Jugendliche zurück vom Weltjugendtag Eine Frage der Sichtweise

Von Markus Rinke

Enge, Hitze und Sicherheitsmängel: Pilger aus Münster sind vorzeitig aus Madrid vom Weltjugendtag abgereist. Eine Gruppe aus Hagen blieb bis zum Schluss und es entsteht der Eindruck, sie sei auf einer anderen Veranstaltung gewesen.


30 junge Menschen stehen im Kreis, singen machen eine "Blitzlicht-Runde", in der sie ihre Eindrücke vom Weltjugendtag in Madrid schildern. Alle loben die tolle Stimmung und den Zusammenhalt in der Gruppe. Manchmal fällt ein Wort zur Hitze oder Enge, aber nicht einmal ein Satz zu chaotischen Zuständen und Mängeln in der Organisation. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen machen einen müden, aber sehr zufriedenen Eindruck.

"Gravierende Sicherheitsmängel und fehlende Ordner"

"Ich bin froh, dass es nur sieben Verletzte gab", erklärt dagegen Frank Rauhaus, Projektleiter der Weltjugendtagsfahrt im Bistum Münster. Während der Vigil, einem Gottesdienst mit dem Papst, zieht ein Unwetter auf, der heftige Wind wirft einen Lichtmast um. Mehrere Menschen werden verletzt. Frank Rauhaus und die Gruppen aus dem Bistum Münster sind in der Nähe. "Es gibt keine Ordner in dem Bereich und als dann Bauzäune aufgebrochen wurden und die Menschen da durchströmten, habe ich schon Sorge vor eine Panik gehabt", erklärt Rauhaus. Die Organisatoren entscheiden, dass die Teilnehmer des Weltjugendtags vorzeitig abreisen.

Beim Gewitter gemeinsam gefeiert


"Auf dem Feld, als das Gewitter anfing, da ging es erst richtig los. Da haben alle im Regen getanzt und Party gemacht", sagt dagegen Eric. Für den Schüler war es statt Angst ein gemeinsames Erlebnis, für Vikar Christian Leibhold vielleicht sogar das beeindruckendste: "Weil wir gemeinsam mit dem Papst ausgehalten haben in diesem wirklich schwerem Sturm und Regen getrotzt haben und anschließend in die Anbetung gegangen sind." Das sei auch eins der Erlebnisse gewesen, das die Gruppe zusammengeschweißt habe.

"Gute Organisation und viel Platz"

Auf dem Feld habe auch kein Gedränge geherrscht. Vielmehr hat sich Betreuer Tobias darüber gewundert, wie gut das Gelände abgesperrt und die Menschenmassen geführt worden seien. Allerdings ist die Gruppe - genauso wie die Teilnehmer aus dem Bistum Münster - nicht auf den für sie vorgesehenen Platz gekommen. Ihr Weg zur Messe endete viel weiter hinten in einem Bereich, der eigentlich für Tagesgäste abgesperrt war: "Natürlich ist man da erst einmal enttäuscht, da war ein Erdhügel zwischen und wir haben den heiligen Vater nicht gesehen, dafür haben wir aber eine Großbildleinwand gehabt." Da dieser Teil des Geländes aber nicht für die Teilnehmer gedacht war, gab es weder Essen noch Getränke, kritisieren viele Gruppen. Für Dennis ist das nicht nachvollziehbar: "Wir haben am Ende sogar Verpflegung bekommen, jeder hatte so ein Lunchpaket mit Baguettes, Schinken und Salami." Und Wasser sei am Ende auch verteilt worden.

"Über das Ziel des Jugendtags nachdenken"

Und das, was die Hagener Gruppe noch positiv sieht, beinhaltet für Andreas Tillmann, dem BDKJ-Vorsitzenden des Erzbistums Paderborn, zu dem auch Hagen gehört, ein großes Maß an Kritik: "Am Samstag und Sonntag (20., 21.08.2011) gab es schon ein gewisses Chaos." Auch aus dem Bistum Paderborn sind einige Teilnehmer nicht mehr zur Vigil auf das Feld gekommen, auch Andreas Tillmann weiß, dass Trinkwasser fehlte.

So eingeordnet, ist die Sichtweise zwischen den Teilnehmern aus dem Erzbistum Paderborn und Münster dann nicht mehr so weit auseinander. Der Unterschied liegt darin, dass Frank Rauhaus für seine Teilnehmer Gefahren erkannt hat, die die Hagenern nicht gesehen haben: "Vielleicht haben die das ja gar nicht mitbekommen, da waren 1,5 Millionen Menschen." Unter dem Strich fordert Andreas Tillmann, darüber nachzudenken, ob eine Veranstaltung so groß sein muss und was das Ziel des Weltjugendtags ist.

"Es gab niemanden, den das kalt gelassen hat."


Danach gefragt, gibt es auf einmal ganz viele Gemeinsamkeiten. Denn auch wenn die Ereignisse rund um die Vigil die größte Aufmerksamkeit bekommen, war die Messe doch nur ein kleiner Teil des Weltjungendtags. Viel wichtiger sind für Frank Rauhaus die vielen menschlichen Begegnungen. Und da ist er mit den Hagenern ganz auf einer Linie. Angesprochen auf die beeindruckendsten Erlebnisse beschreiben Dennis, Erik und Corinna die gute Stimmung auf den Straßen während des Kreuzwegs, für Tobias war es eine Vigil in Pamplona mit einem Spiel von Jugendlichen vorweg, wo sie ohne Worte Gut und Böse dargestellt haben. Das war auch für Valerie das, was den Weltjugendtag ausgemacht hat: "Man hat richtig gemerkt, wie die Menge bewegt war, und es gab niemanden, den das kalt gelassen hat."


Stand: 22.08.2011, 20.34 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 23.08.2011, 08:08 Uhr

Horst schrieb am 23.08.2011, 08:08 Uhr:
Wieso sind Plötzlich alle Sicherheitskräfte der Welt mit Großveranstaltungen überfordert? Achja Richtig weil das ja nur noch Private Ordner machen ...


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