OLG Hamm weist Klage ab Verschwundener "Renoir" war nicht echt

Im Streit um ein angebliches Millionenkunstwerk haben Richter am Mittwoch (06.03.1013) eine Klage gegen das Land NRW abgewiesen. Ein Geschäftsmann hatte 32 Millionen Euro Schadensersatz verlangt, weil sein Renoir-Bild aus einer staatlichen Asservatenkammer verschwunden ist.


"Enfant mangeant un fruit" ("Kind isst eine Frucht") ist der Titel des Streitobjektes. Steuerfahnder hatten das knapp 50 mal 34 Zentimeter große Bild 2004 beschlagnahmt, weil Zweifel an seiner Echtheit bestanden und der Kunstsammler es angeblich als Original verkaufen wollte. Das Kunstwerk kam bei der Essener Staatsanwaltschaft in einen Panzerschrank.

Ein Jahr später wertete ein Gutachter das Werk als Faksimiledruck und keinesfalls als Original. Zwar wird das Motiv Renoir zugeordnet, allerdings verliert sich die Spur des Bildes und Kunsthistoriker wissen nicht, wo sich das Original befindet. Der Besitzer des Drucks wünschte dennoch einige Jahre später die Herausgabe. Die Behörde musste einräumen, dass das Bild verschwunden war. Nach Verlust des Bildes verklagte der aus Kroatien stammende Sammler das Land Nordrhein-Westfalen auf Schadenersatz in Höhe von 32 Millionen Euro. Die sollte das Bild trotz des anders lautenden Gutachtens wert sein.

Beschlagnahmt und verschwunden

Bis heute ist ungeklärt, warum das Bild nicht mehr aufzufinden ist. Es könnte beim Umzug der Behörde gestohlen worden sein, vermutete der Vorsitzende Richter. In der mündlichen Verhandlung in Hamm drehte sich alles um die Frage, ob das Original in der Asservatenkammer zwischen einer ersten und einer zweiten Begutachtung gegen einen Nachdruck ausgetauscht worden war, wie der Kläger erklärt hatte.

War der Trockenstempel schon da?

Weder die ermittelnden Staatsanwälte noch ein Experte des Essener Folkwang-Museums konnten sicher sagen, ob bei der ersten Sichtung des Bildes bereits der sogenannte Trockenstempel vorhanden war, der Nachdrucke kennzeichnet. Hätte der Trockenstempel nachweislich auf dem Bild gefehlt, hätte das ein Hinweis auf die Echtheit des Renoir sein können. Kunsthistoriker Mario-Andreas von Lüttichau vom Museum Folkwang konnte sich in der Verhandlung aber nicht mehr daran erinnern, ob dieser Stempel im April 2004 bei der ersten Ansicht des Werkes eine Rolle gespielt hatte. "Mir war aber sofort klar, dass es ein Nachdruck war. Ich habe das am Papier und der Oberfläche erkannt. Außerdem gab es komische dicke Striche, die einfach nicht von Renoir selbst stammen konnten", sagte von Lüttichau vor Gericht.

Bild zwischen 50 und 80 Euro wert

Für das Landgericht Dortmund hatte eine Gutachterin 2011 anhand von einige Jahre alten Fotos des damals schon verschwundenen Werkes eindeutig festgestellt, dass es sich um einen hochwertigen Druck aus dem Jahr 1920 handelt. Ein Indiz war dabei der Trockenstempel. Den Wert des Bildes schätzten die Experten auf zwischen 50 und 80 Euro.

Wenig überzeugend waren auch die Antworten des Klägers auf die Frage zur Herkunft des Bildes. Um Gutachten einzuholen, hatte der Kläger das Werk ungeschützt im Auto nach Monte Carlo kutschiert, bevor er in Deutschland mit dem Bild aufgegriffen worden war. Die Richter des 11. Senats fanden die Behandlung des angeblich so teuren Bildes wenig sachgerecht. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.


Stand: 06.03.2013, 15.45 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 08.03.2013, 16.24 Uhr

Anonym schrieb am 08.03.2013, 16.24 Uhr:
Schade, dass er verloren hat, 32 Mio weniger für RotGrün das wäre das einzige Argument gewesen ihn den Prozess gewinnen zu lassen. 32 Mio weniger Spielgeld für die SPD, schade, schade..
hm schrieb am 08.03.2013, 12.13 Uhr:
Habt ihr überhaupt was verstanden? Da wollte jemand mehrere Millionen Euro einstreichen für ein Bild das kaum 50 Wert ist!! Betrug ist das allenfalls! Und zum Glück ist ihm das verwehrt worden!!! Richtig lesen wäre angebracht!
Betrug schrieb am 08.03.2013, 11.50 Uhr:
einsperren den Gauner aber sofort,den Ganoven im weißen Kragen.
heinzb aus nrw schrieb am 06.03.2013, 19.23 Uhr:
So was kann vorkommen in der deutschen Rechtsprechung zu Lasten des Staates Deutschland, wie war es denn bei den Schrottimmobilien, da gings bis zum OLG für die Kläger gut aus mit ihren Forderungen, der BGH entschied gegen die Kläger, sonst wären Banken in Schieflage geraten, so war es besser lt. Meinung des BGH, das die einzelnen Leute besser Pleite gingen. Das ist Rechtsprechung, warum soll es beim Bild nicht anders gewesen sein ??? Ich warte seit knapp 2 Jahren auf die Regulierung eines Schlaglochschaden am Auto, erst waren die Schreiben weg, dann die Schlaglöcher, dann die Fotos, wenn ich im Gegensatz einen Poller angekratzt hätte, die hätten den sofort ausgewechselt wegen Materialschwäche oder was auch immer und das Geld sofort eingetrieben auf den Ämtern der Stadt. Das ist Gerechtigkeit, meine ich.