Betrüger vor Gericht: Tot, auferstanden und abkassiert
Er starb gleich zweimal, aber das nur zum Schein. Er ließ auch andere Menschen sterben, die nur auf dem Papier existierten. Mit dieser Masche soll ein 44-Jähriger aus der Eifel jahrelang abkassiert haben, wirft ihm die Anklage jetzt vor. Seit Donnerstag (25.10.2012) steht er vor Gericht.
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Tot, auferstanden und abkassiert
(01:14 Min.)
WDR aktuell vom 25.10.2012
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Tot, auferstanden und abkassiert
Gewerbsmäßiger Betrug und gewerbsmäßige Urkundenfälschung in 21 Fällen, ein Schaden von über 100.000 Euro: So nüchtern es klingt, was die Ankläger dem 44-Jährigen aus Roetgen vorwerfen, so abenteuerlich sind die Fälle, die dahinter stecken. Der erste passierte 2006, so Staatsanwalt Michael Jung zum Prozessauftakt am Donnerstag (25.10.2012): Mit einem Totenschein, den er sich selbst ausstellte, habe er einer Haftstrafe entgehen wollen. Während die Revision noch lief, habe er einen Arzt erfunden, dessen Namen unter einen Totenschein gesetzt und die Sterbeurkunde dem Bundesgerichtshof zukommen lassen. Das Verfahren wurde darauf hin eingestellt, auch die dreijährige Haftstrafe wurde hinfällig. Der Betrug flog auf, als die Polizei entdeckte, dass der Arzt erfunden war.
Drei Jahre später erklärte sich der Mann wieder für tot. Dafür erfand er eine Ehefrau, die nun als "Witwe" Hinterbliebenenrente von der Berufsgenossenschaft bezog - insgesamt 80.000 Euro, so die Anklage. Dadurch habe er sich ein regelmäßiges Einkommen sichern wollen. Schon vorher richtete er sich mit falschen Papieren ein Konto ein, auf das er sich von Rechtsanwälten Geld überweisen ließ - per ebenfalls gefälschter Überweisungsträger.
Schein-Unfall, echte Entschädigung
Das Spiel mit den falschen Identitäten soll er danach weiter betrieben haben: Seiner gerade abgeschlossenen Haftpflichtversicherung gaukelte er der Anklage zufolge vor, er habe bei einem Verkehrsunfall ein kleines Mädchen angefahren und am Auge verletzt. Das Schmerzensgeld ließ er auf ein eigenes Konto leiten. Später ließ er das Kind sterben und kassierte dafür 17.000 Euro die für die vermeintlichen Eltern gedacht waren.
Stand: 25.10.2012, 14.02 Uhr
Kommentare zum Thema (15)
letzter Kommentar: 26.10.2012, 11:17 Uhr
- Eman Rhi schrieb am 26.10.2012, 11:17 Uhr:
- @ Elena - 1984: Falsch. Das ist kein "kreativer Abzocker". Das ist ein Betrüger, ein Urkundenfälscher, ein Verbrecher, dessen Motiv Habgier ist. Und Habgier führt auch noch zu ganz anderen Verbrechen...
- Thomas schrieb am 26.10.2012, 06:42 Uhr:
- Gut, er ist aufgeflogen. Ich denke, es wird kein Einzelfall sein und die Versicherungen/ der Staat seit Jahren für "Karteileichen" zahlt, ohne dass es jemand bemerkt. Insofern gebührt dem Täter in gewisser Weise Dank, zeigt er doch Schwachstellen des Systems auf. Allerdings soll er auch nicht "glorifiziert" werden, wie manche es in dem Forum hier tun. Denn das Geld, was diese Menschen sich ergaunern, ist letztendlich unser aller Geld. Wir bezahlen das, durch Versicherungsabgaben und Steuern.
- heinzb aus nrw schrieb am 25.10.2012, 22:16 Uhr:
- Der ist gut, meine ich, der sollte was werden, gebt dem einen Posten, der Deutschland und die EU aus dem Schlamm gräbt.
- Rhodan schrieb am 25.10.2012, 19:18 Uhr:
- @ub: Stimme dir völlig zu. Es gibt doch noch originelle Denker in Deutschland. Deswegen sind die Betrogenen nicht selbst schuld und ähnlicher Quatsch. Natürlich ist und bleibt es Betrug. Dass ein solcher Könner im Beruf keinen Platz findet, spricht Bände über Deutschland.
- ub schrieb am 25.10.2012, 17:54 Uhr:
- na das er betrogen steht ausser zweifel..aber trotzdem ich hab immer hochachtung vor solchen leuten... weil hier wurde erstmal keiner direkt geschädigt..und das mein ich auch so..klar jetzt gibts wieder so schlaumeier die von allgemeinheit sprechen..und sagen das wir ja alle bezahlen..stimmt.. aber wenn ich schon bezahlen soll..dann lieber für so einen!!!..als für irgendwelche rotznasen die einer oma die handtasche klauen..und dann resozalisiert werden sollen...oder für 1000 polizisten nur weil 90 minuten fußball gespielt wird..
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