Tag der Architektur in NRW: 451 moderne Bauprojekte
In NRW sind Samstag und Sonntag (23./24.06.2012) 451 Bauprojekte zur Besichtigung geöffnet, die sonst nicht zugänglich sind. Schwerpunktthema in diesem Jahr: Energieeffizientes Bauen. Die Möglichkeiten sind so groß wie nie.

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Leise und langsam dreht sich das Haus mit der Sonne
Immer der Sonne entgegen! In Deutschland gibt es bislang nur wenige Sonnenhäuser - eines davon steht in Rietberg, Kreis Gütersloh. "Das besondere an diesem Haus ist, dass es sich komplett dreht - und zwar konstant dem Stand der Sonne folgend. Grundgedanke ist, die Sonnenenergie so effektiv wie möglich zu nutzen", sagt Christoph Jaeger, einer der Bauherren und Experte für regenerative Haustechniksysteme. Das Rietberger Sonnenhaus steht im bundesweit ersten Klimapark. Beim Tag der Architektur können sich Besucher bei Führungen die ausgeklügelte Technik erklären lassen. Die auf dem gesamten Dach installierte Fotovoltaik- und Thermie-Anlage wird so effizient genutzt, dass das Gebäude weitaus mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Das Passivhaus in Holzrahmenbauweise samt barrierefreier Terrasse ruhen auf einem kugelgelagerten Drehkranz. "Das Haus dreht sich so langsam und leise, das merken Sie gar nicht", so Jaeger.
Kesselhaus: Kreative Energie statt Kohle
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Das Kesselhaus im Kölner Leskan-Park (Fotostrecke 1)
Ein völlig anderes, aber nicht weniger interessantes Gebäude erwartet Besucher am Samstag (23.06.2012) im Kölner Leskan-Park: Architekt Hans-Peter Tschorn hat das etwa 80 Jahre alte Kesselhaus innerhalb eines Jahres zu einem modernen Bürogebäude umgebaut. Wo damals tonnenweise Kohle zur Energiegewinnung des Gewerbeparks verfeuert wurde, arbeitet heute eine kreative Szene aus Grafikern, Computerexperten und Marketingstrategen in fünf neuen Büroeinheiten auf separaten Ebenen. "Wir haben von innen ein Wärmedämmverbundsystem angebracht, und damit keine Kältebrücken entstehen, wurden die vier Decken nur punktuell auf Kautschuk aufgehängt", so Tschorn.
Historisches erhalten, Neues integrieren
Er hat Wert darauf gelegt, die Ziegel-Fassade sowie Materialien im Inneren des Industriedenkmals zu erhalten und neue Elemente, wie zusätzliche Fenster und ein Treppenhausturm mit Aufzug, dezent zu integrieren. Alte Schienen am Eingang und der Schornstein erinnern an die ehemalige Bestimmung des Gebäudes. Die Bauleitung bei dem Projekt hatte Heinz Scheer: "Im Grunde genommen war das ein Neubau in Altbestand. Teilweise stimmten die alten Pläne nicht, und wir mussten vor Ort improvisieren. Ein spannendes und sehr schönes Projekt."
Idylle in der City
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"Da oben ist jetzt mein Kinderzimmer" (Fotostrecke 2)
Über einen besonders schönen Ort freut sich Charlotta Rautenberger aus Mönchengladbach. "Da oben ist jetzt mein Kinderzimmer. Und im Garten habe ich Gemüse gepflanzt", schwärmt die Siebenjährige von ihrem neuen Zuhause. Seit Februar wohnt sie mit ihren beiden Brüdern und ihren Eltern in dem sanierten Gründerzeithaus in der City von Mönchengladbach. "Wir wollten in die Innenstadt ziehen. Schule, Kindergarten, Kino, Gastronomie und mein Arbeitsplatz sind fußläufig zu erreichen und im Garten hört man nichts außer Vogelgezwitscher", so Bauherr Jochen Rautenberger. Im Garten herrscht Idylle pur: alte Bäume und Sträucher, Lurche, dicke Hummeln und die Nachbarskatze, die täglich vorbeischaut. Die Innenräume, 240 Quadratmeter Wohnfläche, sind modern gestaltet und mit neuster Technik ausgestattet. Den Charme des Gebäudes haben die Architekten durch den Erhalt alter Elemente wie Backsteinfassade, Holztreppe und Türen erhalten. Hier haben einst drei Familien gewohnt. "Verschwenderisch mit Raum umzugehen bedeutet für uns Wohnqualität. Gerade, dass alles nicht so zweckmäßig aufgeteilt ist wie bei einem Neubau, macht den Reiz aus", sagt Rautenberger.
