Ekel Alfred-Folge wiederentdeckt Eine kleine Fernsehsensation zum Jahresende

Eine 1974 nur einmal gezeigte Farbfolge der Kultserie "Ein Herz und eine Seele" zeigt das WDR Fernsehen am Freitag (30.12.2011). Die Folge ist nach 37 Jahren erstmals wieder im Fernsehen zu sehen - dank der hartnäckigen Recherchen von WDR-Programmplaner Klaus Kunde-Neimöth.

Heinz Schubert Video: Der Zebrastreifen (01:28)

Der Zebrastreifen

WDR.de: Über Jahrzehnte hinweg schlummerte die Farbfolge "Der Sittenstrolch" im Archiv des Südwestrundfunks. Wie kam es dazu, dass dieser Fernsehschatz nun für den WDR gehoben wurde?

Klaus Kunde-Neimöth: Das war wirklich ein absoluter Zufall. Ich bin im Internet auf ein Forum gestoßen, in dem behauptet wurde, dass ein DVD-Betreiber die deutsche Folge "Der Sittenstrolch" in Farbe herausgegeben hat. Der WDR hatte aber immer nur eine Schwarzweiß-Fassung der Folge ausgestrahlt, und ich wusste auch nichts von einer Farbfassung. Tatsächlich war es aber so, dass besagter DVD-Herausgeber sich in Eigenregie auf die Suche begeben hatte, nachdem sein Vater ihm erzählt hatte, dass er die Folge irgendwann einmal in Farbe gesehen habe. Er konnte tatsächlich eine Farbfassung der Folge beim SWR im Archiv auftreiben. Diese Fassung wurde dann als DVD herausgegeben – unbemerkt vom WDR.

WDR.de: Was für Außenstehende erstaunlich klingt.

Kunde-Neimöth: Ja, aber der DVD-Markt ist ein ganz anderer Markt. Um den kümmert man sich als Fernsehmann nicht. Wenn man auf so etwas nicht mit der Nase gestoßen wird, fällt es erstmal auch keinem auf.

WDR.de: Die Fassung war vor allem so lange verschollen, weil es die einzige Folge war, die vom SWR produziert wurde. Aus welchem Grund?


Heinz Schubert als "Alfred Tetzlaff"
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Heinz Schubert in seiner Paraderolle als "Ekel Alfred"

Kunde-Neimöth: Darüber kann man nur spekulieren. Möglicherweise hatte es finanzielle Gründe, oder es hing damit zusammen, dass "Ein Herz und eine Seele" in Theatern aufgetreten ist. Vielleicht war man damals in einem Stuttgarter Theater aufgetreten, und hatte deshalb die Folge dort aufgenommen. Das ist nicht mehr nachzuvollziehen. Im November 1974 wurde die Folge jedenfalls zum ersten Mal ausgestrahlt und ist dann in Stuttgart im Archiv verschwunden.

WDR.de: Unterscheidet sich diese Fassung von der Schwarzweiß-Variante, die der WDR immer ausgestrahlt hatte?

Kunde-Neimöth: Vor allem der Einstieg in die Folge ist anders. Irgendwann gleichen sich die Dialoge dann aber an. Von da an sind die beiden Folgen inhaltlich gleich.

WDR.de: Fans der Serie wissen, dass es von zahlreichen "Ein Herz und eine Seele"- Folgen zwei Versionen mit jeweils einer Farb- und einer Schwarzweiß-Fassung gibt. Wie lässt sich das erklären?

Kunde-Neimöth: Als die Serie in den siebziger Jahren produziert worden ist, war das für den WDR ein Experiment. Deswegen hat man "Ein Herz und eine Seele“ zuerst mit dem Schwarzweiß-Übertragungswagen produziert, und nicht mit den damals schon vorhandenen Übertragungswagen, die in Farbe produzieren konnten. Als man aber gesehen hat, dass die Serie ein solcher Straßenfeger wird, hat man die alten Folgen dann noch mal neu produziert – dieses Mal in Farbe.

WDR.de: In Farbe gedreht sind auch die drei 90-Sekünder, mit denen "Ekel Alfred"-Fans nun ebenfalls im Silvesterprogramm beglückt werden. Ein weiteres Fernsehereignis, oder?


Szene aus der "Ein Herz und eine Seele"-Folge "Der Sittenstrolch"
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Eine Szene aus der lange verschollenen Folge

Kunde-Neimöth: Ja, denn es sind ebenfalls verschollene Schätze. Die Filme standen unter dem Titel "Mädchen", "Kanalloch" und "Zebrastreifen" im WDR-Archiv – und nicht unter dem Titel "Ein Herz und eine Seele". Als diese Filme kürzlich digitalisiert wurden, fiel irgendeinem klugen Archivar auf, dass sie falsch betitelt waren. Das wurde dann korrigiert, und als ich bei den ganzen Recherchen rund um den "Sittenstrolch" das Stichwort "Ein Herz und eine Seele" in unserem elektronischen Archiv eingegeben hatte, fiel mir die Auflistung dieser drei Mini-Folgen auf. Ich habe die dann bestellt, angeschaut und gewusst: Das ist wirklich eine kleine Sensation.

