Situation der Bühnen in NRW: Theater ums Geld
Der Kölner Opernintendant Uwe Eric Laufenberg hat in der vergangenen Spielzeit sicher am lautesten gebrüllt, weil das Geld nicht reichte – und dabei seinen Job verloren. Doch auch andere Bühnen in NRW haben finanzielle Probleme. WDR.de hat sich bei einigen umgehört, wie der Stand der Dinge ist.

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Das Kölner Opernhaus wird derzeit saniert
18 kommunale Theater, vier Landestheater und das halb vom Land finanzierte Düsseldorfer Schauspielhaus stehen den 18 Millionen Einwohnern von NRW zur Verfügung – ganz zu schweigen von der riesigen freien Szene, die zum Teil auch öffentlich gefördert wird. Doch das Land und besonders die Kommunen müssen sparen, Kämmerer überlegen allerorten, wo sie kürzen können. Die Kultur steht dabei fast immer auf der Sparliste. Hinzu kommt für alle Betriebe die Tariferhöhung von 6,3 Prozent, die die ohnehin schon hohen Personalkosten noch weiter steigen lässt. Eine Situation mit der die Bühnen in NRW umgehen müssen – möglichst ohne dabei künstlerische Abstriche zu machen.
Auch in der vergangenen Spielzeit gab es an vielen Häusern Streit um die Finanzen. Wir haben uns einige Bühnen herausgegriffen und angesehen, wo die Probleme liegen, welche Lösungen es schon gibt und nicht zuletzt, welche Auswirkungen das auf die jetzt beginnende Spielzeit hat.
Situation der Bühnen in NRW
Einsparungen auch in Oberhausen ...

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Oberhausen soll mit anderen Ruhrgebietsbühnen kooperieren
Dies sind natürlich bei weitem nicht alle Theater in NRW, die mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben. So wurde in Oberhausen vom Kämmerer in der vergangenen Spielzeit – mal wieder – eine Kooperation der Ruhrgebietsbühnen vorgeschlagen, die aber nur wenig Einsparpotenzial verspricht. Ausprobiert haben es die Häuser bereits, die Publikumsresonanz war allerdings gering. Die Zuschauer möchten offenbar doch eher ihr eigenes Theater sehen, als das der Nachbarstadt. Auch technisch wird es schwierig: Die Bühnen sind unterschiedlich groß, deshalb können Produktionen nur schwer von einem Haus ins andere ziehen. Besonders bei den kostenintensiven, also den aufwändig inszenierten Stücken ist kaum zu erwarten, dass die Umzugskosten so wieder eingespielt werden können.
... oder Hagen
Das Theater Hagen arbeitet seit Jahren mit extrem niedrigem Etat, der immer wieder gekürzt wird. Seit zwei Jahren wird intensiv überlegt, den eng an die Verwaltung angegliederten städtischen Regiebetrieb in eine gemeinnützige GmbH umzuwandeln. Das könnte größere Flexibilität in Personal- und Finanzentscheidungen bringen – und verspricht Einsparungen von bis zu 600.000 Euro. Das sollte auch der Stadt gefallen, möchte sie doch, dass das Theater noch einmal 850.000 Euro einspart. Die Etatkürzung wurde im Stadtrat bereits vor der Sommerpause beschlossen, die eigentlich daran gekoppelte Entscheidung über die zukünftige Rechtsform hingegen fiel nicht. Das bedeutet, die Umwandlung kann nicht zur Spielzeit 2013/14 umgesetzt werden, sondern frühestens ein Jahr später. Im Theater hofft man jetzt, dass auch die Kürzungen nicht greifen – denn einsparen ließe sich in Hagen nur noch in einer anderen Rechtsform.
... oder Düsseldorf

