Blogger benutzen Islam als Feindbild Angst vor dem Islam - und stolz darauf

Von Dominik Reinle

"Gegen die Islamisierung Europas" - das Blog "Politically Incorrect" macht Front gegen den Islam. Mit Erfolg: Die in Köln gegründete Website vermeldet mehrere Millionen Besucher. Kritiker sprechen von rassistischer Propaganda.


Stefan Herre
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PI-Gründer Stefan Herre

"Islamophobic and proud of it", steht auf T-Shirts, Tassen und Buttons, die im Internet-Shop des Blogs "Politically Incorrect" (PI) angeboten werden. Abgebildet ist darauf jeweils König Johann III. Sobieski, bewaffnet und hoch zu Pferd. Unter seiner Führung wurden 1683 die Türken vor Wien vernichtend geschlagen. "Islamophob und stolz darauf" - der Slogan, der wie eine Kriegserklärung an Muslime klingt, ist für PI-Gründer Stefan Herre ein Bekenntnis: "Phobie heißt Angst, und ich habe Angst vor dem Islam." Dafür brauche man sich nicht zu schämen. "Wenn man Angst vor der Islamisierung Europas hat, dann kann man ruhig dazu stehen - und das tun wir auch."

Nach Meinung von Diplom-Sportlehrer Herre ist der Islam keine Religion, sondern eine "Gewaltideologie". 99 Prozent aller terroristischen Mordanschläge, behauptet Herre, würden derzeit von Muslimen begangen. "Man braucht nur ein paar Suren im Koran durchzulesen, da weiß man schon, woher die Gewalt resultiert." In den PI-"Leitlinien" steht, der Islam habe "kein anderes Ziel, als jede andere Gesellschaftsform abzuschaffen". Unterschiede zwischen Islam und Islamismus leugnet PI. Der Islamismus, eine extremistische politische Bewegung mit religiösem Anstrich, wird von PI mit der Religion Islam weitgehend gleichgesetzt.

Über 5,8 Millionen Besucher

Mit dieser Weltsicht stößt Herre offenbar auf Interesse: Über 5,8 Millionen Besucher verzeichnet PI nach eigenen Angaben seit der Gründung in Köln vor drei Jahren. "Wir haben mittlerweile 15.000 bis 18.000 Besucher täglich", sagt Herre, der heute in Bergisch Gladbach wohnt. Stefan Niggemeier, Medienjournalist und Betreiber des medienkritischen "Bild-Blog", hält diese Zahlen für realistisch: "Politically Incorrect zählt zu den größten deutschen Blogs."


Die dort gepflegten Vorurteile, sagt Niggemeier, fänden sich an vielen anderen Stellen wieder. Beispielsweise bei den Online-Angeboten einiger großer Tageszeitungen, wo Leser einzelne Artikel teilweise direkt kommentieren können: "Wenn es in den Artikeln auch nur annähernd um Ausländer oder Islam geht, tauchen in den Leser-Kommentaren dazu oft ganze Versatzstücke von Politically Incorrect auf." Zudem sei PI keine Einzelerscheinung, sondern gehöre zu einem Netzwerk: "Es gibt viele befreundete Blogs und Internetseiten, die sich untereinander verlinken und ihre Geschichten gegenseitig aufnehmen und zuspitzen."

Herre: "Medien verschweigen Migrantengewalt"

An den Start ging PI kurz nach der Wiederwahl von George W. Bush. "Ich habe PI am 11. November 2004 gegründet, um etwas gegen den Anti-Amerikanismus zu tun, gegen das plumpe Bush-Bashing", sagt Stefan Herre. Der große Schub kam ein gutes Jahr später mit der Veröffentlichung der umstrittenen dänischen Mohammed-Karikaturen, die PI übernommen und ins Netz gestellt hatte. "Bis dahin hatte ich alles allein gemacht." Seither gibt es laut Herre ein Autorenteam, das ehrenamtlich arbeite. Zurzeit bestehe es aus sechs Autoren. Den Erfolg von PI erklärt Herre durch das Aufgreifen "politisch inkorrekter Themen": "Wir sprechen Themen an, die etablierte Medien verschweigen, wie etwa das unbeliebte Thema Migrantengewalt."

In der gleichnamigen Rubrik stellt PI anhand aktueller Kriminalfälle einen Zusammenhang her zwischen Gewaltverbrechen und der ausländischen Herkunft von Tatverdächtigen. Ziel dabei ist offenbar die Darstellung der angeblich "überdurchschnittlichen Gewaltbereitschaft unter Angehörigen der Friedensreligion", wie PI den Islam ironisch nennt. Bei dieser Sichtweise ist es nur konsequent, dass PI den Pressekodex des Deutschen Presserates als "politisch korrekt" abwertet. Dieser lehnt nämlich bei der Berichterstattung über Straftaten die pauschale Erwähnung der Zugehörigkeit zu ethnischen und religiösen Minderheiten ab - weil dadurch Vorurteile geschürt werden.

Niggemeier: "PI mischt Kritik mit Hass"


Stefan Niggemeier
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PI-Kritiker Stefan Niggemeier

Medienexperte Niggemeier hält PI für gefährlich: "Unter dem Deckmantel der Aufklärung werden scheinbar rational begründete Argumente für Ressentiments gegen Ausländer geliefert." Es sei richtig, sich kritisch mit dem Islam auseinanderzusetzen, findet Niggemeier: "Aber bei PI mischt sich das nur mit Hass und Vorurteilen." Die PI-Logik laufe darauf hinaus, jeden kleinen Döner-Buden-Besitzer abzulehnen. Das schlage sich auch in den Reaktionen auf die Texte nieder: "Es ist ein unverhohlen rassistischer Mob, der sich im PI-Kommentarbereich täglich versammelt".

Die Argumentationslinie von PI werde, so Niggemeier, von vielen Kommentatoren des Blogs als Legitimation für ihre Ausländerfeindlichkeit verstanden. Als Kommentatoren können Leser tätig werden, wenn sie sich bei PI registrieren lassen. Tatsächlich werden Muslime in manchen Kommentaren sprachlich massiv abgewertet und beispielsweise als "Türkenpack", "Musel", "Migrationsmüll", "Abschaum", "Parasiten" oder "Schädlinge" bezeichnet. Bei soviel angeblicher Bedrohung werde sogar "Selbstjustiz" angekündigt. Niggemeiers Fazit: "PI ist ein Forum für diffamierende, verleumderische, beleidigende, bedrohende, volksverhetzende und rassistische Inhalte."

Im zweiten Teil: Wie "Politically Incorrect" auf den Rassismusvorwurf reagiert, und wer aus PI-Sicht Schuld an der angeblichen Islamisierung Europas ist.


Stand: 17.12.2007, 00.00 Uhr