WDR.de: Weiß man, ob diese Filme jemals ausgestrahlt wurden?

Kunde-Neimöth: Das kann man nicht hundertprozentig belegen. Ich denke, das waren Vorsetzer zu den normalen "Ekel Alfred"-Folgen. Wahrscheinlich sind sie einmal ausgestrahlt worden und sind dann danach für immer im Archiv verschwunden.

WDR.de: Kann man schon etwas über den Inhalt verraten?

Kunde-Neimöth: Die Filme sind ein bisschen chaplinesk. Es sind gespielte Witze, die nur mit Musik unterlegt sind. Alfred Tetzlaff ist stumm in den Filmen – was sehr ungewöhnlich ist, denn sonst hat er ja immer sehr wortreiche Auftritte.

WDR.de: "Ein Herz und eine Seele" gilt als eine der erfolgreichsten Produktionen des WDR. Wie ist die heutige Zuschauerresonanz auf die Serie?

Kunde-Neimöth:Die Serie hat noch immer hohe Einschaltquoten. Dafür sorgen natürlich viele Stammzuschauer, aber nach meinem Eindruck gibt es auch Jüngere, die sich von dem Humor packen lassen. Ich selbst war bei der Erstausstrahlung auch noch ein Kind, aber ich kann mich über "Ein Herz und eine Seele" köstlich amüsieren.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.


Stand: 30.12.2011, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (19)

letzter Kommentar: 04.01.2012, 09:49 Uhr

Holger aus Alsdorf schrieb am 04.01.2012, 09:49 Uhr:
@Dietmar Kuchen-Windmüller: Die Identifizierung der Einspieler war zum Teil ja nicht schwer (die Weinstraße mit dem Parkplatz der "Glückauf-Apotheke" fiel sofort ins Auge, ebenso das "Corso"), jedoch frage ich mich noch immer, wo die Folge Zebrastreifen aufgenommen wurde...im Hintergrund ist ein Hotel zu erkennen. Haben sie da etwas konkretes für mich ? Gruß H.
RoyBatty schrieb am 02.01.2012, 21:44 Uhr:
Ah.., wie ich sehe kennen Sie den Artikel längst, Herr Kuchen-Windmüller - hätte ich mir denken können ;-)
Dietmar Kuchen-Windmüller schrieb am 02.01.2012, 21:42 Uhr:
@Anonym: Ich gehe davon aus, dass dieses Bildmaterial, wie alle anderen professionell erstellten Inhalte der Fernsehanstalten urherberrechtlich geschützt ist. Zudem sind auch Personen zu sehen (besonders beim Dreh zu "Kanalloch" in der Von Harff-Straße vor dem Korso und auch bei dem Dreh zu "Mädchen" in der Broicherstraße). Somit darf dieses Material nicht ohne Zustimmung des WDR oder der dort gezeigten Personen kopiert und weiter gegeben werden. Sicher kann Ihnen der Mitschnittservice des WDR in diesem Falle weiterhelfen, sofern dieses Material auch im WDR-Archiv verfügbar ist. Ich bitte um Ihr Verständnis. Chronologische Informationen, Protokolle und Fotos der Drehorte, woran ich selbst das Copyright habe, kann ich Ihnen jedoch gerne zur Verfügung oder zur Ansicht stellen. LG aus AC.
Anonym schrieb am 02.01.2012, 19:54 Uhr:
Hallo Herr Kuchen-Windmüller haben sie das Videomaterial auf DVD von drehs in unserer region und könnte es kopieren Grüße aus baesweiler
Dietmar Kuchen-Windmüller schrieb am 02.01.2012, 19:39 Uhr:
Ich habe über diese Aufnahmen und auch alte Originalaufnahmen alles sorgsam damals dokumentiert. Die fertigen Trailer-Videos haben alle eine Länge von etwas mehr als 95 Sekunden. Komisch, dass man im WDR diese erst jetzt gefunden haben will. OK, die waren ja auch alle nicht eindeutig beschriftet und bei uns hat sich lange auch niemand mehr dafür interessiert. Alles, was damit zu tun hatte schlummerte über 30 Jahre bis jetzt auf dem Speicher in einem alten Karton unter einer fast vergammelten Decke. Es existiert allerdings noch viel mehr Material, das damals (Juni/ Juli/ August 1974) im Raum Aachen als Postproduktion für u.A."Ein Herz und eine Seele" gedreht wurde. Damals war es üblich, diese auf 16mm Film aufzunehmen und dann auf U-Matic umzukopieren. Für die Berichterstattung und auch für solche Zwecke, wie in diesem Fall wurden Ü-Wagen eingesetzt, die diese Technik "an Bord" hatten. Für Informationen hierüber und auch Beschreibung der Drehorte stehe ich gern zur Verfügung. LG aus AC

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