Absage an Privatsender-Mediathek Kein gemeinsames Portal von RTL und ProSiebenSat.1

Fernsehsendungen werden immer häufiger über das Netz angeschaut. Die Privatsendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 wollten diesen Trend für eine gemeinsame Mediathek nutzen. Dagegen schritt das Kartellamt ein. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht bestätigte am Mittwoch (08.08.2012) das Verbot.


Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat einem gemeinsamen kostenlosen Internetportal von privaten Fernsehsendern eine Absage erteilt. Das Gericht wies am Mittwoch (08.08.2012) eine Beschwerde der Privatsender gegen ein Verbot ab, das das Bundeskartellamt am 17. März 2011 ausgeprochen hatte. Eine Rechtsbeschwerde schloss das OLG aus. Allerdings bleibt den beiden Senderfamilien noch eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde beim BGH in Karlsruhe, weswegen die Entscheidung des OLG noch nicht endgültig rechtskräftig ist. Beide Sender hielten sich am Mittwoch offen, ob sie gegen die OLG-Entscheidung vorgehen.

Marktbeherrschendes Duopol

Die TV-Sendergruppen ProSiebenSat.1 und RTL wollten eine gemeinsame Online-Video-Plattform schaffen. Darauf sollten die Zuschauer - wie bei den bereits existierenden Mediatheken einzelner Sender - nachträglich verpasste Sendungen wie Serien, Filme und Shows abrufen können. Durch die leichtere Auffindbarkeit erhofften sich die Sender unter anderem höhere Einnahmen aus der Internet-Video-Werbung. Das Gericht folgte der Argumentation der Kartellwächter: Mit der Plattform würde das "marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen" auf dem Markt für Fernsehwerbung in Deutschland verstärkt. Auf dem rund vier Milliarden Euro schweren bundesdeutschen Fernseh-Werbemarkt verfügten beide Unternehmen zusammen über einen Marktanteil von über 80 Prozent.

"Wir halten die geplante Plattform nach wie vor für wettbewerbsrechtlich unbedenklich", erklärte die Mediengruppe RTL Deutschland am Mittwoch. Ein Sprecher von ProSiebenSat.1 sagte, die Entscheidung des Gerichts richte sich auch gegen die deutsche Medienwirtschaft. "Ausländische Konzerne werden nicht mehr lange zögern, diesen Markt aufzurollen." Das Bundeskartellamt wertete den Beschluss des OLG dagegen als wichtiges Signal für den Wettbewerbsschutz.


Stand: 08.08.2012, 13.19 Uhr


Kommentare zum Thema (22)

letzter Kommentar: 09.08.2012, 10.06 Uhr

Henning schrieb am 09.08.2012, 10.06 Uhr:
"Ausländische Konzerne werden nicht mehr lange zögern, diesen Markt aufzurollen." Bekommen wir dann vielleicht endlich gutes Fernsehen? Wenn ja, dann bin ich dafür... In Deutschland machen die Privaten Fernsehen für Idioten und die öffentlich Rechtlichen machen Fernsehen für die Zielgruppe über 80... Wer halbwegs was auf dem Kasten und noch seine eigenen Zähne hat bekommt zwar die ein oder andere Doku und viele gute Nachrichtensendungen geboten, in Sachen Unterhaltung sieht es aber übelst aus.
Runzelstirn schrieb am 08.08.2012, 20.39 Uhr:
Ich verstehs nicht. Es beschwert sich ja auch keiner dass pro7 und sat1 ein einziges Unternehmen sind. Haben die da etwa weniger Marktbeherrschung?
Walter schrieb am 08.08.2012, 18.19 Uhr:
Witz des Tages: Ohne die Privaten gäbe kein 3Sat, Arte usw. Musste laut lachen über den Spaßvogel. Zum Thema: Die paar Privatengucker hängen sowieso den ganzen Tag vor der Kiste, die brauchen keine Mediathek mehr.
Fernsehen nach der digitalen Revolution schrieb am 08.08.2012, 17.31 Uhr:
Haha, die Bildunterschrift ist klasse: "TV-Inhalte bequem zu Hause" Das stimmt, was war das doch vorher ein anstrengendes Unterfangen mit diesem Fernsehgucken...
Mokdo schrieb am 08.08.2012, 17.25 Uhr:
Da hier so viel auf die Privatsender ein geprügelt wird. Ohne die gäbe es kein 3 Sat, Arte, Kinderkanal, ZDF Kultur, Tagesschau 24 usw. Ohne die Privaten hätten wir nur ARD, ZDF und WDR, bzw. DDR 1 und DDR 2. Das ist doch da Gute in Deutschland, wer möchte schaut RTL 2 und andere wiederum schalten Arte ein. Dann gibt es welche die erfreuen sich am Musikantentadl und andere bei 3 Sat an den Rolling Stones , oder bei Arte Wagners "Nibelungenring".

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