FAQ zur Videoüberwachung in Geschäften Den Kunden immer im Blick

Von Lis Kannenberg

Beim Discount-Riesen Aldi Süd sollen Filialleiter heimlich attraktive Kundinnen gefilmt haben, das berichtet der "Spiegel". Außerdem soll das Zahlenfeld zur PIN-Eingabe bei Kartenzahlung durch Kameras erfasst worden sein. Wie einfach macht moderne Videoüberwachung einen möglichen Missbrauch? Wo sind die Grenzen? WDR.de hat mit Experten gesprochen.


Hinweisschild "Videoüberwacht" auf einer Glasscheibe
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Datenschützer wollen Überwachung prüfen

Wie gut ist die Bildqualität bei Überwachungskameras?

Inzwischen erschreckend gut. "Eine Kamera in der Größe eines Zuckerwürfels filmt heute in HD-Qualität", sagt C. Frank Yazdani, Inhaber eines Online-Shops in Baden-Württemberg, der sich auf Überwachungstechnik spezialisiert hat. Das Ergebnis sind also hochauflösende Bilder in Fernsehqualität. Fürs Schwenken und Zoomen brauche man allerdings eine größere Kamera. Meist sind das sogenannte Dome-Kameras, also Halbkugeln, die in Geschäften an der Decke montiert sind. "Wenn ein Mitarbeiter Zeit und Muße hat, kann der sich ins Büro setzen und mit dem Joystick die Kameras bedienen", sagt der Überwachungs-Experte.                     

Was spricht für Videoüberwachung in Geschäften?


Der Handelsverband NRW sieht in der Kameraüberwachung ein probates Mittel, um hohen Diebstahlquoten zu begegnen. Jedes Jahr fehle Händlern in Nordrhein-Westfalen bei der Inventur Ware im Wert von einer Milliarde Euro. "Für die Art und den Umfang der Videoüberwachung gibt es von uns aber keine Richtlinie oder Kodex, an den sich Mitglieder halten müssten", sagt Verbandssprecherin Anne Schauer. Grundsätzlich gilt, dass Schilder auf die Videoüberwachung hinweisen müssen.

Wie ist die Videoüberwachung bei Aldi Süd offiziell geregelt?


Logo der Discounterkette Aldi Süd
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Gutes Konzept, schlechte Umsetzung?

In einer ersten Stellungnahme zu den aktuellen Vorwürfen gab Aldi Süd an, sein Überwachungskonzept mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen (LDI) und einem weiteren Datenschutzexperten abgestimmt zu haben. "Wir haben die Konzernzentrale mit Sitz in Mülheim an der Ruhr 2010 beraten und das Konzept geprüft", bestätigt der Sprecher der Düsseldorfer Behörde Nils Schröder. "Dabei wurden sehr konkrete Vorschriften für verschiedene Bereiche wie Kassenzone oder Sozialräume festgelegt."

Zum Beispiel hat der Datenschutzbeauftragte gefordert, dass die Dome-Kameras an der Decke eine transparente Kuppel haben. So kann jeder von außen erkennen, in welche Richtung gerade gefilmt wird. "Das Steuern und Zoomen der Kameras war nicht konkret Inhalt des Konzeptes. Das nun beschriebene Filmen von Kundinnen und die Sichtbarkeit des Tastenfelds zur PIN-Eingabe an der Kasse ist so definitiv nicht zulässig", sagt Schröder.

Gibt es Grenzen zum Filmen im Kassenbereich?

Ganz im Gegenteil: C. Frank Yazdani, Händler für Überwachungstechnik, spricht davon, dass gerade die Eingaben für EC-Zahlungen interessant sind. "Sie können sehen, ob manipulierte Karten eingesetzt werden und ob überhaupt eine PIN eingetippt wird." Hintergrund ist die Angst vor Betrugsmethoden, bei denen die Karte auch ohne PIN-Eingabe akzeptiert wird. Nach Angaben der NRW-Landesdatenschützer setzt Aldi zumindest in der Schweiz einen sogenannten Privacy-Filter bei Kameras im Kassenbereich ein. Dabei handelt es sich um eine Software, die Aufnahmen vom sensiblen Bereich der Kasse schwärzt, egal, wie nah man ranzoomt.

Muss Aldi Süd mit Sanktionen rechnen?

