Vernachlässigte Themen in Nachrichten : Initiative stellt Bürger-Vorschläge vor
Die Initiative Nachrichtenaufklärung hat am Freitag (15.07.2011) ihre Liste mit den zehn wichtigsten Themen vorgestellt, die von deutschen Medien vernachlässigt wurden. Darunter auch: die flächendeckende Schadstoffbelastung in NRW-Schulen.

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Vorwurf: Schulen mit Gift belastet
Für ihrer Top-10-Liste hat die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) in ihrer Jury-Sitzung Themen ausgewählt, die von deutschen Journalisten besonders wenig beachtet wurden. Und das, "obwohl die Allgemeinheit einen Anspruch darauf hat, davon zu erfahren, um sich eine Meinung bilden zu können", sagte Jury-Mitglied Prof. Peter Ludes von der Jacobs Universität Bremen bei der Vorstellung am Freitag (15.07.2011) in Dortmund.
Keine demokratische Kontrolle des Bankenrettungsfonds
Nummer eins auf der Liste ist der Sonderfonds für Finanzmarktstabilisierung - genannt Soffin. Über diese Maßnahme zur Bankenrettung hätten zwar alle Massenmedien in Deutschland berichtet, aber ein Aspekt fehlte nach Ansicht der Initiative: "Die Kontrolle über die Mittel lag und liegt in den Händen von Finanzbeamten und ehemaligen Bankenchefs", heißt es in der Begründung der Jury. Aber das Parlament kann diese nicht kontrollieren. Und es geht dabei nicht um "Kleingeld", sondern um über 480 Milliarden Euro. Kritiker würden dies sogar als Verletzung des Haushaltsrechtes auffassen. "Deutschland ist damit auf dem Weg zur Expertokratie", so die Jury.
Behörden informieren nicht über Giftstoffe
Die Schadstoffbelastung an NRW-Schulen hat es auf Platz Nummer zwei geschafft. "Das Thema ist durch zahlreiche Einzelfallschilderungen bekannt", heißt es in der Jury-Begründung. Auch der WDR hat in den vergangenen Jahren immer wieder darüber berichtet. Was der Initiative jedoch fehlt, sind Berichte über das gesamte Ausmaß der Schadstoffbelastung. "Zuständige Behörden, Städte und Länder sowie die Politik informieren in der Regel nicht über die Altlasten", so die Kritik der Initiative.
Themen "sind nicht neu"
"Die Initiative denkt sich die Themen nicht selbst aus", betonte Jury-Mitglied Prof. Horst Pöttker von der TU Dortmund. Die Vorschläge stammen aus der Bevölkerung. Seit 1997 stellt die Initiative fast jedes Jahr ihre Top-10-Liste vor. 120 Themen wurden von Bürgern seit 2009 vorgeschlagen, aus denen hat die 15-köpfige Jury ausgewählt. Die Mitglieder sind Journalisten, Wissenschaftler und Studierende. Die Richtigkeit der Themen wurde von Studenten aus Hochschulen in Dortmund, Bonn, Siegen und Hamburg nachrecherchiert. "Unsere Themen beschreiben oft Zustände und keine aktuellen Ereignisse", erklärte Jury-Frau und freie Journalistin Miriam Bunjes. "Sie sind nicht neu."
Doping im Fußball
Dazu zählt auch das Thema "Doping im Fußball". "Fußball ist in Deutschland von großer Bedeutung, trotzdem wird über das Thema Doping viel weniger berichtet, als beispielsweise beim Radsport", so Journalistik-Professor Horst Pöttker. Auch hier wird nach Ansicht der Initiative über einzelne Fälle berichtet, wie etwa zuletzt bei der FIFA Frauen WM, als zwei zwei nordkoranische Spielerinnen unte Dopingverdacht standen. Jedoch werde die gesamte Tragweite nicht beschrieben. "Doping ist besonders heikel", sagte Jury-Mitglied Christian Schicha, Professor an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. Viele Reporter hätten zu große Angst, negativ über Vereine zu berichten und dadurch den Kontakt zu den Spielern zu verlieren. Ausdrücklich gelobt wurde an der Stelle das WDR-Magazin "sport inside" und Autor Hajo Seppelt, der ein Spezialist für das Thema Doping sei, sagte Jörg-Uwe Nieland von der Sporthochschule in Köln.
"Problembewusstsein wachhalten"
Weitere vernachlässigte Themen sind die Militärforschung an deutschen Hochschulen, der vergessene Krieg in Tschetschenien, die schlechte Honorierung von Erfindern in Deutschland und alternative Geldsysteme. Dazu kommen zahlreiche Aspekte aus der Gesundheitsversorgung, wie etwa die mangelhafte medizinische Versorgung von Menschen in Altenheimen. Jury-Mitglied Ludes: "Wir wollen das Problembewusstsein wachhalten." Die Initiative fordert eine Verbesserung der Journalistenausbildung. "Die moderne Gesellschaft braucht Journalisten, die aufdecken."
Stand: 15.07.2011, 20.25 Uhr
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