Legendäre Sonderbundschau: Jahrhundertschau reloaded: "1912 - Mission Moderne"
Als "Schreckenskammer" und "Lachkabinett" wurde die Ausstellung des Sonderbunds 1912 in Köln verspottet. Doch sie war ein Meilenstein der Kunstgeschichte. Das Wallraf-Richartz-Museum zeigt seit Freitag (31.08.2012) eine Rekonstruktion mit Werken von van Gogh, Gauguin, Munch und Picasso.
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650 Werke der klassischen Moderne im Wallraf-Richartz Museum
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WDR aktuell vom 31.08.2012
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650 Werke der klassischen Moderne im Wallraf-Richartz Museum
Für den "Kölner Stadt-Anzeiger" gehören die Gemälde der Ausstellung "eher in die Sammlung eines Nerven- oder Irrenarztes als in eine öffentliche Kunstausstellung." Der Kritiker sieht den schädlichen Einfluss einer "Schreckenskammer" und eines "Lachkabinetts". Die Angst des Kölner Oberbürgermeister vor "zerfetzender Kritik und scharfer Abwehr", die er bei der Eröffnung formuliert, ist berechtigt. So war es damals, 1912, als mit der Ausstellung des Sonderbunds, einer Düsseldorfer Künstlervereinigung, eine Lawine der Entrüstung losgetreten wurde.
Fotos zur Ausstellung
Heute hingegen lässt die Liste der Künstler, die bei der Rekonstruktion der Jahrhundertschau in Köln wieder vereint sind, die Herzen der Kunstfreunde höher schlagen: Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Edvard Munch, Emil Nolde, Egon Schiele, Paul Cézanne, Paul Gauguin, August Macke und Edvard Munch und viele andere mehr sind vertreten. Rückblickend wissen wir, dass sie die Wegbereiter der Moderne sind. Rund ein Fünftel der damals gezeigten 650 Exponate konnte das Team um Kuratorin Barbara Schaefer zusammentragen. Sie sind ab Freitag (31.08.2012) unter dem Titel "1912 - Mission Moderne" im Wallraf-Richartz-Museum in Köln wieder zu sehen.
Ein Meilenstein der Ausstellungsgeschichte

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Ein Vergleich zeigt wie die Gemälde damals hingen
Die Sonderbund-Ausstellung von 1912 kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Es war die erste Überblicks-Schau mit zeitgenössischer Malerei und Skulpturen aus ganz Europa im deutschen Kaiserreich. Die damalige Avantgarde traf auf einen konservativen Kunstgeschmack und löste eine Welle der Empörung aus. Herausragend waren damals nicht nur die hohe Qualität der Exponate und ihre beeindruckende Zahl von 650 Werken, sondern auch das Konzept, mit dem Neuland betreten wurde: „Es war eine Anleitung zum vergleichenden Sehen“, sagt Kuratorin Barbara Schaefer. Auslöser der Gesamtschau war die Angst vor der „Überfremdung durch die auswärtige, französische Kunst“ in konservativen Kunstkreisen. Die Sonderbund-Ausstellung setzte dieser Kritik eine Schau entgegen, die nach Ländern sortiert war und die „Dominanz der Franzosen überdeutlich machte“, so Schaefer. Ihre fruchtbaren Einflüsse auf andere Künstler wurden sichtbar.
Warum stellen die Düsseldorfer in Köln aus?

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Picassos "sitzender Harlekin" von 1901
Der Sonderbund war 1909 in Düsseldorf gegründet worden und vereinigte Künstler, Sammler und Museumsmitarbeiter, unter ihnen zum Beispiel Karl Ernst Osthaus, Max Clarenbach, August Deusser oder Christian Rohlfs. Drei Ausstellungen des Sonderbunds wurden in Düsseldorf gezeigt. Die vierte jedoch, die in die Kunstgeschichte einging, wanderte 1912 in die Nachbarstadt. "Düsseldorf schreckte vor dieser geballten Avantgarde zurück", erklärt die Kuratorin. So wurde die Schau nicht, wie ursprünglich geplant, im Düsseldorfer Kunstpalast gezeigt, sondern in Köln in einer eigens dafür errichteten Ausstellungshalle. Deren Ausstattung hat sich die Stadt, so Schaefer, damals 25.000 Goldmark kosten lassen: "Diese Ausstellung wurde gestützt von den Oberen der Stadt."
Die Einflüsse der Sonderbundschau

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Barlachs "Zecher" von 1909
Der Anspruch, mit einer großen Kunstschau die gesamte künstlerische Avantgarde Europas zu zeigen, wurde weitergetragen. Er ist heute beispielsweise der Kerngedanke der Documenta in Kassel, die alle fünf Jahre stattfindet. Das Ausstellungskonzept der Sonderbund-Ausstellung wirkte bis in die USA, wie die Kuratorin betont. Zudem seien die Sammlungsprofile der Museen durch die Ausstellung von 1912 nachhaltig geprägt worden. Weitere Neuerungen wurden eingeführt, die heute für uns selbstverständlich sind: So gab es erstmals einen Kurzführer für die Museumsbesucher und einen "Erfrischungsraum", in dem Speisen und Getränke angeboten wurden.
60.000 Besucher haben damals das Original gesehen. Über ihre Reaktionen heißt es im Ausstellungsheft von 1912: "Das Publikum wundert sich, dass es zunächst nur Verrenkungen sieht, in die kein Sinn zu bringen ist. Je nach Temperament ärgert es sich oder wird belustigt." Reaktionen, die es mitunter auch auf der Documenta gibt. Die Ausstellung "1912 – Mission Moderne" ist heute frei von jeglichem Empörungspotenzial. Sie ist so gut "abgehangen", dass sich dort die Klassiker der Moderne und ihre kunsthistorischen Einordnungen – Postimpressionismus, Expressionismus, Pointillismus oder Kubismus – ausgiebig studieren lassen. Heute ist es, da sind sich wohl alle einig, ein Kabinett der Kostbarkeiten.
Stand: 30.08.2012, 16.13 Uhr
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 31.08.2012, 10:44 Uhr
- regina kays schrieb am 31.08.2012, 10:44 Uhr:
- Es ist sehr erfreulich, daß das Wallraf-museum nun eine "Rekonstrutkion" der berühmten Sonderbundausstellg. versucht - aus histor. Anlaß u. am passenden Ort. Der Ausstellg. ist ein guter Verlauf u. gute Besucher- zahlen zu wünschen, zu denen ich aus gegebenem Interesse auch gehören werde.
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