Sollte sich herausstellen, dass Verstöße gegen den Datenschutz vom Konzern geduldet oder sogar gefördert wurden, handelt es sich laut NRW-Datenschutz um eine Ordnungswidrigkeit, die mit Bußgeld bestraft wird. Initiiert wird das Verfahren von den Landesdatenschützern vor Ort. Im aktuellen Fall wäre die Behörde in Hessen zuständig, weil dort die für die genannten Filialen zuständige Aldi-Untergesellschaft sitzt. Relativ neu ist die Möglichkeit für Datenschützer, eine Anordnung zu treffen. Dann müssten Kameras abgebaut oder anders eingestellt werden. Was die verdächtigten Mitarbeiter betrifft, spricht Aldi Süd selbst von "entsprechenden disziplinarischen sowie gegebenenfalls strafrechtlichen Maßnahmen".

Ist das angebliche Fehlverhalten der Aldi-Mitarbeiter ein Einzelfall?

Wie groß die Grauzone in der Nutzung von Videoüberwachung ist, kann nur schwer eingeschätzt werden. "Ein hoher Druck von oben hält Mitarbeiter nicht selten davon ab, sich bei Behörden zu melden, wenn im Betrieb etwas schief läuft", sagt Nils Schröder, Sprecher des NRW-Landesbeauftragten für Datenschutz. "Dem Kunden fällt die Überwachung im Zweifelsfall gar nicht auf und somit auch nicht ein möglicher Missbrauch", sagt Beate Wagner, bei der Verbraucherzentrale NRW zuständig für das Thema Datenschutz.


Stand: 30.04.2012, 11.58 Uhr


Kommentare zum Thema (11)

letzter Kommentar: 02.05.2012, 11.04 Uhr

Datenvermeider schrieb am 02.05.2012, 11.04 Uhr:
@steuerzahler: Wer mit EC Karte beim Einkaufen bezahlt ist, für mich, selber Schuld! Zum einen sind gerade im Einzelhandel die Geräte schon des öfteren manipuliert gewesen zum zweiten werden alle Einkäufe über Karte gespeichert. Nur Bares ist Wahres!
steuerzahler schrieb am 01.05.2012, 18.13 Uhr:
Wenn ich den Artikel richtig gelesen habe werden auch die Pin-Nr. mit bei der Eingabe gefilmt. Das halte ich für viel bedenklicher als eine Frau zu filmen die ja eigentlich wissen sollte welche Außenwirkung ihre Bekleidung hat. Auch wenn solche Aufnahmen sicherlich nicht korrekt sind. Wir wissen das wir in einem überwachten Staat leben also warum diese Aufregung. wieviele Handycam s laufen wohl in einer Badeanstalt oder ähnlichen Orten ? Der wesentlich Vorwurf das Filmen der Frauen ist eigentlich nur die Nebensache im Vergleich zu den Dingen die man an der Kasse von sich preisgibt. Zuviel freie Haut aufzuzeichnen ist natäurlich "Schlimmer" als Daten sich illegal zu beschaffen. Empfehle den betroffenen Frauen einen Knopf mehr an der Bluse zu schließen und eine Handbreit mehr bei der Gürtellänge.
Konny schrieb am 01.05.2012, 12.54 Uhr:
Bei Aldi rennen immer alle so geschäftig hin und her, dass man kaum glauben sollte, dass hier jemand noch Zeit für solche "Vergnügungen" hat. Das Personal verhält sich überwiegend so abweisend, dass man sich kaum traut, einmal jemanden anzusprechen. Man kann ein Unternehmen auch durch schlechtes Image kaputt machen. Schlecker hat es bewiesen und Aldi Süd scheint auf dem besten Weg dahin zu sein.
Georgios schrieb am 01.05.2012, 12.50 Uhr:
Hier wird mein Name missbraucht! Ich lege Wert darauf, dass ich nicht erneut unter "@Georgios" um 10:55h einen Kommentar hinzugefügt habe. Georgios, 30.04.2012, 18:17h
@Georgios schrieb am 01.05.2012, 10.55 Uhr:
Ein Krimineller wird durch seine Tat zum Kriminellen. Nicht erst dadurch, daß anderen auffällt, daß er kriminell geworden ist. Habe ich aber schon im Kindergarten gelernt. Tut man das heute nicht mehr? Insofern ist es gut, daß Aldi kräftig was auf die Finger bekommt. Deren Geschäftsidee beruht im Übrigen auf Abzocke; nicht auf Wohltäterei. Meinetwegen könnte man den Laden ganz zumachen.

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