Köln Viel Streit ums Geld

Von Vera Lisakowski

Jeder gegen Jeden schien es bei den Kölner Bühnen lange zu lauten. Nun muss die neue Opernintendantin schnell die jetzige Spielzeit umplanen und die scheidende Theaterintendantin versucht, keine Schulden zu hinterlassen.

Oper Köln: Intendant weg


Die Kölner Opernintendantin Birgit Meyer
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Die Kölner Opernintendantin Birgit Meyer ist neu im Amt

Die Bühnen der Stadt Köln sind ein Betrieb, haben aber zwei Intendanten. Hier gärte es schon länger - auch untereinander. Die Sanierung des Opernhauses musste verschoben werden, weil der Abriss und Neubau des Schauspielhauses nicht wie geplant stattfanden. Obwohl das Opernhaus mit Sondergenehmigung noch bespielt werden konnte, nutzte die Oper Ausweichspielstätten - die Produktionen waren schon lange geplant. Besonders der spektakulär inszenierte "Sonntag aus Licht" von Karlheinz Stockhausen verursachte hohe Kosten. Der bisherige Opernintendant Uwe Eric Laufenberg hat internationale Gäste eingekauft, im Ausland gespielt und aufwändig produziert - ein Niveau, das die Kölner Oper lange nicht gesehen hat. Nur benötigte er hierfür deutlich mehr Geld, als im Etat vorgesehen war.

Eine zwischenzeitliche Erhöhung des städtischen Zuschusses glich dabei kaum allgemeine Kostensteigerungen und Tariferhöhungen aus. So wurde das Opernprogramm zum Teil aus Rücklagen finanziert, auch gesonderte Zuschüsse flossen in einzelne Produktionen. Letztlich verlangte Laufenberg aber zwei Millionen Euro mehr von der Stadt. Darüber entbrannte ein – größtenteils öffentlich geführter - Streit, in dem zunächst Laufenberg zum Ende der Spielzeit 2012/13 kündigte und im Juni dann die Stadt Köln Uwe Eric Laufenberg fristlos rausschmiss, was Ende August in eine Vertragsauflösung umgewandelt wurde.

Die Kölner Oper stand also kurz vor Beginn der Spielzeit 2012/13 ohne Intendanten und abgesicherten Spielplan da. Die Stadt setzte die bisherige stellvertretende Intendantin und Chefdramaturgin Birgit Meyer als Laufenbergs Nachfolgerin ein. Sie muss jetzt schnell den Spielplan für diese und die kommenden Spielzeiten bis 2015 planen, denn die Vorlaufzeiten im Opernbetrieb sind lang. Vor allem für die drei Opern, bei denen Laufenberg 2012 und 2013 selbst Regie führen wollte, mussten neue Regieteams gefunden werden. Aus finanziellen Gründen ist sie für diese Spielzeit noch nicht gezwungen, am Spielplan rütteln, Meyer darf die noch von Laufenberg ausgehandelten Kredite in Anspruch nehmen. Ab 2013/14 sieht das allerdings anders aus, dann steht das bisherige Budget nicht mehr zur Verfügung und die Kredite müssen wieder zurückgezahlt werden.  

IntendantinBirgit Meyer (seit 2012/13)
SpartenOper
Gesamtetat40 Millionen Euro
(7,2 Millionen Euro davon für Orchester)
Zuschuss der Stadt31,9 Millionen Euro
(Sanierung und Interimskosten werden aus gesondertem Etat gezahlt)
Plätze
(aufgrund der Sanierung in Ausweichspielstätten)
1.400 (Oper am Dom), 750 (Palladium 1), 450 (Palladium 2), 185 (Kinderoper)
Besucher (2011/12)179.000
Auslastung (2011/12)90 Prozent
Premieren (2012/13)14 (davon 4 Kinderoper)
Vorstellungen (2011/12)252
Mitarbeiter690
(Oper und Schauspiel zusammen)
Durchschnittlicher Erlös pro Besucher (2010/11)39 Euro
(Oper und Schauspiel zusammen)
Betriebskostenzuschuss pro Besucher (2010/11)190 Euro
(Oper und Schauspiel zusammen)

Schauspiel Köln: Virtuelles Spielzeitheft


Karin Beier, Intendantin des Schauspiels Köln
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Intendantin Karin Beier beim renovierungsbedingten Abschied vom Schauspielhaus

Mit Karin Beier hat das Kölner Schauspiel eine Intendantin, die von Publikum wie Kritik gleichermaßen geliebt wird und die das Haus in kürzester Zeit wieder in die erste Liga katapultiert hat. Zwei Mal wurde es zum "Theater des Jahres" gewählt, vier Jahre hintereinander wurden teils mehrere Kölner Produktionen zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Mit der Stadt aber hatte es Karin Beier nicht so leicht. Nachdem der geplante Neubau des Schauspielhauses aufgrund von Mehrkosten nicht so ausgeführt werden sollte, wie ursprünglich geplant, setzten sie und die Initiative "Mut zur Kultur" sich für eine Sanierung des alten Schauspielhauses ein. Schlussendlich kippte der Stadtrat seinen eigenen Entschluss, er entschied gegen einen Neubau und für die Sanierung. Die Diskussionen aber hörten nicht auf. Als feststand, dass Karin Beier 2013 an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg wechseln würde, diskutierte man sogar öffentlich darüber, sie früher aus dem Vertrag zu entlassen, als von ihr gewünscht.

Da Schauspiel und Oper gemeinsam finanziert werden, muss auch das Schauspiel für die Mehrkosten im Gesamtetat der Bühnen aufkommen - und die Intendantin möchte ihrem Nachfolger Stefan Bachmann nur ungern Schulden hinterlassen. Deshalb hat Karin Beier reagiert und bereits in der vergangenen Spielzeit eine Produktion unter eigener Regie gestrichen. In dieser Spielzeit entfällt ein Stück unter der Regie von Herbert Fritsch. Außerdem erschien das Spielzeitheft 2012/13 nur als PDF, die Druck- und Portokosten wurden gespart. Aber auch die Stadt Köln hat auf die Etatquerelen, die zwischenzeitlich zu Missstimmungen zwischen Oper und Schauspiel geführt hatten, reagiert: Die Auszahlungen für die beiden Häuser wurden intern getrennt, jetzt ist festgesetzt, wer welche Summe erhält.

IntendantinKarin Beier (seit 2007, bis 2013)
SpartenSchauspiel
Gesamtetat20 Millionen Euro
Zuschuss der Stadt18,5 Millionen Euro
(Sanierung und Interimskosten werden aus gesondertem Etat gezahlt)
Plätze
(aufgrund der Sanierung in Ausweichspielstätten)
450 (große Expo XXI), 200 (kleine Expo XXI), 220 (Halle Kalk)
Besucher (2011/12)115.000
Auslastung (2011/12)75 Prozent
Premieren (2012/13)12
Vorstellungen (2011/12)398

Die Angaben in den Tabellen stammen von den Bühnen Köln oder wurden der Theaterstatistik 2010/11 des Deutschen Bühnenvereins entnommen.