Der letzte Feinschliff für die Doku Colormatching: Auf die Farbe kommt es an

Von Michael H. Gerloff

Ein großer fensterloser Raum im Filmhaus des WDR. Nur ein High-End-Beamer, einige Computermonitore und ein paar Geräte erhellen den Arbeitsplatz von Billy Gomez. Seine Aufgabe: Colormatching für die 90-minütige Dokumentation "Ein Tag Leben in NRW".

Was bei dem hier gezeigten Clip "Vorher - Nachher" sofort auffällt: Billy Gomez hat das Video von Karsten leicht geschärft. Außerdem wurde der dunkelrote Himmel über der Schnellstraße etwas verändert. Beim zweiten Clip hat das Bild knackigere Farben. Vor allem aber wurde bei der jungen Autofahrerin ein Oval angelegt, um den Blick auf sie zu konzentrieren; das nennt sich "Vignettierung".


Billy Gomez bei der Arbeit, Blick von hinten auf die Leinwand
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Technik allein reicht nicht: Am großen Bildschirm überprüft Billy Gomez das Ergebnis

"Colormatching" wird oft mit "Farbkorrektur" übersetzt - doch den Ausdruck hört Billy Gomez nicht so gern. Der 48-jährige studierte Fotoingenieur arbeitet seit 2001 als Colorist in der Postproduktion des WDR. Er macht, wie seine Kollegen, nicht einfach "Korrekturen". Farbstiche oder Änderungen bei Kontrast oder Helligkeit könnten heute schließlich an jedem Schnittplatz erledigt werden.


Hände nah auf dem Arbeitspult
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Beim Colormatching braucht man viel Fingerspitzengefühl

Das Besondere bei der Nachbearbeitung von "Ein Tag Leben in NRW": Das Material stammt von 180 verschiedenen Kameras und Smartphones. Die Herkunft der Clips ist oft mehr als deutlich: Ein Smartphone ist eben keine Fernsehkamera, die Bilder haben durchweg wenig Kontrast und wenig Farbe. Daran kann Billy Gomez leicht etwas ändern. Doch geht es um mehr. Selbst kleinste Sprünge in der Farbstimmung stören die Zuschauer - ohne dass sie sagen könnten, was es genau ist. Darum soll beim Colormatching ein stimmiges Bild für den Film geschaffen werden.

Bei vielen Clips wird deutlich, wie geschult das Sehen ist. Gerade bei Beiträgen von jungen Leuten merke er, wie "richtig" viele Einstellungen beim Bildausschnitt sind, erklärt Gomez.


Colormatcher Billy Gomez bei der Arbeit im ausnahmsweise hellen Arbeitsraum
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Colormatching findet im Dunklen statt: Für das Foto hat Billy Gomez ausnahmsweise das Licht eingeschaltet.

Was ihn am Projekt begeistert, ist die Vielzahl unterschiedlicher Einsendungen. Dass auch ältere Menschen mitgemacht und ohne Angst vor der Technik kleine Filme gedreht haben, findet er großartig. Er hat schon an Projekten wie der "Langen Nacht der Super8" gearbeitet, bei dem es auch sehr unterschiedliches Amateurmaterial gab. Da habe man aber deutlich gemerkt, wie die Filmer sich fast jede Szene vorher überlegt haben - spontan sei das oft nicht mehr gewesen.

Billy Gomez freut sich daher besonders an den Bildern: Heute werde viel mehr spontan gedreht, die Leute hätten einfach riesigen Spaß an dem, was sie uns zeigen. Und das überträgt sich schnell auf die Bilder.


Stand: 21.09.2012, 16.22 Uhr