Neue Gutachten gefordert Prozess gegen Alltours-Chef vertagt

Der Prozess gegen Alltours-Chef Willi Verhuven ist am Mittwoch (17.10.2012) völlig überraschend geplatzt. Der 62-jährige Verhuven soll im März 2012 einen Polizisten angefahren haben, der eine Straße für eine Demonstration gesperrt hatte.


Amtsgericht Duisburg
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Das Amtsgericht in Duisburg

Nach knapp zwanzig Minuten war alles schon wieder vorbei: Die Richterin am Duisburger Amtsgericht hat das Verfahren gegen den Alltours-Chef Willi Verhuven auf unbestimmte Zeit vertagt. Hintergrund sind zwei Anträge der Verteidigung. Danach sollen zunächst ein weiteres medizinisches und ein neues Verkehrsgutachten eingeholt werden. Der 62-jährige Reiseunternehmer bestreitet den Vorwurf, einen Polizisten angefahren zu haben.

Fahrlässige Körperverletzung und Widerstand gegen Beamte

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und fahrlässige Körperverletzung - so lautet der Tatvorwurf gegen Willi Verhuven, Gründer und Geschäftsführer des Reiseunternehmens Alltours. Verhuven soll am 21. März 2012 laut Anklage Anordnungen eines Polizeibeamten im Zusammenhang mit einer Demonstration der Gewerkschaft Verdi missachtet haben. Wegen der Kundgebung hatte der Polizist eine Kreuzung am Duisburger Innnenhafen für den Verkehr gesperrt.

Der Beamte soll Verhuven, der mit seinem Auto auf dem Weg zur Firmenzentrale war, auf die Sperrung der Zufahrt hingewiesen und ihn aufgefordert haben, anzuhalten und zu wenden. Daraufhin soll der Alltours-Chef "bewusst auf den vor seinem Pkw stehenden Beamten zugefahren" sein. Nach Darstellung der Anklage fiel dieser daraufhin auf die Motorhaube des Fahrzeugs und rutschte anschließend auf die Straße. Dabei soll sich der Beamte eine leichte Knieverletzung zugezogen haben.

Willi Verhuven widersprach dieser Darstellung jedoch. In einem offiziellen Firmen-Statement von Alltours heißt es: "Uns liegen übereinstimmende Zeugenaussagen vor, die berichten, dass der Polizist nicht angefahren wurde." Zeugen hätten vielmehr "gesehen, wie der Polizist mutwillig den Scheibenwischer zerstört und auf das Auto eingeschlagen" habe.

Verhuven-Anzeige gegen Polizist


Inzwischen liegt nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Duisburg eine Anzeige Verhuvens gegen den Polizisten vor. Der Geschäftsführer von Deutschlands viertgrößtem Reiseunternehmen wirft dem Beamten Sachbeschädigung vor. "Die diesbezüglichen Ermittlungen laufen noch", so Bernhard Englisch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg. Der Fall sei darüber hinaus "unabhängig zu betrachten und hat keine Bedeutung für die Hauptverhandlung gegen Herrn Verhuven", so Rolf Rausch, Sprecher des Amtgerichts. Sollte Verhuven verurteilt werden, muss er sich nach Angaben des Gerichtssprechers voraussichtlich auf eine Geldstrafe einstellen - "nach meiner Einschätzung ist das in solchen Fällen die übliche Sanktion".


Stand: 17.10.2012, 11.16 Uhr