"Wilsberg" in neuem Format: Privatdetektiv wird zur Comic-Figur
Jörg Hartmann aus Münster hat geschafft, was nur ganz wenigen Illustratoren in Deutschland gelingt. Er hat einen Verlag gefunden, der seinen Comic veröffentlicht. Am Freitag (24.08.2012) kommt das Werk auf den Markt. Ein "Wilsberg"-Krimi in Bildern. Dabei wären die handkolorierten Zeichnungen des münsterischen Illustrators fast in der Schublade verschwunden.
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Die rohe Skizze .... (Fotostrecke 1)
Jörg Hartmann zeigt den Stapel Comics auf dem Arbeitstisch in seinem Atelier in Münster. "Das sind sie, die ersten Exemplare, frisch aus der Druckerei." Der 39-Jährige kann es noch gar nicht fassen. "Wenn ich daran denke, wie das alles begonnen hat und was daraus geworden ist. Verrückt!"
Comic wider Willen
Hartmann erinnert sich an den Tag, an dem er einem Professor in der Fachhochschule Münster seine Illustrationen für ein Schulbuch vorlegte. Das war vor zwölf Jahren. Hartmann studierte damals Grafik-Design mit dem Schwerpunkt Illustration. "Der Professor meinte, Schulbuch-Illustrationen, gut und schön, aber im Studium sei das zu wenig. Ich solle mich mal an einen Comic wagen."

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Jörg Hartmann
Der Student Hartmann befolgte den Rat und kaufte sich fünf Kriminalromane des münsterischen Autors Jürgen Kehrer. "Ich hatte von ‚Wilsberg‘ vorher noch nie etwas gehört. Aber der Professor meinte, dass sich der Stoff für einen Comic eignen könnte." Hartmann begann zu lesen, ein Buch nach dem anderen. Beim zweiten mit dem Titel "In alter Freundschaft" blieb er hängen. Daraus wollte der Student Hartmann seinen ersten Comic machen.
Er besorgte sich zunächst eine Kamera und fotografierte Orte in Münster, das Schloss, den Hafen, die Altstadt. "Hier sollte mein ‚Wilsberg‘ spielen", sagt Hartmann. Der Student nutzte die Fotos als Vorlagen für seine ersten Comic-Zeichnungen. Dann machte er sich an die Figuren. "Zu der Zeit hatte das Fernsehen bereits die ersten beiden Kriminalromane von Jürgen Kehrer verfilmt. Aber ich habe mir das bewusst nicht angeguckt. Ich wollte mir selbst etwas ausdenken, nicht Fernsehbilder abzeichnen." So kam es, dass Hartmann’s Comic-Figur "Wilsberg" anfangs lockige Haare hatte und eine Brille, ganz anders als im Fernsehen.
Zurück in die Schublade
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Ansicht vom Hafen in Münster ... (Fotostrecke 2)
Trotzdem war nach vier Comic-Seiten schon wieder Schluss mit dem "Wilsberg". "Mir fehlte einfach die Zeit", sagt Hartmann. "Ich habe bereits während meines Studiums als Illustrator für Schul- und Kinderbuch-Verlage gearbeitet und gutes Geld verdient. Das war das, was für mich zählte, in der Branche Fuß zu fassen und von meiner Arbeit leben zu können. Das Studium war da eher nebensächlich." Und so verschwanden Hartmanns erste Comic-Zeichnungen, die er seinem Professor zugesagt hatte, erst einmal wieder in der Schublade.
Erst Jahre später – "Wilsberg" war inzwischen durch weitere Buchveröffentlichungen und Fernsehverfilmungen populär geworden – bekam die Sache neuen Schub. "Plötzlich waren da ganz viele Leute, die sich für meine Comic-Zeichnungen interessierten", sagt Hartmann. "In der Lokalzeitung wurde über mich berichtet, und sogar das Fernsehen war bei mir im Atelier."
"Wilsberg" – der zweite Versuch

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Vorbereitung der Ausstellung in Münster
Der Illustrator Jörg Hartmann begriff, dass sein "Wilsberg"-Comic mehr sein könnte als nur eine Studien-Arbeit. "Ich dachte, vielleicht lohnt sich das ja, vielleicht kann ich daraus ein Buch machen." Also setzte sich Hartmann hin, machte zuerst Bleistift-Skizzen, dann Tusche-Zeichnungen, und nach zehn Seiten legte er diese kleinen Kunstwerke verschiedenen Verlagen vor. "Alle waren interessiert, und meinten sogar, dass ich gut und gerne bis zu 100 Seiten produzieren könnte."
Zweieinhalb Jahre hat Hartmann an seinem "Wilsberg"-Comic gearbeitet. Er hat Hunderte Einzelbilder gezeichnet, alle per Hand, mit Tusche und Farbe, und den Text für die Sprechblasen geschrieben. "Das war hart, hat aber auch viel Spaß gemacht." Hartmann sieht die Sache realistisch. "Selbst wenn der Comic beim Publikum ankommt und ein Erfolg wird, leben kann ich davon nicht." Das Honorar, sagt Hartmann, das ihm der Verlag für den "Wilsberg" bezahlt habe, reiche gerade mal für etwa drei Monate.
Illustratoren in Not

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Cover des Wilsberg-Comics
"In Frankreich, Japan oder den USA wäre das anders. Dort erfahren Comic-Zeichner und überhaupt Illustratoren eine erheblich größere Wertschätzung", sagt Tim S. Weiffenbach, Vorsitzender der bundesweiten Illustratoren Organisation (IO) mit Sitz in Frankfurt. Die IO begreift sich als Interessenvertretung der in Deutschland arbeitenden Illustratoren. "Die deutschen Verlage verlangen von den Illustratoren künstlerische Fertigkeiten, Stil und Präzision, sind aber nicht bereit, diese Arbeit angemessen zu bezahlen", kritisiert Weiffenbach, und verweist auf eine Studie, die die IO durchgeführt hat. Danach können nur etwa 40 Prozent der schätzungsweise 3.000 Illustratoren in Deutschland von ihrer Arbeit leben. Die Mehrzahl müsse hinzuverdienen, mit Jobs wie Taxifahren, Kellnern oder Putzen.
Erfolg für Jörg Hartmann
Dieses Schicksal ist Jörg Hartmann bisher erspart geblieben. Er hat sich einen Namen als Buch-Illustrator gemacht. Viele Kinder in Deutschland kennen seine Figuren aus Lese- und Sachbüchern. Dabei ist Hartmann am Fachhochschul-Standort Münster ein Illustrator von vielen.
Aber er ist geschätzt, wie auch die ersten Reaktionen auf seinen Comic zeigen. "Wilsberg"-Erfinder Jürgen Kehrer hat das Werk gelobt, und auch "Wilsberg"-Fernsehdarsteller Leonhard Lansink zeigte sich begeistert. Mit beiden ist Hartmann verabredet, zur gemeinsamen Autogramm-Stunde, am Freitag (24.08.2012), wenn der Comic erscheint und gleichzeitig eine Ausstellung mit Original-Zeichnungen von Hartmann in Münster eröffnet wird. Jörg Hartmann: "Ich freue mich total darauf."
Stand: 24.08.2012, 06.00 Uhr
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