Weltkulturerbe - Neun NRW-Bewerbungen Countdown für NRW-Denkmäler

Neun Bau- und Naturdenkmäler aus Nordrhein-Westfalen bewerben sich um die Aufnahme ins Weltkulturerbe der Unesco. Ein Experten-Gremium des Bauministeriums muss zwei Denkmäler auswählen, die für NRW ins Rennen gehen.


Astropeiler der Uni Bonn in Bad Münstereifel

Dass das Ende der Bewerbungsfrist ausgerechnet auf einen so genannten Brückentag fiel, will man bei der Bergischen Entwicklungsagentur als gutes Omen für den eigenen Kandidaten sehen: Die Müngstener Brücke ist einer von acht Bewerbern aus NRW für die internationale Auszeichnung "Weltkulturerbe der Unesco". Das Bauministerium hatte Mitte dieses Jahres aufgerufen, mögliche neue Kulturerbestätten anzumelden. Mit dem Kölner Dom, dem Aachener Dom, dem Jagdschloss Augustusburg und der ehemaligen Zeche Zollverein hat NRW bereits vier Denkmäler von Weltrang. Nach 2015, wenn die aktuelle deutsche Kandidatenliste abgearbeitet ist, könnten zwei weitere hinzu kommen.

Experten treffen Auswahl

Weil jedes Bundesland nur zwei Vorschläge zur deutschen Bewerberliste beisteuern kann, soll ein Experten-Gremium die aussichtsreichsten Kandidaten bestimmen. Wer zu den Experten zählen wird, steht zwar noch nicht fest, aber laut Bauministerium dürfen die Mitglieder der Jury nicht aus NRW stammen, um ihre Neutralität zu gewährleisten. Zudem müssen die Teilnehmer Denkmalpfleger, Archäologen oder Historiker sein. Ihr gemeinsames Votum wird der Landesregierung vorgelegt, die endgültig über die Bewerber für NRW abstimmt. Dann folgt eine weitere Auswahlrunde durch die Kultusministerkonferenz, die die endgültige Liste der Bewerber bis 2013 der Unesco vorlegt. Ab 2016 wird die neue Kulturerbeliste dann Jahr für Jahr abgearbeitet.

WDR.de stellt die Bewerber vor, die für das Land ins Rennen gehen wollen.

Astropeiler Bad Münstereifel


Astropeiler der Uni Bonn in Bad Münstereifel

Astropeiler - erstes deutsches Radioteleskop

Die 1956 in der Eifel gebaute Anlage war das erste deutsche Radioteleskop. Über viele Jahre forschten hier Astrophysiker der Uni Bonn und des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie, um neue Erkenntnisse über das Weltall zu gewinnen. Mit dem Neubau des nahe gelegenen Radioteleskops in Effelsberg wurde der Astropeiler wissenschaftlich zusehends unbedeutend. Inzwischen bemüht sich ein Verein um den Erhalt der Anlage.

Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet


Das Schiffshebewerk Henrichenburg zwischen Castrop-Rauxel und Henrichenburg
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Schiffshebewerk Henrichenburg am Dortmund-Ems-Kanal

Nachdem die ehemalige Zeche Zollverein zum Weltkulturerbe erklärt wurde, geht es der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur in Dortmund nun darum, das gesamte Ruhrgebiet zum Weltkulturerbe zu machen. Welche Baudenkmäler zur "industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet" zählen werden, will die Stiftung erst Mitte November 2011 veröffentlichen, nachdem das Kuratorium darüber beraten hat. Ein mögliches Industriedenkmal könnte das Schiffshebewerk Henrichenburg sein.

Schloss Benrath Düsseldorf


Blick auf das Gebäude des Museum für europäische Gartenkunst im Ostflügel des Benrather Schlosses.
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Benrather Schloss in Düsseldorf

Das Lustschloss im Süden der Landeshauptstadt wurde zwischen 1756 und 1770 im Auftrag des Kurfürsten Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach gebaut. Architekt war der Franzose Nicolas de Piage, der das Schloss im Stil des Spätbarock anlegte. Weil zugleich aber auch Bauelemente der neuen Stilrichtung Klassizismus zu finden sind, gilt Schloss Benrath als einzigartiges Bauwerk einer Übergangszeit aus dem Ende der Feudalgesellschaft. Wenige Jahre, nachdem das Lustschloss fertiggestellt war, begann die Französische Revolution.

