Dreimonatige Bauarbeiten beendet Freie Fahrt auf der A40

Von Katja Goebel

Das Experiment ist geglückt: Nach dreimonatiger Vollsperrung lief am Montagmorgen (01.10.2012) auf der A40 endlich alles wieder ganz normal. So mancher Experte hatte vorhergesagt, die Vollsperrung werde im Chaos enden. Doch der Verkehrs-Kollaps blieb aus. Die Strecke wurde sogar ein wenig früher fertig als geplant.


A40-Tunnel

So etwas hat Thomas Fischer noch nicht erlebt. Seit Jahren beaufsichtigt der Mann hauptberuflich Baustellen, doch dass eine Horde Journalisten samt Fotografengefolge und Kamerateam eine fast fertiggestellte Fahrbahn stürmt und wie bei einer Ausstellungseröffnung Betonabsperrungen, Schallschutzwände und grauen Asphalt ins Visier nimmt - das macht Bauleiter Fischer sprachlos. Jetzt soll er den Besuch auf der A40 in Essen auch noch ein paar hundert Meter über die Bahn führen, so dass die Presse die Verschalung der Mittelleitplanke hautnah miterleben kann. Fischer schüttelt nur den Kopf, setzt sich dann aber in Bewegung. Das geht alles von seiner Zeit ab. Spätestens am Montag (01.10.2012) - so die ursprüngliche Planung - sollte hier wieder der Verkehr rollen - rund 95.000 Autos am Tag.

Lob von Landesbetrieb Straßen.NRW

Tatsächlich gab es schon am Sonntagabend (30.09.2012) grünes Licht für die Autofahrer. Wegen des guten Wetters konnten die Arbeiten schneller beendet werden. Die Bilanz von Bernd Löchter, dem Sprecher des Landesbetriebs Straßen.NRW, lautete: "Dass alles so gut geklappt hat, liegt an einer exakten Planung." Die Baufirmen hätten an einem Strang gezogen und die Sanierungsarbeiten pünktlich abgeschlossen.


Operation an der Schlagader des Reviers


Michael Groschek, Annegret Schaber, Reinhard Paß
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Michael Groschek, Annegret Schaber, Reinhard Paß (v.l.)

Die Vollsperrung der A40, sie war ein echtes Experiment. "Das war eine völlig neue Operationsmethode an der Schlagader des Ruhrgebiets", sagt StraßenNRW-Geschäftsführer Ralf Pagenkopf. Gemeinsam mit Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) und der Projektleiterin Annegret Schaber hat er am Freitag (28.09.2012) zur Pressekonferenz mitten auf die Autobahn geladen. Alle müssen laut reden, denn im Hintergrund wird gehämmert und gefräst, knattern Bohrer und tuckern Minibagger. Das Team ist bestens gelaunt, und das war vor drei Monaten wirklich nicht abzusehen.

Kein Kollaps nirgends


Baustelle auf der A40
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Letzte Arbeiten auf der Großbaustelle

Was hatte es Kritik an dem Vorhaben gehagelt, die A40 auf Höhe der Essener Innenstadt für drei Monate ganz dicht zu machen. Stauforscher und Verkehrsexperten hatten einen Kollaps prophezeit, Einzelhändler finanzielle Verluste gefürchtet, und Berufspendler sahen sich in kilometerlangen Staus rund um Essen stehen. Nichts von alledem ist passiert. Der Verkehr hat sich schlicht verlagert, und auch Projektleiterin Annegret Schaber ließ sich einfach nicht verrückt machen. "Das war ein gutes Projekt. Es hat Spaß gemacht." Und so entspannt, wie sie da jetzt auf dem neuen Asphalt steht, nimmt man ihr das tatsächlich ab. Später erzählt sie, dass es sogar Gewinner der Umleitung gegeben habe. So hat man den Verkehr der A40 unter anderem für drei Monate zweispurig statt wie sonst einspurig auf die A52 Richtung Düsseldorf geleitet. Die Folge: So flüssig war der Verkehr in dem Nadelöhr noch nie. "Da haben uns Leute schon gefragt, ob wir die Vollsperrung nicht einfach bestehen lassen können", erzählt Annegret Schaber und lacht.

Jede Autobahn ein Unikat


A40-Tunnel
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Schallschutz ist manchmal echte Handarbeit

Doch was genau ist passiert mit all den Autos und Lastwagen, die sonst die A40 verstopfen? Diese Stadtautobahn liegt einfach günstig, sagen die Verantwortlichen, nämlich eingerahmt von anderen Autobahnen. Es gab also genügend Ausweichmöglichkeiten. Hinzu kommt: Der Ruhri war gut informiert und kennt sein Revier. Wer über die A40 muss, ist meist nicht ortsfremd und kennt die Alternativstrecken. Könnte das Essener Modell bundesweit Schule machen? Und wie wäre es, fragt einer in die Runde, eine Vollsperrung jetzt gleich ein paar Kilometer weiter westlich auch bei der A59 auszuprobieren? Doch da sind die Verantwortlichen vorsichtig. "Jede Autobahn ist ein Unikat. Wir schmeißen jetzt nicht den Kopierer an, um uns auch in Duisburg beklatschen zu lassen", sagt der Minister. Dennoch verspricht Groschek, das Essener Beispiel auf der nächsten Verkehrsministerkonferenz vorzustellen. Schließlich ließ sich in Essen durch die Vollsperrung auch noch Geld sparen. Die 20-Millionen-Maßnahme wäre, so schätzt man, rund fünf Millionen Euro teuer geworden, hätte man die Baustelle über zwei Jahre hingezogen.

