Interview mit Roland Kaiser zum Tatort "Mitgewirkt, ohne unangenehm aufzufallen"

Schlagersänger Roland Kaiser gibt sein Debüt als Schauspieler. Im Münsteraner Tatort "Summ, Summ, Summ" spielt er den umschwärmten Schlagerstar Roman König. WDR.de sprach mit ihm über Lampenfieber, Einsatzrollen und die Disziplin am Set.


Roland Kaiser steht während einer Tatort-Szene auf der Bühne und singt

Kommissare Thiel (Axel Prahl) und der Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) klären in diesem Fall den Mord an einer Journalistin auf. In ihrer Jackentasche trug sie eine Ehrenkarte für ein Konzert des Schlagerstars Roman König, der von Roland Kaiser gespielt wird.

WDR.de: Am Sonntag sind Sie im neuen Tatort Münster an der Seite von Axel Prahl und Jan Josef Liefers zu sehen. Wie hat Ihnen Ihr Debüt als Schauspieler gefallen?

Roland Kaiser: Ich bin ja eigentlich kein Schauspieler, sondern nur Mitwirkender. Ich habe mitgewirkt, ohne unangenehm aufzufallen. Es ist eine interessante Sache, mal etwas anderes zu tun. Da sind exzellente Schauspieler am Werk. Ulrike Krumbiegel und Fritzi Haberlandt, die wie ich beide eine Gastrolle haben, sind mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und können wunderbar spielen.

Roland Kaiser
Der Schlagersänger Roland Kaiser

Mit "Santa Maria", "Joana", "Dich zu Lieben" oder "Extreme" eroberte Roland Kaiser die Herzen seiner Fans. Erstmals nach seiner schweren Lungenerkrankung ist der Schlagerstar unter dem Titel "Affären" wieder auf Konzerttournee durch Deutschland und Österreich. Zu hören gibt es da auch das Titellied "Egoist" des WDR-Tatorts "Summ, Summ, Summ", der am 24. März 2013 ausgestrahlt wird und in dem Roland Kaiser eine Rolle spielt.

WDR.de: Haben Sie sich jemals vorgestellt, im Tatort mitzuspielen?

Kaiser: Ich habe Jörg Pilawa im Tatort gesehen. Bei einer Pressekonferenz hat er als Journalist einen Satz zu Axel Prahl als Kommissar Thiel gesagt: "Und sie sind sicher, dass das der Mörder war?" Das war seine Rolle. Ich dachte mir, dass ich vielleicht als Hausmeister zu Axel Prahl als Kommissar Thiel sage: "Mit ihrem Fahrrad können sie hier nicht stehen bleiben." Doch die Autoren haben mich gefragt, ob ich bereit wäre, eine Episoden-Hauptrolle zu spielen. Da habe ich ja gesagt.

WDR.de: Sie spielen den Schlagerstar Roman König. Gibt es da Parallelen zu Ihrem Leben?

Kaiser: Der Typ hat nicht viel mit mir zu tun. Er ist ein völlig anderer Charakter, als ich es bin. Roman König ist eine zwielichtige Gestalt. Es ist moralisch sehr fragwürdig, was er so treibt. Der Titelsong "Egoist", den ich für den Tatort mitgeschrieben habe, beschreibt ihn sehr gut. Er ist ein ausgesprochen unangenehmer Machotyp, der für den eigenen Vorteil ziemlich rabiat über die Interessen anderer Leute hinweggeht.

WDR.de: Ist es Ihnen schwergefallen, diese Rolle zu spielen?

Kaiser: Ach Quatsch, überhaupt nicht. Es war von vornherein klar, die werden nicht eine ihrer Parade-Tatort-Folgen opfern, nur um mir einen Gefallen zu tun. Das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn ich wirklich eine peinliche Leistung abgeliefert hätte, hätten sie mir schon gesagt, dass ich nach Hause fahren soll. Aber das hat mir weder der Regisseur gesagt, noch die Redakteurin, noch die Produzentin.

WDR.de: Hatten Sie Lampenfieber?

Kaiser: Nein, ich habe mich auf diesen Auftritt gefreut. Ich war gespannt, wie man von so arrivierten Kollegen wie Axel Prahl oder Jan Josef Liefers empfangen wird. Alle waren sehr nett. Das ganze Team übrigens. Es hätte ja auch sein können, dass sie Ressentiments gegen mich hegen. Da kommt so ein Sänger daher, der sonst Konzerte macht, stellt sich hin und glaubt hier mitspielen zu können. So war es aber nicht, die haben mich freundlich aufgenommen.

