Diskussion über Zukunft des Urheberrechts Streit um neues Urheberrecht

Von David Ohrndorf

Eigentlich sind sich alle Parteien einig: Das Urheberrecht muss für die digitale Welt reformiert werden. Über den richtigen Weg streiten am Donnerstag (23.06.11) Vertreter der Medienproduzenten und Netzaktivisten auf der c/o pop in Köln.


Laptop mit CD
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Das Urheberrecht in seiner heutigen Form passt nicht in die digitale Welt

Die Überschrift im Programmheft lässt erahnen, wie weit die Vorstellungen auseinanderliegen. Von einem "Krieg der Verwerter" ist dort die Rede. Dabei sind sich die Parteien im Grundsatz einig: Das Urheberrecht in seiner heutigen Form passt nicht in die digitale Welt. Klassische Medienunternehmen fürchten um den Wert und die Verwertungsmöglichkeiten ihrer Produkte. In der Musikbranche beispielsweise sind die Umsätze mit dem Verkauf von aufgenommener Musik stark zurückgegangen. Im Internet findet man heute schnell Möglichkeiten komplette Alben illegal herunterzuladen, ohne dass Verlage oder Künstler daran verdienen. Wer sich Musik bei Youtube oder Myspace kostenlos anhören kann, verzichtet oft auf den Kauf der Titel.

Dürfen Blogger Youtube-Videos veröffentlichen?


Bildschirme mit Logo der c/o pop

Bei der c/o pop wird über das Urheberrecht diskutiert

Aber das Netz selbst wirft auch ganz neue Fragen auf: Wie sieht es etwa mit dem Urheberrecht bei Twitter aus? Beispielsweise, wenn ein Twitterer die Nachricht eines anderen retweetet, also erneut unter eigenem Namen veröffentlicht. Im Netz absolut üblich - rechtlich aber umstritten. Auch die Veröffentlichung von Youtube-Videos in Blogs ist eine Grauzone. Die Blogger sind auf praxistaugliche Lösungen angewiesen, findet Jurist Simon Möller vom Telemedicus-Blog. "Dem Blogger, der ein Youtube-Video in sein Blog einstellen will, hilft es wenig, wenn man ihm sagt, dass zum Inline-Linking noch keine höchstrichterliche Lösung vorliegt." Darunter versteht man das Einbetten eines Videos in die eigene Webseite.

Die Akteure und ihre Bedürfnisse

Die Diskussion über das Urheberrecht bestreiten eine ganze Reihe verschiedener Akteure, die mehr oder weniger unterschiedliche Vorstellungen haben. Die Plattform "Co:llaboratory" hat die Interessengruppen und ihre Bedürfnisse analysiert:


Notenblätter

Wer soll wie ein Werk nutzen dürfen?

Demnach geht es den Kreativen, also beispielsweise Musikern, Designern oder Autoren, um den Schutz des Urheberpersönlichkeitsrechts. Also darum, dass klar erkennbar ist, wer etwas erstellt hat. Darüber hinaus wünschen sie sich von ihrer Arbeit leben zu können, also mit ihren Werken Geld zu verdienen.

Zu den Bedürfnissen der Verwerter (zum Beispiel Verlage) gehört "Wertschöpfung", also die Möglichkeit mit den Inhalten der Kreativen Einnahmen zu erwirtschaften. Generell wollen die Verwerter gerne über alle Details der Rechte, Nutzungsformen und Preise selber bestimmen können.

Bleiben noch die Wünsche der Nutzer. Der kürzlich gegründete Verein Digitale Gesellschaft setzt sich explizit für deren Bedürfnisse ein. Das Urheberrecht solle menschenfreundlicher werden und "Nutzer und Kreative statt Konzerne schützen", heißt es in einer Erklärung.

Digitale Gesellschaft fordert Recht auf Privatkopie


Frau mit Laptop

Digitale Gesellschaft gegen Kopierschutz bei Musik

Die Digitale Gesellschaft spricht sich beispielsweise gegen DRM aus, einen Kopierschutz, der bei digitalen Musik-Dateien und E-Books eingesetzt wird. Verlage wollen mit dieser Technik verhindern, dass die jeweiligen Werke kopiert werden. Besonders die Weitergabe an weitere Personen, die nicht dafür bezahlt haben, soll unterbunden werden. Die Digitale Gesellschaft sieht in den kopiergeschützten Werken aber "minderwertige Produkte". Unter anderem auch deshalb, weil manche Endgeräte nicht mit den geschützten Werken zurecht kommen und eine Umgehung des Schutzes mit speziellen Tools"gesetzlich untersagt" sei. Der Verein tritt für ein klar geregeltes "Recht auf Privatkopie" ein.

Deutsche Content Allianz will stärkeren Schutz

Als Gegenpart tritt in der Diskussion seit April die "Deutsche Content Allianz" auf. Eine Vereinigung von Medienproduzenten und -verwertern (in der auch die ARD Mitglied ist). In einer gemeinsamen Erklärung sprechen sich die Mitglieder zwar nicht für DRM aus, wohl aber für einen nachhaltigen Schutz "der Inhalte vor illegaler Verbreitung und Nutzung". Dies sei für die gesamte Kultur- und Kreativwirtschaft ein "existenzielles Anliegen". Wegen der wachsenden Zahl an Urheberechtsverletzungen werde es zunehmend schwieriger, "hochwertige und professionelle Medienangebote" zu refinanzieren.

Die Schwerpunkte, die die beiden großen Interessenvertreter in einem neuen Urheberrecht gesetzt sehen wollen, liegen weit auseinander. Bei der Diskussion im Rahmen der c/o pop treffen die Sprecher beider Organisationen nach Angaben der Veranstalter erstmals aufeinander. Sie werden einiges zu besprechen haben.


Stand: 23.06.2011, 00.01 Uhr