Jetzt nur keinen Regen


Baustelle auf der A40
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Nur die Fahrbahnmarkierung fehlt noch

"Hauptsache der Asphalt trocknet jetzt schnell ab, damit wir die Fahrbahnmarkierung aufbringen können", sagt Thomas Fischer und guckt zum Himmel. "Jetzt bloß keinen Regen." Drei Monate lang hat er täglich gehofft, dass alles klappt. "Der letzte Monat war stressig. Da waren alle gleichzeitig auf der Baustelle." Bis zu hundert Mitarbeiter allein in Fischers Bauabschnitt. "Eines ist jetzt schon sicher", sagt Thomas Fischer und blickt Richtung Westen die A40 entlang. "Am Montagmorgen stehe ich hier wieder im Stau."

A40 wieder frei Video Freie Fahrt auf der A40 (01:44 Min.) WDR aktuell vom 01.10.2012

Freie Fahrt auf der A40


Stand: 01.10.2012, 13.16 Uhr


Kommentare zum Thema (19)

letzter Kommentar: 02.10.2012, 12:24 Uhr

Westfälin schrieb am 02.10.2012, 12:24 Uhr:
@Stürmer: na, da bin ich ganz bei Ihnen. Ich wollte auch dem Anstreicher nichts, es ging mir eher um die Spannung zwischen einer Baustellenplanung, die sich schon ganz schön viel Zeit zu lassen scheint und dem Druck auf der Straße. Und hier geht es auch nicht um die Fahrer, die immer zu spät sind oder jene, die die StVO nur für einen Vorschlag halten. Die sind leider immer da. Die Realität ist, das es einfach viel Verkehr gibt. Da nervt es schon, wenn es auf der Baustelle so gar nicht vorangeht, während man sich in engen Durchfahrten zwischen die LKWs oder an ihnen vorbeiquetschen muss. Daher fand ich die Hauruck-Lösung auf der A40 gut, gerade weil es auch die Gefahrenstelle Baustelle minimiert und zwar für Verkehrsteilnehmer und Bauende. Für die Beteiligten sicher stressig, aber ein guter Dienst für die Allgemeinheit.
Stürmer schrieb am 01.10.2012, 23:19 Uhr:
@Westfälin: Ich glaube nicht das der Mann auf der Leiter, in sich gekehrt und in Erwartung göttlicher Erleuchtung, die komplette Lärmschutzwand mit seinem Pinsel streichen sollte. Ich glaube ganz einfach das er nur einen sehr kleinen Teil der Lärmschutzwand vor Korrosion, o.ä., mit grüner Farbe schützen sollte. Evt. sogar um damit großen Reparaturen vorzubeugen. Weiter glaube ich das die körperliche Unversehrtheit dieses kleinen Arbeiters jede Tempobeschränkung, ja sogar Wartezeiten für kleinkarierte Autofahrer rechtfertigt. Die Gesundheit/das Leben des kleinen Anstreichers sollte nicht für das zu späte Losfahren von schlechten Lebensplanern in Gefahr gebracht werden. Was mir meine kontemplative lebensweise eröffnet hat: Nicht die Baustelle ist Schuld an Unfällen und Staus, sondern die Nutzer die sich einfach nicht an die in der Fahrschule beigebrachten und sogar groß ausgeschilderten Regeln einer Baustelle halten. (Manche glauben noch heute das Reißverschlussverfahren sei Teufelswerk)
Jumper 1 schrieb am 01.10.2012, 14:15 Uhr:
Kaum ist die Baustelle fertig, schon gibt es wieder die üblichen Staus. Meine Bitte: endweder die A 40 sofort wieder sperren, damit man problemlos 2- sprurig auf die A 52 abbiegen kann oder mit einer kurzfristige Lösung - Ausbau zur 2-spurigen Abfahrt - beginnen. Das gilt übrigens auch in der Gegenrichtung, von der A 52 auf die A 40. Das scheint ja doch der "wunde" Punkt auf der A 40 zu sein.
Westfälin schrieb am 01.10.2012, 10:28 Uhr:
Neulich auf der A 45, Baustelle Dortmund Süd: ein (!) Mann auf einer Leiter streicht mit dem Pinsel grüne Farbe auf die Lärmschutzwand. Einsam und allein. Sonst kein Mensch da. Kilometerweit. Bestimmt sehr kontemplativ. Weniger kontemplativ für die Auto– und LKW–Fahrer auf der Tempo 80–Schiene daneben. Baustellen sind Unfallschwerpunkte. Die können gar nicht genug vermieden werden. Glückwunsch an das A40–Planungsteam und die durchführenden Firmen. So kurze Deadlines sind mörderisch. In der Planung braucht man ein festes Händchen und ein breites Kreuz. Da müssen alle zusammenarbeiten und miteinander reden. Mit lmaA und "machen wir später" is da nix. Dabei trennt sich dann ganz schnell die Spreu vom Weizen. Aber es bringt auch das Beste bei allen Beteiligten zu Tage. Und ja, dass kann richtig Spaß machen. Nochmal. Respekt!
autofahrer schrieb am 01.10.2012, 08:53 Uhr:
Ich bin heute morgen zum ersten Mal wieder über die A 40 mit 100 - 120 km/h gefahren (allerdings um 6.20 Uhr). Es war klasse! Gestern allerdings gegen 15 Uhr stand ich ca. 1,5 Std. im Stau mit Millionen anderen AUtofahrern, weil ich nicht wußte, daß Abräumarbeiten stattfinden. Na ja, was soll es. Trotzdem hat doch alles gut geklappt. Warum? Projektleiter war eine Frau?!?!?!?

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