WDR.de: Es gab auch schon zuvor Anfragen. Was hat sie besonders am Tatort gereizt?

Kaiser: Ich meine, der Tatort ist eine der ersten Adressen im deutschen Fernsehen. Besonders reizvoll war für mich die Zusammenarbeit mit den Autoren und den Schauspielern. Das war ein tolles Erlebnis, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

WDR.de: Auch im Krimi stehen ihre, beziehungsweise die Fans von Roman König Kopf. WDR 4 hat für eine Konzertszene über 200 Komparsenrollen vergeben, deutlich mehr wollten dabei sein ...


Kaiser: Das hat mit mir nichts zu tun. Das liegt daran, dass speziell dieser Tatort eine Menge Fans hat. Als Komparse mitwirken zu können, das ist der Reiz gewesen. Fernsehen ist immer noch eine besondere Sache, vor allem dann wenn es gemacht wird - und speziell bei so einem Publikumsmagneten wie dem Tatort aus Münster.

WDR.de: Was hat Sie am Set am meisten beeindruckt?

Kaiser: Alles ist sehr professionell, sehr exakt und sehr straff organisiert. Das hat mich sehr beeindruckt. Wenn ein Regisseur sagt, wir drehen, dann ist absolute Ruhe. Für uns Musiker ist es sehr interessant, wie gut das funktionieren kann.

WDR.de: Funktioniert das auf der Bühne nicht so?

Kaiser: Ach natürlich. Wenn ich wie derzeit eine große Tournee spiele, herrscht bei uns auch kein Schlendrian. Aber wir haben bei den Proben dennoch mal Zeit rumzualbern.

WDR.de: An welche Szene erinnern Sie sich besonders gerne?

Kaiser: Es gibt eine Szene mit Jan Josef Liefers als Professor Karl-Friedrich Boerne. Er sucht mich in meiner Suite auf, weil ich zu laute Musik spiele – und zwar Richard Wagner. Boerne selbst ist auch ein glühender Verehrer von Wagner. Er wusste aber nicht, dass ich es auch bin, obwohl ich nur Schlagersänger bin. Wenn so ein Mensch wie er nachts in seinem Kimono im Zimmer eines anderen Richard Wagner hört, dann ist das schon eine obskure Nummer. Diese Szene war sehr lustig, weil wir beide es ein bisschen übertrieben haben. Da mussten wir sehr über unsere eigene Blödheit lachen.

WDR.de: Ist die Schauspielerei nur eine Episode für Sie?

Kaiser: Ich glaube nicht, dass man in meinem Alter noch umschulen sollte. Zumal das eine Sache ist, die man nicht selbst entscheiden kann. Das geht nicht von mir aus, sondern von den Leuten, welche die Rollen besetzen. Aber, wenn ein reizvolles Angebot reinkommt, kann ich mir vorstellen, ein weiteres Mal zu drehen. Beide - die Schauspielerei und die Musik - haben ihren Reiz. Für einen Musiker ist es die Königsklasse, wenn man in großen Hallen Konzertprogramme spielen kann. Handgemachte Livemusik ist in meinem Beruf einfach die Krönung. Das andere sind Dinge, die Freude mache.

Das Gespräch führte Simone Maurer.


Stand: 23.03.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 25.03.2013, 00:33 Uhr

Iguana 2.0 (Der Leguan am Tatort) schrieb am 25.03.2013, 00:33 Uhr:
Auch dieser Tatort aus Münster war mal wieder gelungen und sehenswert. Die Tatortfolgen aus Köln und Münster sind für mich absolutes Pflichtprogramm.
Hapeer schrieb am 24.03.2013, 09:55 Uhr:
Ob nun mit oder ohne Herrn Kaiser: Der TATORT aus Münster entwickelt sich immer mehr zum Klamauk. Leider, leider, leider. Daher werde auch ich wahrscheinlich umschalten. Na ja, sagen wir mal, vermutlich spätestens nach eine halben Stunde ...
der_marc: @Frau Kottenstette schrieb am 23.03.2013, 13:33 Uhr:
Schon interessant, wie Sie sich Ihre Meinung bilden.
Sabine Kottenstette schrieb am 23.03.2013, 11:46 Uhr:
Münsteraner Tatort mit Roland Kaiser? Oh wei! Dabei hatte ich mich schon auf Prahl und Liefers gefreut. Dann eben jetzt ein neues Motto: "Summ-summ-summ - Nach der Tagesschau schalt ich um!".


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