Ausbildung zu Medienscouts Wie man mit Stress im Netz umgeht

Sie schreiben SMS im Rekordtempo, Surfen im Netz und Computerspiele gehören für sie zum Alltag. Aber wie geht man verantwortungsvoll mit Medien um? Das sollen Schüler in dem Projekt "Medienscouts NRW" lernen - auch von anderen Schülern.

Stimmengemurmel, wenig Sauerstoff, ein Flipchart, auf dem die Teilnehmer in bunten Lettern begrüßt werden - das könnte ein ganz normales Seminar sein. Doch in diesem Raum in der Oberhausener Innenstadt ist etwas anders. Schüler und Lehrer sitzen an einem Tisch - gemeinsam. Und gemeinsam machen sie beim Workshop "Medienscouts NRW" mit.

Lehrer und Schüler an einem Tisch


Auf den Tischen, die sich als unterschiedliche Arbeitsstationen entpuppen, liegen Zettel mit Arbeitsaufträgen. Warum nutzen wir Facebook? Was ist das Urheberrecht - und das Recht am eigenen Bild? Wie sieht es mit Datenschutz und Privatsphäre aus? Was unterscheidet Facebook-Freunde von "echten" Freundschaften? Und wie kann man mit Stress im Netz umgehen? Das sind nur einige Aspekte, die an diesem Ausbildungstag der Medienscouts bearbeitet werden. "Uns ist wichtig, dass alle auf Augenhöhe miteinander lernen", betont Marco Fileccia, Leiter des Workshops und Lehrer am Elsa Brändström Gymnasium in Oberhausen. Deshalb arbeiten je zwei Schüler mit einem Lehrer in den Kleingruppen zusammen.

Ziel: verantwortungsvoller Umgang mit Medien

Fileccia erklärt, was Medienscouts sind: "Schülerinnen und Schüler, die mit ihren Mitschülern arbeiten, zu digitalen Medien." Denn viele Erwachsene, vor allem Lehrer, hätten immer noch großen Abstand zur Lebnswirklichkeit ihrer Schüler. Die Jugendlichen selbst sind aber ganz nah dran. "Sie wissen um die Probleme und Schwierigkeiten, sprechen die gleiche Sprache. Und da können Medienscouts helfen, die Nutzung von digitalen Medien sicherer, verantwortungsvoller, bewusster und vielleicht kritischer zu gestalten."


Dabei stehen in der viertägigen Ausbildung nicht nur fachliche Inhalte im Vordergrund, sondern auch Übungen zum sozialen Lernen. Anhand von Beispielen sollen die Teilnehmer darüber nachdenken, wie man sich selbst und wie andere Menschen einen wahrnehmen. "Es geht darum zu erkennen, dass jeder unterschiedlich wahrnimmt", erklärt Fileccia. "Und dass wenn ich etwas witzig finde, eine andere Person vielleicht gar nicht darüber lachen kann." Geübt wird dieser Aspekt beim sogenannten Diversity Walk. In dieser praktischen Übung nimmt jeder Teilnehmer eine Rolle ein - und erfährt am Ende, wie unterschiedlich die gleiche Rolle von anderen Teilnehmern interpretiert wird.

Schüler sollen eigene Projekte planen und realisieren

Doch es geht auch um handfeste Fragen wie das Urheberrecht. "Ich wusste bisher nicht, dass ich keine Bilder bei Google herunterladen und auf meine Profilseite im Netz stellen darf", gibt der 14-jährige Lennart zu, der mit Samira gemeinsam gerade am Laptop sitzt. "Ich möchte das, was wir hier lernen, auch an andere weitergeben", fügt Samira hinzu. Denn auch das gehört zum Konzept: Die Medienscouts dienen als Multiplikatoren, die dann an ihren Schulen Projekte zu Neuen Medien und sozialen Netzwerken anbieten sollen. "Ich möchte zum Beispiel bei uns eine LAN-Party veranstalten", sagt Lennart.


Am Nebentisch berichten Niklas, 16, und Samson, 14, von Mobbing-Problemen in der Schule. "Das ist ein wichtiges Thema", sagt Niklas. "Ich möchte Schülern, die davon betroffen sind, helfen und Rat geben können", meint Samson. Dass Hilfe bei Cybermobbing zumindest ansatzweise funktionieren kann, konkretisiert Wiebke Hinte; sie ist Lehrerin und nimmt ebenfalls an der Ausbildung zum Medienscout teil. "Wir bekommen Handlungsmöglichkeiten genannt, an wen man sich wenden kann, aber auch, wie man präventiv dagegen angeht", sagt Hinte. "Mit unseren Schülern haben wir beispielsweise über die Veränderung der Kontoeinstellungen bei Facebook gesprochen, und da waren die Schüler sehr dankbar."