Stadtkern Kaiserswerth


Menschen sitzen unter Sonnenschirmen in einem Biergarten
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Weltkulturerbe-Kandidat: Kaiserswerth

Die Geschichte des Stadtteils im Norden von Düsseldorf reicht zurück bis ins siebte Jahrhundert. Bedeutung erlangte der Ort, als Kaiser Friedrich Barbarossa im 12. Jahrhundert eine Zollstation einrichtete. Von der Kaiserpfalz sind nur noch Ruinen erhalten geblieben. Restauriert wurde das romanischen Haus am Suitbertusplatz. Der lang gestreckte Marktplatz steht seit 1982 unter Denkmalschutz. Die Stadt Düsseldorf sieht in dem Stadtteil ein "authentisches Zeugnis rheinischer Stadtentwicklung" aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Mies-van-der-Rohe-Häuser Krefeld


Das von Ludwig Mies van der Rohe erbaute Museum Haus Lange
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Museum Haus Lange in Krefeld

Der Architekt Mies van der Rohe gilt als einer der bedeutendsten Architekten Deutschlands im vergangenen Jahrhundert. Weltweit beachtet wurde unter anderem sein Entwurf des deutschen Pavillons bei der Weltausstellung in Barcelona 1930. Aus der gleichen Zeit stammen drei Gebäude in Krefeld, die Mies van der Rohe entworfen hat. Die Häuser Lange und Esters sind Wohngebäude, während mit dem HE-Bau das einzige Fabrikgebäude des Architekten entstand. Alle drei gelten heute als Meisterwerke der klassischen Moderne.

Fundort Neandertaler Mettmann


Skulptur eines Neanderthalers vor dem neuen Neanderthalmuseum  in der Nähe von Mettmann
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Fundort und Museum im Neandertal

Bis 1856 die versteinerten Knochen eines Hominiden entdeckt wurden, galt der Mensch als einzigartiges Geschöpf auf der Welt. Doch der Wuppertaler Lehrer Carl Fuhlrott dachte beim Fund im Neandertal zum ersten Mal darüber nach, dass es auch Vorläufer des modernen Menschen gegeben hatte. Dies macht die Fundstelle des Neandertalers zu einem für die Menschen einmaligen Ort, so die Stiftung Neandertal.

Prinzipalmarkt Münster


Radfahrer fahren in Münster über den Prinzipalmarkt
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Prinzipalmarkt in Münster

Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde auch die Altstadt von Münster in Schutt und Asche gelegt. Anders als viele Kommunen entschied sich Münster nach 1945, den Prinzipalmarkt zu rekonstruieren. Die neuen Gebäude im alten Gewand entstanden an gleicher Stelle und in gleicher Größe. Verzichtet wurde beim Wiederaufbau aber auf die alten Verzierungen. Stattdessen haben viele Häuser heute glatte Sandsteinfassaden.

Urbane Wasserlandschaft Paderborn


Großer Teich in einem Park von Paderborn
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Quellbecken im Stadtpark von Paderborn

Rund 200 Quellen liegen im Stadtgebiet von Paderborn, so viele wie in kaum einer anderen Stadt. Sie alle speisen das Flüsschen Pader und bilden eine einzigartige städtische Wasserlandschaft. Seit der frühen Steinzeit nutzten die Menschen diese Ansammlung von Quellen und ließen sich dort nieder. Die Blüte der Stadt begann im achten Jahrhundert, als Kaiser Karl dort eine Pfalz anlegte. Seitdem entstanden rund um die Paderquellen zahlreiche Bau- und Bodendenkmäler. Dazu gehört unter anderem die mittelalterliche Domburg, die in den 1960er Jahren freigelegt wurde.

Müngstener Brücke Remscheid/Solingen


Müngstener Brücke
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Die 107 Meter hohe Stahlbrücke verbindet seit 114 Jahren die Städte Solingen und Remscheid und spannt sich über das Tal der Wupper. Bis heute ist sie Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke. Einzigartig macht sie die Bauweise. Hier wurde zum ersten Mal der freie Vorbau erprobt - eine Technik, die bis heute beim Brückenbau Standard ist. Wegen ihres feinen Stahlgeflechtes wird die Müngstener Brücke oft mit dem Eiffelturm verglichen, und sollte damals die Leistungsfähigkeit der Industrie im neu gegründeten Deutschen Reich darstellen.


