrittspreisen mehr Leute in den Zoo kommen."
Mehr Besucher, höhere Umsätze?
Genau das ist der Grund, warum sich der Zoo in Münster auf das Experiment eingelassen hat. "Wir hoffen, dass wir die Einbußen, mit denen wir rechnen müssen, wenn Besucher weniger als sonst üblich zahlen, ausgleichen können, und zwar durch mehr zahlende Besucher", sagt Zoo-Direktor Jörg Adler. Er hält das Risiko der Aktion "Zahlen Sie, was Sie wollen" für überschaubar. "Stellt sich am Ende des Monats heraus, dass wir weniger eingenommen haben als sonst, dann ist das zu verkraften. Der Dezember ist sowieso kein guter Monat für den Zoo, da gehen die Leute lieber auf den Weihnachtsmarkt" sagt Adler. Aber eigentlich hofft der Zoo-Direktor auf die möglichen positiven Effekte: mehr Besucher, höhere Umsätze.
Selbstbestimmtes Bezahlen – ein Fall für die Forschung

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Der Moment der Wahrheit: Was ist den Besuchern der Zoo-Besuch wert?
Marcus Kunter will darüber nicht spekulieren, er will es genau wissen. Deshalb hat er die Aktion "Zahlen Sie, was Sie wollen" auch im Münsteraner Allwetterzoo initiiert. Der Mann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Marketing an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen und will erfahren, wie Kunden reagieren, die es gewohnt sind, dass Preise diktiert werden. Vor allem interssiert ihn, welche Faktoren dieses Zahlungsverhalten beeinflussen. "Es gibt einige Theorien", sagt Kunter, "zum Beispiel, dass Menschen freiwillig für eine Einrichtung bezahlen, weil die ihnen erhaltenswert erscheint, aber auch um sich selbst ein gutes Gefühl zu geben." Andere würden am liebsten gar kein Geld ausgeben, empfänden aber an der Kasse einen gewissen sozialen Druck, und zahlten, um nicht unangenehm aufzufallen.
Interview mit M. Kunter
Kunter hat vor einiger Zeit ein "Zahlen Sie, was Sie wollen"-Experiment am Zoologischen Museum Alexander Koenig in Bonn durchgeführt. Das Ergebnis ließ sich sehen. "Das Museum konnte die Umsätze um 40 Prozent erhöhen. Auch die Besucherzahlen waren höher als sonst, es gab etwa 20 Prozent mehr Besucher", erzählt Kunter. "Zahle Sie, was Sie wollen"-Aktionen, auch bekannt unter dem Namen "Pay what you want", gab es schon viele, in Restaurants, Hotels, in Online-Shops. "Aber wir wissen eigentlich nicht wirklich, was da vor sich geht, warum der eine Anbieter Erfolg hat, der andere weniger." Kunter will die freiwillige Preisbildung verstehen und seine wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnisse für Unternehmen nutzbar machen.
Andere Zoos scheuen das Risiko
Für Kunter ist der Zoo in Münster ein willkommenes Experimentierfeld. Der Wissenschaftler hatte auch andere Zoos in Nordrhein-Westfalen angefragt. Aber die meisten winkten ab. "Wenn wir den Besuchern die Preisbildung überlassen würden, dann würden wir gar nichts mehr in die Kasse bekommen", meinte eine Sprecherin im Zoo in Gelsenkirchen. Auch der Zoo in Wuppertal lehnte es ab, sich an der Studie zu beteiligen. "Wir warten erst einmal ab, wie das in Münster läuft."
Am ersten Tag kamen hunderte Besucher nach Münster. Der Zoo war zufrieden. Kassensturz wird aber erst am Ende der Aktion gemacht.
- Übrigens ...
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Kurz vor Ende der Recherche im Zoo, der Schreibblock war schon eingepackt, kam unsere Autorin Petra Brönstrup mit einer jungen Frau an der Kasse ins Gespräch. Sie meinte, sie fühle sich völlig überfordert. "Sonst stehen doch auch überall Preise dran!" Die junge Frau hat am Ende mehr gezahlt als den üblichen Eintrittspreis. "Wenn ich sehe, wie wenig manche Leute bereit sind zu zahlen, fühle ich mich dazu moralisch verpflichtet. Es muß ja ausgeglichen sein." Alle Achtung!
Stand: 02.12.2012, 10.27 Uhr
Kommentare zum Thema (4)
letzter Kommentar: 02.12.2012, 20:16 Uhr
- Userin schrieb am 02.12.2012, 20:16 Uhr:
- Ich glaube so etwas wirkt nur kurz. Könnte man das ganze Jahr zahlen was man will, so würden die Besucherzahlen wieder sinken. Ich finde es sollten bezahlbare Familienjahreskarten eingeführt werden. Damit lockt man Familien! (Wobei ich die Preise in Münster nicht kenne!)
- Uriel schrieb am 02.12.2012, 17:02 Uhr:
- ...wusste ich`s doch - die Affen können nicht nur sprechen, hi,hi - die können sogar schreiben, und zwischen "passend" und "unpassend" unterscheiden...:-)))
- Affe schrieb am 02.12.2012, 14:43 Uhr:
- @Uriel Fragen Sie nicht hier, sondern in Münster, das wirkt besser, als die unpassende Ironie.
- Uriel schrieb am 02.12.2012, 14:01 Uhr:
- Aus welchem Grund ist der reguläre Eintrittspreis in Münster ca. 50% höher als der Zoos z.B. in Wuppertal (10€) oder Krefeld (9,50€) ? Hat man dort u.U. den Affen vielleicht das Sprechen beigebracht?
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