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Unruhe gab es auch im Düsseldorfer Schauspielhaus
Und selbst im vergleichsweise üppig ausgestatteten Düsseldorfer Schauspielhaus, finanziert von der Stadt Düsseldorf und dem Land NRW, gab es am Ende der vergangenen Spielzeit Ärger ums Geld: Der neue Intendant, Staffan Valdemar Holm, hat wegen einer Kürzung von 780.000 Euro die Stadt stark kritisiert, sogar erklärt, dass er unter diesen Voraussetzungen sein Amt gar nicht angetreten hätte.
Überschätzung des Einsparpotenzials
Die Bühnen sind die teuersten unter den Kulturbetrieben. Deshalb versprechen sich die Städte hier großes Einsparpotenzial, obwohl schon die Kulturetats nur einen geringen Anteil an den Gesamthaushalten ausmachen. Die Kommunen kürzen dort, wo sie kürzen können, bei den freiwilligen Leistungen. Das betrifft die Kultur genauso wie Freizeiteinrichtungen, Parks oder Sportanlagen. Alle diese Einrichtungen stellen aber durchaus einen Standortfaktor dar, der sich letztendlich auch wirtschaftlich auswirken kann. Theater sind dabei besonders personalintensiv, 70 Prozent der Gesamtkosten werden im Schnitt an den Bühnen in NRW für die Mitarbeiter ausgegeben. Zugleich ein Kostenfaktor, der sich nicht so leicht kürzen lässt, denn die Häuser benötigen einen ausreichenden Personalbestand, um überhaupt spielfähig zu sein. Mit der Streichung einzelner Produktionen oder dem Versuch, sie billiger zu produzieren, lassen sich also nur geringe Einsparungen erzielen. Die aber werden sofort sichtbar, die Attraktivität des Spielplanes sinkt, die Zuschauer bleiben weg, die Auslastungszahlen und Einnahmen sinken - und damit droht sofort die nächste Sparrunde.
Stand: 18.09.2012, 11.50 Uhr
Kommentare zum Thema (4)
letzter Kommentar: 18.09.2012, 18:59 Uhr
- Addi schrieb am 18.09.2012, 18:59 Uhr:
- Genauso sehe ich das auch! Wenn keine Nachfrage nach schöpferischen Werken von selbstverliebten Selbstdarstellern vorhanden ist, müssen diese Schauspielhäuser halt schließen! Denn das ist wahres Banausentum, Steuergelder rauszuschmeißen für Hochkultur die nur eine absolute Minderheit interessiert! In Blütezeiten der Staatsverschuldung haben nachfolgende Generationen nämlich nichts davon!
- Anonym schrieb am 18.09.2012, 16:29 Uhr:
- Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Wenn erst einmal ein paar Häuser geschlossen wurden, dann fahren interessierte Personen auch gerne in die nächste Stadt. Gerade im Ruhrgebiet sind die Wege überschaubar. Zudem sind die noch verbliebenen Häuser gut besucht und finanzieren sich selbst. Hochkultur kann man sich halt nur leisten, wenn die Kassen voll sind und das wir in Deutschland gerade einen Rückschritt machen sieht man an allen Ecken.
- hgs - vorletzte zeile korrigiert schrieb am 18.09.2012, 15:26 Uhr:
- ICH hat fertig, wohl eher mit sich. Kultur ist allererster Bildungsauftrag und daher eine Grundversorgung der Bürger. Wo wäre die Menschheit, hätte es nicht zu ALLEN Zeiten kreative Erdenbewohner gegeben, die sich ihren Mitmenschen und nachfolgenden Generationen durch ihre schöpferischen Werke mitteilen wollten? Hoch"kulturen" nennt man heute die besonderen Blütezeiten in der Menschheitsgeschichte. Und da kommt so ein/e ICH daher und will Theater "zu machen und fertig"! Welches "Banausentum" muss man zu Beginn des 3. Jahrtausends unserer Zeitrechnung nur um sich herum ertragen - grauenvoll.
- Ich schrieb am 18.09.2012, 15:00 Uhr:
- Zu machen und fertig. Normalbürger haben eh kein Geld für die Eintritskarten. Bei ständigem Lohndumping ala 400€ Jobs, Leiharbeit und sonstiger Präkehrer Arbeitsverhältniße auch kein Wunder. Meine Steuern sollten lieber in Schulschwimmbäder investiert werden als in Theather für Gutverdiener. Aber die Schwimmbäder wurden leichtfertig ja schon vor Jahren geschloßen. Nun wundert man sich über die vielen dicken Kinder. Na die nächsten Wahlen kommen bestimmt, das wird ein Staunen geben.
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