Sinnvolle und bezahlbare Maßnahmen

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Letzte Absprachen zwischen dem Bauherrn und seinen Architekten
Dass man aus einem Gebäude Baujahr 1903 schwer ein Passivhaus machen kann, ist dem Bauherrn nicht wichtig: "Ich habe mehr Freude an meinem Wohngefühl als an meiner Nebenkostenrechnung. Zudem sparen wir viel Spritgeld durch die zentrale Wohnlage." Bei 3,20 Metern Deckenhöhe und 240 Quadratmetern Wohnfläche hat das Architekten-Team "Schwinning und Jammers" darauf geachtet, dass die Kosten für Strom und Gas im Rahmen bleiben mit folgenden Maßnahmen: neue Heizkörper, eine moderne Gasheizung, Fenster mit guten Dämmwerten und eine Innendämmung an der Frontseite des Hauses. "Die technischen Möglichkeiten, Energie im Privathaus zu sparen, zu erzeugen und zu speichern sind mittlerweile enorm groß. Die Kosten sind teilweise sehr hoch und man muss mit dem Bauherrn abwägen, welche Maßnahmen Sinn machen und ins Budget passen", so Architekt Ralph Jammers.
Beim Tag der Architektur können sich Interessierte das Haus der Familie Rautenberger oder 450 weitere private und öffentliche Bauten, Parks sowie Gärten in ganz NRW anschauen. Alle Öffnungszeiten und Adressen sowie Ansprechpartner sind auf der Homepage der Architektenkammer NRW zu finden.
Stichworte
- Klimapark in Rietberg
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In Rietberg, Kreis Gütersloh, wurde im Juli 2011 Deutschlands erster Klimapark eröffnet. Auf dem etwa 12.000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Landesgartenschauparks werden den Besuchern Ursachen und Folgen des Klimawandels veranschaulicht. Dort werden Techniken vorgestellt, die Energieressourcen besser und nachhaltiger nutzen. Unternehmen aus dem Bereich regenerative Energie stellen Projekte vor zu den Themen Biogas, Elektromobilität, Geothermie, Wärmespeicherung, Lüftungstechniken, Abfallvermeidung und Recycling, LED-Straßenbeleuchtung, Sonnenenergie und Wohnen mit der Sonne. Die Fachhochschule Bielefeld betreut den Klimapark wissenschaftlich, Studenten und Schüler können Forschungen anstellen. Etwa 250.000 Parkgäste werden pro Jahr erwartet.
Stand: 23.06.2012, 09.00 Uhr
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 23.06.2012, 20:16 Uhr
- heinzb aus nrw schrieb am 23.06.2012, 20:16 Uhr:
- Das verdeutlicht uns gleichzeitig den Unterschied zwischen Arm und Reich, ich habe keine Möglichkeit, bin froh, die monatliche Miete aufzubringen und demnächst wohl stromlos bei den brachial steigenden Energiepreisen, zu solch Spielereien fehlt uns das Geld, denke ich. Durch diese Vorstellungen des Möglichen frage ich mich, wozu ich eigentlich überhaupt arbeiten gehe und Kinder groß gezogen habe, denen es nur noch schlechter als und jetzt geht.
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