Ausbildung in mehreren Kommunen


28 Schüler und 16 Lehrer aus Oberhausen und Umgebung nehmen an diesem Workshop teil, parallel läuft die Ausbildung der Medienscouts, die von der Landesanstalt für Medien unterstützt wird, in neun weiteren Kommunen in NRW. Bereits ausgebildete Medienscouts helfen dann bei den aktuellen Workshops mit.

Zwei von ihnen sind Isabel, 15, und Celine, 14, vom Elsa Brändström Gymnasium in Oberhausen. Sie seien zwar keine Respektpersonen wie die Lehrer, "aber die Schüler hören schon auf uns", meint Celine. "Und wir gehen durch die fünften und sechsten Klassen und sprechen über Cybermobbing, das macht schon Spaß, unser Wissen weiterzugeben." In Isabels Klasse habe es auch schon so einen Fall gegeben. "Da haben wir versucht zu helfen, und mit dem Handwerkszeug, das wir bei den Medienscouts gelernt haben, wurde es auf alle Fälle besser."

Probleme angehen!

Die Schüler nehmen ihre Rolle als Scouts sehr ernst, das bestätigen auch die Lehrer. "Ich habe den Eindruck, dass die Schüler hier sehr motiviert und begeistert sind", sagt Muhammed Giraz, Lehrer an der Gesamtschule Weierheide. Und Lehrerin Clarissa Filipowski, die mit Marco Fileccia den Workshop leitet, nennt den Grund für ihre eigene Motivation. "Man kann das Internet nicht verbannen", betont Filipowski. "Wir müssen weg von der Vermeidungs-Pädagogik, denn die Probleme sind da!"

Lernen, Chancen zu nutzen


Wichtig sei aber auch, das Bild vom Schreckgespenst sozialer Medien zu entkräften. "Man kann Facebook und soziale Medien sinnvoll nutzen", meint Marco Fileccia. Zur Selbstdarstellung, zur Kommunikation - das biete eine Menge Chancen für die Jugendlichen. "Aber dafür muss man sich ein bisschen auskennen mit Themen wie Datenschutz und Urheberrecht." Langfristig könnten die so genannten "Digital Natives" dann sogar Vorteile haben: "Jugendliche werden mit einem ganz anderen Konzept von Vernetzung und Datenverarbeitung groß. Sie können die Vielfalt der Informationen besser managen als wir. Und das macht schon einen großen Unterschied."

Erstaunlich...
 Annika Franck

...dass nur einer der befragten Schüler angab, dass er die Ausbildung zum Medienscout gut findet, weil er an diesen Tagen keine Schule hat. Bei allen anderen hatte Autorin Annika Franck den Eindruck, dass sie konzentriert bei der Sache sind.


Stand: 18.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (5)

letzter Kommentar: 18.12.2012, 18.32 Uhr

Eifelwanderer schrieb am 18.12.2012, 18.32 Uhr:
Typisch: In keiner einzigen der vom WDR selbst stammenden Passagen des Artikels kommen Frauen sprachlich vor. Es gibt mal wieder nur "Schüler", "Teilnehmer", "Lehrer" usw. Und da der WDR mit Kritik nun mal gar nicht umgehen kann, wird dieser Beitrag hier wohl nicht lange überleben, sondern mit der WDR-(stereo-)typischen Ausrede, er gehöre nicht zum Thema, gelöscht werden. Aber vielleicht lesen ihn bis dahin wenigstens ein paar Leserinnen und Leser - und schließen sich vielleicht meiner Kritik an. Zur Sache selbst: Internet-PC-Schmachtfohn und ähnliches sind gefährliche Suchtmittel, deren Gebrauch nicht nur abhängig macht, sondern auch asozial! Daher gilt: Weniger ist mehr - und, einmal in Abhängigkeitsgefahr oder abhängi geworden, gibt es, wie bei jeder Suchterkrankung, nur eine Chance zur Gesundung: ABSTINENZ!
Woll-mann schrieb am 18.12.2012, 09.42 Uhr:
sorry, ABSCHALTEN
Woll-mann schrieb am 18.12.2012, 09.42 Uhr:
Das Schöne am Internet: man kann anschalten, wenn man es noch kann.
WDR.de schrieb am 18.12.2012, 09.55 Uhr:
Hallo Matthias, vielen Dank für den Hinweis, aber der Link war uns nicht mehr "frisch" genug. WDR.de
Matthias schrieb am 18.12.2012, 08.52 Uhr:
Es lohnt sich diese Extraseite von der Sender neuneinhalb zu verlinken: http://www.wdr.de/tv/neuneinhalb/extra/Soziale_Netzwerke.php5