Jury stellt vernachlässigte Themen vor: Nachrichten aus der Versenkung geholt
Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) hat am Donnerstag (05.07.2012) in Siegen die Top 10 der vernachlässigten Nachrichten 2011/2012 vorgestellt: Zum Beispiel Missstände in Haftanstalten oder der Handel mit Kundenbewertungen im Internet kommen demnach in den Medien kaum vor.

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Arbeiter zweiter Klasse?
Es gibt Themen, die von Medien zu wenig beachtet werden - und dies, obwohl sie gleichermaßen relevant und brisant sind. Solchen vernachlässigten Geschichten ist die Initiative Nachrichtenaufklärung seit 1997 auf der Spur. Einmal im Jahr veröffentlicht eine Experten-Jury eine Liste der zehn Top-Themen, die es gar nicht oder nur in ungenügender Form in Nachrichten geschafft haben.
Keine Rente für Gefangene
Für das Nachrichtenjahr 2011/2012 wählte die INA-Jury das Thema "Keine Rente für arbeitende Gefangene" auf Platz eins der Liste: Strafgefangene seien zwar verpflichtet zu arbeiten, Rentenansprüche erwerben sie dabei aber nicht. Ein Gesetz, mit dem Häftlinge in die Rentenversicherung einbezogen wurde, sei 1976 außer Kraft gesetzt worden. Seitdem sei nichts geschehen, obwohl die Bundesregierung schon im Jahr 2008 dringenden Handlungsbedarf eingeräumt habe. Rechte von verurteilten Straftätern seien in der Öffentlichkeit wenig populär, vermutet die Jury.
Kritik an Werbestrategien für die "Pille"
Auf Platz zwei wählte die INA den fehlenden Rechtsschutz gegen Diskriminierung für HIV-positiven Menschen, die in der Arbeitswelt benachteiligt werden, auch wenn ihre Krankheit in dem Bereich kein Risiko ist. Auf dem dritten Rang folgten die Werbestrategien für die Anti-Babypille. In den Top Ten der vernachlässigten Themen waren auch niedrige Honorare für Dozenten von Weiterbildungskursen, die medizinische Versorgung von chronisch kranken Hartz-IV-Empfängern sowie die nach Angaben der INA sehr geringe Berichterstattung über Zivilprozesse.
Rund ein Drittel gefälschte Online-Bewertungen?
Kundenbewertungen in Online-Shops seien häufig gefälscht, so ein weiteres Thema auf der Liste. In den vergangenen Jahren sei eine Schattenbranche von Dienstleistern entstanden, die sich im Auftrag von Herstellern als Kunden ausgeben und bezahlte Wertungen im Netz abgeben: Dabei würden eigene Produkte gelobt und die Konkurrenz schlechtgemacht. Recherchen hätten ergeben, dass diese betrügerischen Bewertungen nur selten von den Betreibern der Verkaufsportale entfernt werden. Möglichweise seien rund ein Drittel der Online-Kundenbewertungen gefälscht, so die Befürchtung. Außerdem kritisierte die Jury, die deutschen Medien hätten die mangelnde Transparenz bei humanitären Hilfsorganisationen und Betrugsmöglichkeiten bei Drogentests vernachlässigt.
Vorschläge werden nachrecherchiert
Solche Themen sucht sich die Jury nicht selbst. Sie setzt vielmehr auf das, was von Bürgern, Journalisten, Wissenschaftlern und Initiativen vorgeschlagen wird. In speziellen Seminaren recherchieren Journalistik- und Medienwissenschafts-Studenten an mehreren Universitäten die Themenvorschläge aufwendig nach. Die Jury sucht am Ende zehn Top-Themen aus.
Stand: 05.07.2012, 17.20 Uhr
Kommentare zum Thema (6)
letzter Kommentar: 06.07.2012, 09:52 Uhr
- Schorsch schrieb am 06.07.2012, 09:52 Uhr:
- Lieber ein Gutmensch, als ein Schlechtmänneken.
- andrea schrieb am 06.07.2012, 09:05 Uhr:
- Reine Geldverschwendung - Mißstände im JVA'en gibt es nämlich z. B. gar nicht! Und unsere Rente ist auch sicher?!?!
- JCS schrieb am 06.07.2012, 08:21 Uhr:
- Ach, alles Gutmenschenthemen... hätte mich gewundert, wenn es anders gewesen wäre.
- Maria schrieb am 06.07.2012, 08:00 Uhr:
- @ Ede Etwas kurzlichtig gedacht. In diesem Land bekommt jeder der nicht genug in die Rentenkasse eingezahlt hat (egal aus welchem Grund) eine Grundrente. Diese bezahlen sie genauso wie ich. Da ist es doch besser wenn Straftäter einen Teil ihrer Bezüge in eine Rentenkasse einzahlen und dann nur der "Rest" aufgestockt wird.
- Schorsch schrieb am 06.07.2012, 07:09 Uhr:
- @ Ede, dann erhalten die Hilfesuchenden Gelder nach den Bestimmungen des SGB und nicht aus der Rentenkasse. Wer im Knast arbeitet, der sollte auch, ähnlich wie in Freiheit, Rentenbeiträge zahlen. Das ist im StVollzG auch so vorgesehen, ....näheres regelt ein noch zu erlassendes Bundesgesetz, aber noch nicht umgesetzt. Auch in Freiheit werden Altersbezüge ohne Ansehen der Persönlichkeit geleistet und wer aus den tiefen Kasachstans hierher kommt, der erhält mitunter Rente, ohne hier jemals einen Cent oder Pfennig eingezahlt zu haben.
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