Stand: 30.03.2012, 13.16 Uhr


Kommentare zum Thema (3)

letzter Kommentar: 02.11.2011, 22:39 Uhr

NL schrieb am 02.11.2011, 22:39 Uhr:
Der Müngstener Brücke würde ich die Aufnahme auf jeden fall gönnen!
WDR.de schrieb am 03.11.2011, 11:16 Uhr:
Ein Schlos Augustusburg gibt es sowohl in Sachsen, in der gleichnamigen Stadt, als auch im rheinischen Brühl. Beide dienten als Jagdresidenzen. Beim sächsischen Schloss Augustusburg wird der Namenszusatz häufiger genutzt.
Jens schrieb am 02.11.2011, 21:20 Uhr:
Jagdschloss Augustusburg .. ist das nicht in Sachsen?


Kulturnachrichten

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    In Hannover haben rund 150 Profimusiker aus ganz Deutschland gegen den den Abbau von Musikerstellen und die Abwicklung ganzer Orchester protestiert. Sie spielten in kleiner Besetzung zwischen leeren Stühlen den Luther-Choral "Aus tiefer Not schrei ich zu dir". Hintergrund der Protestaktion ist nach Angaben der Deutschen Orchestervereinigung die Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte. Danach hat sich die Zahl der Orchester um ein Viertel auf 132 reduziert. Aktuell bedroht sei die Duisburger Philharmonie. Die Protestaktion findet zum Unesco-Welttag der kulturellen Vielfalt statt.

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    Im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele in Cannes ist zum ersten Mal der "Prix Media der Europäischen Union" vergeben worden. Der mit 60.000 Euro dotierte Preis geht an den iranischen Regisseur Asghar Farhadi für seinen neuen Film mit der Schauspielerin Marion Cotillard. Die Dreharbeiten sollen im Herbst in Paris beginnen. Der "Prix Media" soll europäische Filmprojekte fördern und will Filmemacher unterstützen, die außerhalb ihrer Heimatländer arbeiten wollen. Asghar Farhadi hatte in diesem Jahr für "Nadar und Simin - Eine Trennung" den Oscar für den besten Auslandsfilm gewonnen. Bereits 2011 war das Familiendrama in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden.

  • Bee-Gees-Sänger Robin Gibb gestorben

    Der Sänger der Popband Bee Gees, Robin Gibb, ist im Alter von 62 Jahren in London gestorben. Nach Angaben seiner Familie erlag er einem Krebsleiden. Der Songschreiber und Komponist gründete gemeinsam mit seinen Brüdern Maurice und Barry die Gruppe Bee Gees. Sie wurde mit Titeln wie "Stayin' Alive", "Saturday Night Fever" und "Massachusetts" weltbekannt. Insgesamt verkauften die Bee Gees über 200 Millionen Platten. Die britische Band wurde in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und gewann sieben Grammy Awards.

  • Erdbeben in Italien beschädigt Kulturgüter

    Im Erdbebengebiet in Norditalien sind Kulturgüter zu Schaden gekommen. In der Stadt Ferrara sind das Schloss und verschiedene Kirchen betroffen. Der Stadtkern aus dem 14. Jahrhundert gilt als erste moderne Stadtplanung der Welt und gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Nach Angaben der Denkmalschutzbehörden ist es bislang unklar, wie viele Gebäude in der Region Emilia Romagna beschädigt wurden. Am wochenende hatte ein schweres Erdbeben sieben Todesopfer gefordert, mehrere tausend Menschen sind obdachlos.

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    Zum Abschluss des Theatertreffens in Berlin sind zwei Preise verliehen worden. Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis ging an Fabian Hinrichs. Er überzeugte die Jurorin Nina Hoss mit seiner Leistung in dem Stück "Kill your Darlings! Streets of Berladelhia" von René Pollesch, einer Inszenierung der Volksbühne Berlin. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird für besondere Leistungen eines Nachwuchsschauspielers verliehen. Der 3sat-Preis für eine herausragende künstlerische Leistung ging an den Regisseur Nicolas Stemann für seine Inszenierung "Faust I+II" am Hamburger Thalia Theater. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Das Theatertreffen in Berlin geht am Montag zu Ende.

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    Die Piratenpartei will ihre programmatischen Aussagen zum Urheberrecht überdenken. Der Bundesvorsitzende der Partei, Bernd Schlömer, sagte im Deutschlandfunk, man wolle Kulturschaffende nicht um ihre Existenz bringen. Das Urheberrecht solle nicht abgeschafft, sondern reformiert werden. Anlass war die breite Kritik von Künstlern, Verlagen und Verwertern, die sich gegen kostenlose Inhalte im Internet ausgesprochen haben. Die Piratenpartei will jetzt mit Kulturschaffenden ins Gespräch kommen und möglicherweise auch Formulierungen im Parteiprogramm ändern.