Wie geht es beim WAZ-Konzern weiter?: "Es geht um das Geschäft"
Die Essener WAZ-Gruppe, eines der größten Medienunternehmen Europas, gehört bisher den Nachkommen der beiden Gründer. Mit dem Kaufangebot von Gründertochter Petra Grotkamp könnte bald nur noch eine Familie das Sagen haben. Die Folgen einer solchen Veränderung sind noch unklar.
- Interview mit Horst Röper
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Horst Röper ist Medienwissenschaftler und Geschäftsführer des Forschungsinstituts Formatt in Dortmund. Er forscht unter anderem zur Konzentration in der Medienwirtschaft und zu Strategien der großen deutschen Medienunternehmen.
WDR.de: Herr Röper, WAZ-Mitinhaberin Petra Grotkamp, Tochter von WAZ-Mitbegründer Jakob Funke, bietet eine halbe Milliarde für die Mehrheit am Konzern. Kommt das Geschäft zustande?
Horst Röper: Die WAZ hat gestern das Angebot bestätigt und außerdem mitgeteilt, dass die Brost-Erben einverstanden sind. Deshalb kann man wohl davon ausgehen. Letzte Hürde ist natürlich der Erbteilverwalter. Ob er zustimmt, ist noch offen.
WDR.de: Was will Grotkamp genau erreichen?
Röper: In erster Linie wird es darum gehen, die Kämpfe innerhalb der Eignerversammlung zwischen den verschiedenen Inhaberfamilien zu beenden und eine geradlinige Geschäftspolitik zu gewährleisten.
WDR.de: Wo gab es denn in der Vergangenheit Konflikte?
Röper: Selbst relativ kleine Investments mussten stets von der Eignerversammlung abgesegnet werden. Auch bei weniger bedeutsamen Entscheidungen hat es dabei immer wieder Zwistigkeiten gegeben, die letztlich das Agieren des Konzerns am Markt behindert haben. Der WAZ-Konzern galt früher als ein schnell agierendes Unternehmen, wenn sich am Markt Chancen für Übernahmen boten. Das war sicherlich in den letzten Jahren nicht mehr so.
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Video:
WAZ-Mediengruppe vor Eigentümerwechsel
(01:42)
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WDR aktuell
30.08.2011 -
WAZ-Mediengruppe vor Eigentümerwechsel
Röper: Ein prominentes Beispiel ist wohl die geplante Übernahme der Prosieben/Sat 1-Gruppe nach der Kirch-Pleite. Am Ende ist das Unternehmen anderen zugefallen, die nach wenigen Jahren ein Riesengeschäft mit dem Weiterverkauf gemacht haben.
WDR.de: Wäre bei einem Eigentümerwechsel eine politische Neuausrichtung der WAZ-Titel denkbar?
Röper: Ich glaube, das wird die neuen Mehrheitseigner zunächst nicht interessieren. Zunächst geht es um das Geschäft: Hier hat es in den vergangenen Jahren viele Einzelentscheidungen gegeben, die kritikwürdig waren und dem Unternehmen viel von dem einst stolzen Image gekostet haben.
WDR.de: Auf welche Änderungen sollten sich die WAZ-Mitarbeiter einstellen?
Röper: Zunächst einmal ist natürlich wieder viel Unruhe im Konzern. Wenn es Veränderungen bei den Eigentumsverhältnissen gibt, sind auch andere Veränderungen wahrscheinlich. Dagegen kann Petra Grotkamp nur vorgehen, wenn sie möglichst schnell öffentlich macht, was sie vorhat. Sie ist im Unternehmen ja noch nie leitend tätig gewesen. Anders sieht das natürlich bei ihrem Mann Günther aus, der das Unternehmen über Jahrzehnte geführt und geprägt hat. Ob er in der Geschäftsleitung künftig wieder eine Rolle spielen wird, ist noch offen.
WDR.de: Bisher spielt der Konzern ("Westdeutsche Allgemeine", "Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung", "Westfälische Rundschau") im überregionalen Zeitungsmarkt keine Rolle. Erwarten Sie in diesem Bereich neue Entwicklungen?
Röper: Der Konzern ist doch längst international ausgerichtet: Es gibt Beteiligungen in Österreich, Ostdeutschland und vor allem Südosteuropa. Die WAZ hat allerdings kein Medium im Bereich der Tageszeitungen mit überregionalem Anspruch. Da sehe ich auch keine Chancen oder Interessen, daran etwas zu ändern.
Das Interview führte Andreas Poulakos.
Stand: 30.08.2011, 13.11 Uhr
- Eigner-Wechsel bei der WAZ [Mediathek]
- Audio: WAZ: Petra Grotkamp will übernehmen (30.08.2011) Jörg Steinkamp, WDR 2 Morgenmagazin 30.08.2011 05:05:00
- Medienseite: Informationen aus der Medienlandschaft
- WAZ-Gruppe vor Umbruch [Mediathek]
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 30.08.2011, 16:19 Uhr
- Student schrieb am 30.08.2011, 16:19 Uhr:
- Warum sollte sie auch... Sie hat Lieferverträge mit mehreren überregionalen Zeitungen, etwa Zeit, FR, FAZ, TAZ, FTD, etc. Da ihr das vermutlich Geld einbringt, was die Zeitungen selbst tw. nicht unbedingt abwerfen, wäre es wenig sinnvoll, eine zu übernehmen oder gar eine eigene zu gründen.
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